American Idiot in der Batschkapp in Frankfurt

Ein Green Day Musical? Sowas gibt es?- Ja, tatsächlich und das auch schon ganz schön lange. Vor vielen vielen Jahren hatte ich mal die Zeitschrift Musical abonniert und las dort, dass das Musical American Idiot, mit der Musik von Green Day, am Broadway spielen würde. Cool dachte ich mir. Das würde ich ja auch mal gerne sehen. Daraus ist aber erstmal nichts geworden. Daher habe ich mich sehr gefreut, als OffMusical Frankurt bekannt gegeben hat, dass sie genau dieses Stück als zweite Produktion in Frankfurt planen.

Ich war wirklich sehr gespannt. Welche Darsteller besetzt man denn da? Und – oh die Texte werden übersetzt. Macht Sinn, ist aber immer gefährlich (besonders wenn Green Day Fans im Publikum sind). Und die wohl größte Frage: Wie bringt man das auf die Bühne? Daher führte kein Weg daran vorbei: Ich musste zur Premiere, um mir all diese Fragen beantworten zu können.

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Als ich in Frankfurt ankam, war ich erstmal erschlagen. Wer den Weg von Off Musical Frankfurt ein wenig begleitet oder verfolgt hat und vielleicht bei Hedwig war (oder sogar Tick..tick…Boom in Bremen?), dem kann ich sagen, dass in Frankfurt ist eine andere Liga. Die Location ist einfach nur riesig. Schon beim Betreten hat man ein absolutes Konzertfeeling.

Meine Frage, wen man denn für so ein Stück besetzt, wurde ja bereits im November beantwortet. Eine tolle Mischung aus bekannten und jungen Darstellern. Als Frontman Johnny wurde Philipp Büttner besetzt und auch Lisa Antoni, die die Whatsername spielt, durfte insbesondere für die österreichischen Musicalfans ein bekanntes Gesicht sein.

Aber wie bringt man jetzt ein Green Day Musical auf die Bühne und worum geht es überhaupt? Das Musical handelt von drei Jugendlichen, die ihr Leben in der Kleinstadt satt haben und sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens begeben. Johnny, Will und Tunny  schlagen dabei unterschiedliche Wege ein und werden mit Themen wie Drogensucht, ungewollter Schwangerschaft und Krieg konfrontiert. Es ist also kein Gute-Laune-Musical, sondern eine Geschichte, die man erstmal sacken lassen muss und die die klare Handschrift eines Punk-Rockers zeigt.

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Was man in Frankfurt auf der Bühne erlebt ist anders, neuartig und einfach nur grandios. Es hat etwas von Konzert, es hat etwas von Musical und ist doch etwas ganz Neues. Die Show ist ohne Pause, sowohl für die Zuschauer als auch für die Darsteller. Etwas mehr als 90 Minuten lang explodiert die Bühne. Ich habe selten ein Musical erlebt, das so schnell ist. Die Geschichte wird wahnsinnig schnell vorangetrieben und es kommt ein Song nach dem anderen. Weder die Darsteller noch das Publikum haben hier Zeit zum Durchatmen. Und diese könnten die Darsteller eigentlich gut gebrauchen. Denn es wird auch sehr sehr viel getanzt. Ich habe höchsten Respekt vor dem, was die Darsteller dort auf der Bühne leisten. Trotz der körperlichen Anstrengungen sitzt jeder Tanzschritt bis zum Ende, jeder Ton wird mit Leichtigkeit getroffen und auch Schauspielerisch fällt niemand aus seiner Rolle.

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Philipp Büttner, der zur Zeit auch als verträumter Aladdin auf der Bühne steht, zeigt, dass er nicht nur Disney kann. Auch die Rolle des Johnny spielt und singt er überzeugend. In diesem Stück durchlebt er eine rasante Charakterentwicklung und schafft es diese überzeugend zu vermitteln. Auch gesanglich kann er in diesem Stück eine andere Facette zeigen und überzeugte mich ein weiteres Mal davon, dass er eine fantastische Stimme hat.

Dennis Hupka übernahm die Rolle des Will und wurde in diesem Stück mit dem Thema „Schwangerschaft“ konfrontiert. Fast lethargisch und depressiv wirkt er auf seiner Bank auf der Bühne. Man hat das Gefühl er stehe nur kurz vor dem Suizid. Ein Charakter, der nicht pogend über die Bühne springt, sondern auf eine ruhige, aber dennoch sehr präsente und beeindruckende Art und Weise seine Geschichte erzählt. Dennis Hupka macht dies wirklich fantastisch und kann auch in seinen Gesangspart brillieren.

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Eines meiner persönliches Highlights des Abends war Sebastian Smulders als Tunny. Sein Weg raus aus der Kleinstadt führte zur Army und damit zu Traumata und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sein Schauspiel war wirklich unfassbar beeindruckend und gleichzeitig bedrückend. Dass ein so junger Mensch so etwas so überzeugend auf die Bühne bringen kann, hat mich einfach nur begeistert. Hinzukamen seine tollen Gesangsauftritte, die nur noch einmal mehr sein Talent unterstrichen haben.

Robert Lankester verführte als St. Jimmy Johnny mit Drogen und führte ihn in die Welt des Rausches. Er war Zauberer, Teufel, Freak und Erlöser zugleich und gab sich völlig dem Rausch hin. Er füllte diese Rolle komplett aus, gab sich dem Verlangen hin und wirkte zugleich skurril und authentisch.

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Wie bereits erwähnt verkörperte Lisa Antoni die Whatsername und erlebte gemeinsam mit Johnny die Höhen und Tiefen des Drogenrausches. Sie war Johnnys geheimnisvolle Liebe  auf der Suche nach sich selbst und wurde nicht nur vom Leben, sondern auch von Johnny enttäuscht. Auch hier spielt sich eine rasante Charakterentwicklung ab, die Lisa überzeugend auf die Bühne bringt. Auch sie beweist, dass sie nicht nur „klassisches Musical“ kann, sondern auch Punk-Rock glaubwürdig und energiereich auf die Bühne bringen kann.

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Heather, die schwangere Freundin von Will, wird von Laura Friedrich Tejero gespielt. In ihren Auftritten durchlebt sie Unsicherheit, Frustration und das Verlangen aus ihrem Leben auszubrechen.24_Laura-Friedrich-Tejero_Sammy-Crostewitz_Dennis-Hupka Auch sie bringt ihre schnelle Charakterentwicklung überzeugend auf die Bühne und kann auch in den Gesangsparts überzeugen.

Lena Weiss bietet als Abgefahr’ne Frau Tully einen Hoffnungsschimmer an seinem düsteren Nachkriegs-Himmel. Sie ist zugleich stark und selbstbewusst, aber ebenso verständnisvoll und fürsorglich. Genauso wie Claudio Gottschalk-Schmitt als LieblingssohnPaulina Plucinski als Alysha und Yvonne Braschke als Chelsea ist sie spielfreudig und stimmstark. Dieses Musical ist wirklich exzellent besetzt. Alle Darsteller sind stimmlich stark, spielen ihre Rollen bis ins kleinste Detail aus und bringen eine fast greifbare Energie auf die Bühne.

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Neben den Darstellern stand eine sechsköpfige Band auf der Bühne, die die Green Day Songs mit Energie und dem richtigen Mischung aus Punk-Rock-Konzert und Musicalfeeling auf die Bühne brachte. Lediglich die Abmischung von Band und Sängern könnte noch optimiert werden, da es teilweise schwierig war die Texte zu verstehen. Und das ist schade, denn diese sind wirklich gut übersetzt worden. Ein paar Reihen vor mir ist mir ein Paar aufgefallen, die ganz eindeutig Green Day Fans waren und die irgendwann die deutschen (!) Texte mit einem Lächeln auf den Lippen mitsangen. Ich denke mehr muss zu der Übersetzung nicht gesagt werden.

Ihr Lieben, ich kann Euch wirklich nur empfehlen American Idiot in Frankfurt nicht zu verpassen. Was dort zu erleben ist, ist etwas ganz anderes als das, was man in den Großproduktionen geboten bekommt. In Frankfurt könnt ihr junge, exzellente Darsteller mit einer ungebändigten Spielfreude, eine ergreifende Geschichte, tolle Musik erleben und über euren bisherigen Musicalhorizont erweitern.

2 Gedanken zu “American Idiot in der Batschkapp in Frankfurt

    • Miriam schreibt:

      Hi Larissa,
      dann habe ich ja alles richtig gemacht 😉
      Ich kann mich da wirklich nur wiederholen: Es ist echt super und definitiv einen Besuch wert.

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