Bat Out Of Hell im Metronom Theater in Oberhausen

Kaum wieder in Deutschland angekommen, hat es mich natürlich direkt wieder ins Musical getrieben. Mein innerer Musicalakku war doch ganz schön leer gelaufen und ich musste einfach mal wieder Theaterluft schnuppern! Da Oberhausen nicht weit weg ist und ich ja auch die Premiere von Bat Out Of Hell verpasst hatte, sollte dieses neue Musical das erste sein, was ich nach meiner Rückkehr sehen würde. Ich muss gestehen, dass ich nach der Bekanntgabe, dass dieses rockige und ja doch recht verrückte Musical nach Oberhausen kommen würde, nicht gerade begeistert war. Ich habe mir die Frage gestellt, ob dieses Stück in Deutschland funktionieren kann. Ist die Schnittmenge aus Musicalfans und Rock- bzw. Meat Loaf-Fans groß genug, um das Metronom Theater regelmäßig zu füllen? Besteht bei diesem Stück nicht die Gefahr, dass es nicht mainstream genug ist, um auch die breite Masse zu begeistern? Da ich auch mehr auf Pop, Glitzer und zauberhafte Kostüme stehe (da bin ich ganz Mädchen), stand Bat Out Of Hell auf meiner persönlichen Wunschliste für Oberhausen auch gar nicht erst drauf.

BAT OUT OF HELL

Auch nach den ersten Shows und der Premiere haben mich in Japan ganz unterschiedliche Meinungen erreicht. Von „einmal und nie wieder“ bis „einfach großartig“ war alles dabei. Und da sich die Meinungen so spalten, war ich super gespannt wie es mir gefallen würde. Bester Laune und beschwingt ging es daher zwischen Weihnachten und Silvester für mich ins Metronom Theater. Ich war wirklich offen das Stück auf mich wirken zu lassen, auch wenn eine leichte Skepsis mitschwang, da ich mir nicht sicher war, ob es mir gefallen würde.

Im Vorhinein hatte ich mich (wie so oft) nicht wirklich über die Story informiert. Man muss bei diesem Stück aber auch sagen, dass die Geschichte sehr konfus, sprunghaft und nicht immer schlüssig ist. Ganz klassisch liegt der Fokus auf der Liebesgeschichte zwischen Strat und Raven. Strat gehört zu einer Gruppe 18-jähriger, die aufgrund vergangener Ereignisse, nicht mehr altern. Raven ist die Tochter von Falco und Sloane, die behütet aufgewachsen ist und nun anlässlich ihres 18. Geburtstags ausbrechen und das Leben mit all seinen Facetten erfahren möchte. Es hat ein bisschen was von West Side Story, Romeo & Julia und auch irgendwie Tanz der Vampire. Natürlich gibt es auch noch Nebenhandlungen (z.B. die Beziehung zwischen Falco und Sloane sowie Zahara und Jagwire), aber insgesamt muss man sagen, dass die Geschichte hier vernachlässigt werden kann.

Obwohl die Geschichte so konfus ist, sind die einzelnen Charaktere sehr stark und durchleben interessante Entwicklungen während des Stücks. Meiner Meinung nach liegt dies nicht am Stück, sondern an dem großartigen Cast, der in Oberhausen auf der Bühne steht und wirklich alles aus den Rollen herausholt. Sowohl schauspielerisch als auch gesanglich.

Als Strat durfte ich Robin Reitsma erleben, der die Bühne im wahrsten Sinn des Wortes zum Brennen brachte. Was für eine Power, eine unglaubliche Bühnenpräsenz und absolut stimmsicher in allen Songs. Ich war unglaublich beeindruckt, was dieser junge Darsteller auf die Bühne brachte.

BAT OUT OF HELL

April van Amelsvoort übernahm die Rolle der Raven. Hätte man mir gesagt, dass sie die Erstbesetzung sei, hätte ich das ohne zu Zweifeln geglaubt. Sie spielte sicher, sang die Songs kraftvoll und gefühlvoll und lieferte mit Robin eine tolle Show ab.

Bei der Planung meines Besuchs habe ich besonders auf die Spieltermine von Willemijn geachtet und durfte sie dann auch als Sloane auf der Bühne erleben. Stimmlich gewohnt gewaltig und mit einer tollen Bühnenpräsenz, brachte sie die doch recht verrückte Sloane auf die Bühne. Sie balancierte die Persönlichkeit dieser Rolle geschickt zwischen ernsthaft, verrückt und lustig.

BAT OUT OF HELL

Einfach nur großartig und perfekt für die Rolle des Falco war Alex Melcher. Hätte man mir gesagt, die Rolle sei für ihn geschrieben worden, auch das hätte ich geglaubt. Die teilweise sehr schwierigen Songs sang er absolut sicher und brachte auch schauspielerisch viele Facetten auf die Bühne.

BAT OUT OF HELLAls Jagwire durfte ich Benet Monteiro erleben. Und als er mit seiner unglaublich schönen Stimme sang, habe ich mich sehr geärgert, dass ich es nicht noch mal zu Kinky Boots nach Hamburg geschafft hatte und somit auch die Chance verpasst habe ihn als Lola sehen zu können.

Die Rolle der Zahara wurde an diesem Abend von Bathoni Puplampu übernommen. Bereits bei Tarzan war sie im Metronom Theater als Tänzerin Teil des Ensembles. Teilweise fehlte mir in ihrer Stimme etwas Power und bei ihrem Auftritten etwas Bühnenpräsenz, insgesamt machte aber auch sie einen tollen Job.

Tom van der Ven, den ich bereits einige Male als Alfred in Tanz der Vampire sehen durfte, übernimmt in Oberhausen nun die Rolle des Tink. Und auch hier wurde ganz hervorragend gecastet. Tom passt perfekt in die Rolle des immer 16-Jährigen.

Auch die weiteren Rollen waren stimmig besetzt und das Ensemble wirkte dynamisch und stimmgewaltig.

Neben dem tollen Cast war für mich das Bühnenbild wirklich sehr beeindruckend. Es gibt Flächen, auf denen Aufnahmen eines Kameramannes live übertragen werden. Dann gibt es den Falco-Tower, der ein unglaublich hohes Element auf der Bühne ist. Es gibt viele verschiedene Ebenen, die unterschiedliche Schauplätze bilden und damit viel Abwechslung schaffen. Eine sehr interessante Umsetzung, die ich dort so zum ersten Mal erleben durfte.

BAT OUT OF HELL

Nun habe ich etwas zur Story, zum Cast und zum Bühnenbild gesagt. Vielleicht noch ein paar Worte zur Musik: Ja, es ist rockig. Die rockige Musik bringt unglaublich viel Dynamik und Energie auf die Bühne. Gleichzeitig aber auch die Schwierigkeit, dass die Darsteller nicht immer so leicht zu verstehen sind. Wird im Ensemble gesungen oder singen Solisten mit einem starken Akzent, ist es teilweise wirklich nicht so einfach die Texte zu verstehen, da die Band sehr laut ist. Ich bin kein Meat Loaf-Fan und störe mich daher auch nicht an den Übersetzungen. Auch den Mix aus Deutsch und Englisch, habe ich nicht als störend empfunden. Einige Melodien habe ich erkannt. Nicht (nur) aus dem Radio, sondern auch von Tanz der Vampire. Bei der „Gier“ war es natürlich am deutlichsten und auch irgendwie komisch. Aber dadurch, dass Kontext und Text ja völlig anders sind, habe ich es nicht als störend empfunden.

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Wie hat es mir also gefallen? Ich würde vermuten, dass in meinen Schilderungen schon ein positiver Unterton mitschwingt. Mir hat es tatsächlich gut gefallen. Auch besser als ich erwartet hatte. Es wird sicher nicht mein neues Lieblingsmusical, das liegt aber auch einfach am Musikstil und dieser komischen Handlung. Der Cast und das Bühnenbild sind aber zwei entscheidende Faktoren, die dieses Stück wirklich besonders machen. Ich bin sehr gespannt wie und wie lange sich dieses Musical in Oberhausen halten wird. Ich war zwischen Weihnachten und Silvester an einem Samstagabend in der Show und der Zuschauerraum war etwa zur Hälfte voll. Bat Out Of Hell ist ein spezielles Stück. Eben nicht mainstream. Man kann dieses Musical nicht jedem empfehlen und sich sicher sein, dass es der Person gefallen wird. Es ist kein Musical, dass man mit der ganzen Familie besucht oder mal die Großeltern zu einlädt. Hier liegt es also nun am Metronom Theater dieses Musical so zu vermarkten, dass die richtigen Leute in die Show kommen und der Cast möglichst lange vor möglichst großem Publikum spielen kann. Wünschen tue ich es ihnen auf jeden Fall!

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