CATS im Theater am Marientor in Duisburg

cats-foto-11-credit-alessandro-pinnCATS – ein Stück, was, vermutlich nicht nur bei mir, mit wahnsinnig vielen Erinnerungen verbunden ist. 1983 wurde es in Wien aufgeführt. Eine Mischung aus Tanz und Gesang wurde auf eine neuartige Weise auf der Bühne präsentiert. Dem Publikum wurde etwas Neues, etwas Unbekanntes gezeigt. 1983 war ich natürlich nicht dabei. Da hat auch noch niemand an mich gedacht. Aber meine Patentante war dort und erzählte mir oft wie fasziniert sie von dieser Show war. Sie stand die komplette Vorstellung auf hohen Schuhen, weil sie von ihrem Sitzplatz aus nicht sehen konnte. Schmerzende Füße? Hat sie nicht gespürt, weil sie so in den Bann gezogen, so verzaubert wurde und völlig in die Welt der Jellicle Cats eingetaucht ist.

Aber auch wenn ich 1983 noch nicht dabei war, hatte auch ich mit CATS meinen ersten Kontakt mit Musicals. Und das auf Fuerteventura. Jetzt werden einige vermutlich ein großes Fragezeichen auf der Stirn haben und sich fragen: Wann CATS denn jemals auf Fuerteventura war?

CATS_Miniclub

Naja, halt im Mini Club unseres Hotels. Dort haben wir Kinder CATS aufgeführt. Und ich war total begeistert. Ich fand es großartig und wollte es dann am liebsten sofort auf der Bühne anschauen. Mit 9 Jahren war mir noch nicht so bewusst, dass nicht jedes Musical ständig irgendwo zu sehen ist. Also musste ich mich noch etwas gedulden. Aber dann kam CATS 2002 nach Berlin. Und dort ging es dann für meine Patentante, deren Mutter, meine Mutter und mich hin. Die kleine Miri holte sich eine Sitzerhöhung, setzte sich auf ihren Platz, zog die dicken Winterstiefel aus und machte es sich mit einer kleinen Dose mit Gummibärchen gemütlich. Ein Bild, das meine Patentante wohl nie vergessen wird.

Und ich war begeistert. CATS hatte sich einen großen Platz in meinem Herzen ertanzt und ersungen. Ein halbes Jahr später kam CATS dann auch noch nach Düsseldorf und dort durfte ich es mir dann ein zweites Mal ansehen. Dieses Mal war ich allerdings noch besser vorbereitet. Denn in Berlin hatte ich gesehen, dass Old Deuteronomy in der Pause auf der Bühne bleibt und Autogramme gibt.cats-foto-10-credit-alessandro-pinn Also druckte ich zu Hause ein großes Bild von ihm aus, klebte es auf eine von mir mühsam schwarz bemalte Pappe, kaufte einen glitzer Edding und stiefelte in der Pause auf die Bühne, um mir ein Autogramm zu holen. Old Deuteronomy fragte mich, ob er es auf dem Bild sei. Mit meinen 10 Jahren dachte ich mir: Na, klar. Alte Katze, dick, viel Fell. Wer soll es sonst sein? Erst mit ein paar Jahren mehr Musicalerfahrung, kam mir in den Sinn, dass der Darsteller wohl fragte, ob er, als Darsteller, auf dem Bild zu sehen sei und nicht der Charakter, den er spielte. 😀

Mit all diesen mittlerweile über 15 Jahre alten Erinnerungen im Gepäck, ging es dann für meine Patentante und mich am Dienstag ins Theater am Marientor. Dort macht zur Zeit die aktuelle West-End CATS Tour Halt. Wir beide waren wahnsinnig aufgeregt. Wie würde uns das Stück wohl nach so langer Zeit gefallen? Wie wird uns diese Inszenierung gefallen? Inwieweit werden unsere Erinnerungen mit einspielen?

cats-foto-05-credit-alessandro-pinn

Und was soll ich sagen: Es war toll. Ich gebe allen Recht, die sagen, CATS sei nicht mehr zeitgemäß. Die Story habe keinen richtigen dramaturgischen Aufbau. Ja, das stimmt. Heute würde niemand mehr so ein Musical schreiben. Aber behält man im Kopf aus welcher Zeit dieses Musical kommt und was es ausgelöst hat, schaut man es sich aus einer ganz anderen Perspektive an. Hinzukommen die Erinnerungen, die sicherlich viele mit dem Stück haben. Und wenn man sich dann auf tanzende Menschen in Katzenkostümen einlässt, hat dieses Stück seine absolute Daseinsberechtigung.

Die Tour, die noch bis Sonntag in Duisburg und dann im November in Köln (8.11. – 26.11.) zu sehen ist, ist auf einem sehr hohen qualitativen Niveau. cats-foto-02-credit-alessandro-pinnDie Darsteller sind bis in die kleinste Rolle absolut großartig. Es hat mich an dem Abend nichts gestört. Die Darsteller spielten die Katzen mit ihren ganz eigenen Charakteren wirklich toll und waren zu jeder Zeit 100% in ihrer Rolle. Ich war beeindruckt wie viel getanzt wurde und dass man es in den Stimmen der Darsteller absolut nicht hörte. Kein Hecheln, nach Luftschnappen oder ähnliches, sondern durchgehend ein perfekter Gesang. Besonders positiv aufgefallen ist mir wie exakt gesungen wurde. Selbst in den Ensemble-Nummern hat man wirklich jedes Wort verstanden. Und eines hätte ich nicht gedacht: Dass ich bei Memories, einem Song, der ja wirklich fast auf jeder Musical Gala gesungen wird, noch einmal weinen muss. Joanna Ampil hat mich wirklich total abgeholt und berührt. Und dass, obwohl sie vom Dirigenten ganz schön durch den Song gehetzt wurde. Man hatte der es eilig…

Also, ihr hört schon raus: Ich bin absolut begeistert von dieser Inszenierung. Ich kann sie jedem, der sich CATS zum ersten Mal oder wiederholtem Male anschauen möchte, nur ans Herz legen. Ja, es ist aus einer anderen Zeit, es wird nur gesungen und nicht gesprochen, die Menschen tragen Katzenkostüme und es wird viel klassisch getanzt. Aber, wenn man sich darauf einlässt und einstellt, wird man einen grandiosen Abend haben. Zu beachten wäre nur noch, dass diese Tour auf Englisch ist.

cats-foto-03-credit-alessandro-pinn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *