Cirque du Soleil Paramour im Stage Theater Neue Flora in Hamburg

Musical und Artistik verbinden – sicherlich keine innovative Idee, aber doch eine mit großem Erfolgspotential. Inbesondere, wenn sich zwei starke Marken wie Stage Entertainment und Cirque du Soleil für solch ein Projekt zusammenschließen. Doch wie führt man diese zwei sehr künstlerischen Welten zusammen? Welche Komponenten aus den Genres nutzt man und wie verbindet man sie? Die Werbung für Paramour ließ schon mal darauf schließen, dass diese Verschmelzung zu einem pompösen Endprodukt geführt hat – Glitzer, Glamour und vor allem von allem sehr viel!

JPG_72_dpi_RGB-PARAMOUR HH_Hollywods Pracht (c) John Davis

Als langjähriger Musicalfan freue ich mich immer über neue Produktionen mit neuen Ideen. Als ich von Paramour erfuhr war ich gespannt auf das Konzept. Wie würden wohl die Artisten in eine Geschichte integriert werden? Und wie würde das Zusammenspiel aus Gesang, Story und artistischen Performances funktionieren? Um das herauszufinden gab es nur eine Möglichkeit: Es sich anschauen und sich eine Meinung bilden! Also ging es nach Hamburg und ab in die Neue Flora.

Die Geschichte, die Paramour zugrunde liegt, ist recht simpel. Im goldenen Zeitalter von Hollywood trifft ein junger, aufstrebender Komponist mit seiner Freundin auf einen erfolgreichen Filmregisseur. Der Regisseur, AJ, verpflichtet die junge Dame als Darstellerin für sein aktuelles Filmprojekt. AJ gibt der jungen Künstlerin den Namen Indigo und formt sie zu einem Star. Joey, der Komponist, verliert immer mehr den Draht zu Indigo, die sich mehr und mehr in die Fänge von AJ und der Hollywood-Industrie begibt. AJ und Joey sind beide in Indigo verliebt. Indigo steht dazwischen und muss eine Entscheidung treffen…

Paramour Broadway_Akrobaten in der BAR

Die Geschichte des Musicals in die Hollywood-Welt zu verlegen, war zugleich ein kluger wie auch unkluger Schachzug. Die Glamourwelt bietet tolle Spielorte, es wird damit gespielt, dass Szenen aus der Geschichte des Musicals wie auch aus dem Filmprojekt dargestellt werden. Der Phantasie scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Und das ist gleichzeitig auch die Problematik. Das Thema des Musicals bietet unendlich viele Möglichkeiten wie man sowohl die Story umsetzen, aber gleichzeitig auch wie man die Artisten einbinden kann. Und gefühlt wird alles umgesetzt, teilweise gleichzeitig, parallel und mit vielen vielen Menschen auf der Bühne.

Bei mir hat das inbesondere im ersten Akt zu sehr viel Reizüberflutung geführt. Ich wusste gar nicht wo ich hinschauen sollte. Zu Joey, der Klavier spielt und singt? Zu dem Paar auf dem Einrad? Zu den Artisten, die sich gegenseitig hin- und herwerfen? Zu den Tänzern, die drumherum tanzen? Wow! Für mich war in der Regel viel zu viel los auf der Bühne. Besonders gut gefallen hat mir, dass Duo an den Strapaten. Während ihrer Performance war der Fokus ganz klar auf den beiden Artisten. Nicht nur ihr Act war toll und atemberaubend anzuschauen, die ganze Szene wurde von einer tollen Atmosphäre unterstützt.

PARAMOUR BROADWAY_Twinns Cleopatra_2

Eine ganz wichtige Komponente bei einem Musical ist natürlich die Musik. Ich muss gestehen, dass ich das Theater ohne einen Ohrwurm verlassen habe. Ich war während der Show immer wieder überrascht was für anspruchsvolle Passagen die Sänger zu singen hatten. Gleichzeitig aber auch betrübt, dass diese völlig untergingen.

Insgesamt blieb bei mir der Eindruck, dass die zwei „menschlichen“ Komponenten „Gesang“ und „Artistik“ durch die opulente Wucht des Stücks erdrückt wurden. Weder Artisten noch Sänger hatten ihre Momente im Spotlight. Dadurch dass alles gemeinsam, zusammen, parallel geschah, nahm man den Großteil einfach nicht wahr. Und das ist schade, denn auf der Bühne stehen hervorragende Künstler. Ich durfte Gian Marco Schiaretti als AJ erleben, der herrlich böse und fies war. Als Indigo war Ann Sophie auf der Bühne, die eine tolle Entwicklung präsentierte und eine wahnsinnige Bühnenpräsenz zeigte. Anton Zetterholm durfte ich als Joey erleben. Laura Panzeri als Gina und Patrick A. Stamme als Robbie brachten einen tollen Charme und eine ordentliche Portion Witz mit auf die Bühne.

PARAMOUR HH_Joey (Anton Zetterholm) und Indigo (Ann Sophie) (c) Morris Mac Matzen (3)

Für mich ist Paramour unterm Strich ein Projekt mit mehr Schwächen als Stärken. Eine tolle Idee, ein wahnsinniges Bühnenbild, alles sehr detailverliebt, aber beim Betrachten einfach zu viel. Zu viel, zu laut, zu lang. Einige Kompetenten müssten etwas eingedampft werden, damit man als Besucher die Chance hat, die Künstler und Performances wahrzunehmen und entsprechend zu würdigen.

 

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