Der Glöckner von Notre Dame im Apollo Theater Stuttgart

,,Ach, du hast es noch nicht gesehen? Es ist sooooo toll!“ Das ist der Satz, den ich in den Tagen vor der Glöckner-Premiere wohl auf häufigsten gehört oder gelesen habe. Ich weiß selbst auch nicht wie es dazu kommen konnte, aber ich habe es nicht geschafft mir den Glöckner in Berlin oder München anzuschauen. Obwohl ich durch die ganzen positiven Stimmen zu diesem Stück unfassbar neugierig war. Egal wem ich erzählte, dass ich das Stück nun auch endlich sehen würde, von meinem Gegenüber leuchteten die Augen und mit einem Seufzer sagten die meisten dann Sachen wie:,,Es ist so schön!“, ,,Der Chor ist der Hammer“ oder ,,Nimm Taschentücher mit.“ Das hat meine Neugier natürlich nur noch mehr angefacht und ich war total gespannt auf den Premierenabend im Stuttgarter Apollo Theater.

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Ich war wirklich sehr neugierig auf das Musical. Auch weil es nach längerer Zeit mal wieder ein Stück war, dass ich noch gar nicht kannte. Klar – grob kenne ich die Geschichte und den Disney-Film habe ich auch gesehen. Aber das ist irgendwie schon ganz schön lange her gewesen und an Details der Geschichte oder die Musik konnte ich mich auch nicht mehr so richtig erinnern. Ich hatte daher so gut wie keine Erwartungen an das, was ich auf der Bühne sehen möchte. Ich wollte mich einfach entführen und mitreißen lassen.

Tja, und was soll ich sagen? Es ist wirklich ein ganz besonderes und tolles Stück. Es fängt schon in der ersten Szene an, wenn alle gemeinsam mit dem Chor auf die Bühne kommen. Die Bühne ist voll und der Saal wird gefüllt mit Klängen, die die Zuschauer auf diese besondere Reise vorbereiten.

Ich musste beim dem Stück wirklich sehr aufmerksam sein, da es viel „Geschichte“ gab, einige Informationen, die wichtig waren, wurden nur durch die Darsteller erzählt und nicht gespielt. Dies war auch überhaupt nicht nötig, aber so musste man doch immer am Ball bleiben, um alle Handlungsstränge verstehen zu können.

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Man spürte von Beginn an, dass sich die Darsteller der besonderen Botschaft dieses Stückes bewusst waren und diese mit jedem Wort, jeder Emotion und jedem gesungen Ton vermitteln wollten. Im Publikum herrschte an diesem Abend absolute Premierenstimmung. Nach jeder Szene gab es tosenden Applaus und manchmal habe ich nur darauf gewartet, dass die Zuschauer aufstehen, um mit Standing Ovations einzelne Szenen zu feiern.

Felix Martin spielte einen schaurig bösen Erzdiakon Claude Frollo, der auf facettenreiche Art und Weise seine dunklen Seiten zeigte und dabei erschreckend authentisch wirkte. Er nahm einen komplett in seinen Bann und mit auf seine Reise in die sich immer schneller drehende Spirale des Bösen. Stimmlich war er eine absolute Wucht und mit seinem Solo ,,Das Feuer der Hölle“ begeisterte er den ganzen Saal.

Die Rolle des Hauptmann Phoebus de Martin wird auch in Stuttgart von Maximilian Mann übernommen. Er füllte diese Rolle mit so viel Optimismus und Idealismus, dass er schnell die Sympathien der Zuschauern gewinnen konnte. Hin- und hergerissen zwischen Pflicht und den eigenen Moralvorstellungen durchlebt er eine intensive Charakterentwicklung, die er authentisch auf die Bühne brachte. In den Gesangsparts überzeugte er ebenfalls und konnte seine schöne Stimme zeigen.

Als Esmeralda sah ich Mercedesz Csampai. Für mich wirklich eine exzellente Besetzung. Sie spielte die Esmeralda auf eine natürliche und erfrischende Art und Weise. Bereits bei ihrem ersten Auftritt gewann sie die Herzen des Publikums. Das Wechselbad von purer Lebensfreude zu sich ausgestoßen fühlen und wieder zurück zum Optimismus, dass die Welt irgendwann doch eine bessere sein wird, stellt sie authentisch dar. Auch gesanglich kann sie alle Songs mit Leichtigkeit singen und die Emotionen auf die Zuschauer übertragen.

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David Jakobs übernahm die Rolle des Quasimodo (nur noch bis Ende April). Wow…damit bringe ich eigentlich meine Gedanken zu ihm auf den Punkt. Quasimodo ist eine der Rollen, die jeder Darsteller, der sie spielen darf, auf seine ganz eigene Art und Weise interpretieren und spielen kann. David Jakobs konnte mich mit seiner Interpretation absolut überzeugen. Ab der ersten Sekunde spürte ich eine Verbindung zu ihm, litt mit ihm, freute mich mit ihm und verfolgte gespannt seine Entwicklung im Stück. Auch gesanglich hat er mich absolut begeistert und berührt.

Ihr merkt schon – auch mich konnte der Glöckner wirklich absolut begeistern. Ich würde das Musical tatsächlich auch gerne noch einmal sehen, da ich wirklich etwas Mühe hatte bei der Geschichte am Ball zu bleiben. Bei einem weiteren Besuch könnte ich den Kopf so etwas mehr ausschalten und vielleicht auch eine andere Interpretation des Quasimodo erleben.

JPG 72 dpi (RGB)-GVN_STU_Prio 1_Szenenmotiv_QUASIMODO SWING - David Jakobs as Quasimodo - Photo Johan Persson ©Disney

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