Der Medicus – Das Musical in Fulda

Dieses Wochenende ging es in das beschauliche Städtchen Fulda, das sich über die letzten Jahre in der Musicalszene einen Namen gemacht hat. Kein Musical wird vermutlich so sehr mit seiner Spielstätte in Verbindung gebracht wie Die Päpstin und jeder der Sabrina Weckerlin in dieser Rolle gesehen hat, weiß wie sehr sie diese  geprägt hat und kann verstehen, warum sie immer wieder nach Fulda zurückkehrt.

Und dieses Jahr ist nun ein neues Stück nach Fulda gekommen: Der Medicus. Wieder soll ein Musical, das auf einem Bestseller-Roman beruht, in Fulda seine Uraufführung feiern. Einmal über die Castliste gelesen und dann stand fest: Wir müssen dahin! Ich habe mich vorher kaum mit dem Stück auseinandergesetzt. Zum einen, weil mir die Zeit gefehlt hat und zum anderen, weil ich das Stück als Ganzes auf mich wirken lassen wollte ohne vorher schon vereinzelt Ausschnitte gesehen zu haben.

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Und ich muss sagen die Reise nach Fulda hat sich wiedermal sehr gelohnt. Der Medicus ist ein gelungenes, rundes Stück mit toller Musik, wunderbaren Ensemble-Szenen und einer berührenden Geschichte. Wer überlegt das Buch vor dem Musicalbesuch noch zu lesen: Lieber nicht. Es ist doch schon recht frei  dem Weltbestseller nachempfunden 😉 Aber das tut dem Musical keinen Abbruch.

Direkt ab der 2. Szene ist man als Zuschauer schon fast erschlagen von der Masse an Menschen, die sich da auf der Bühne tummeln. 32 Darsteller stehen auf der Castliste und sprengen fast die Bühne! Aber das ist absolut positiv gemeint. Hier wird nicht am „Personal“ gespart und ebenso wenig an den Bühnenbildern. Irgendwann habe ich das Zählen der verschiedenen Bühnenbilder aufgegebenen. Sie haben einen komplett in die Szenen eintauchen lassen und immer wieder in eine neue Welt (London, die Wüste, Isfahan, Schottland) entführt.
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Auch an Choreographien wurde nicht gespart und damit meine ich die Tanzszenen. Wie sagte meine Patentante:,,Bei einem Musical habe ich mir noch nie gedacht, dass zu viel getanzt wird.“ Und genau diesen Eindruck hatte ich auch. Szenen, in denen das ganze Ensemble auf der Bühne war und alle auch noch getanzt haben, haben mich völlig erschlagen und waren zu viel fürs Auge. Insbesondere mit einem so großen Ensemble ist weniger manchmal einfach besser. Ein paar tänzerische Bewegungen weniger oder simplere Bewegungen hätten manchen Szenen gut getan. Das Auge des Zuschauers wäre nicht so überfordert gewesen und das Ensemble hätte so die Stärke seiner Masse besser ausspielen können. Die Choreographie zur Szene „Das Herz dieser Stadt“ war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Zackige, kurze Bewegungen im Block wirkten auf mich fast schon kriegerisch, obwohl es ein fröhliches und heiteres Lied war.  Umso gelungener fand ich hingegen die Choreographie zu „Alles nur ein Spiel“. Vielleicht muss ich mich mal mit der Choreographin auf einen Kaffee treffen. Dann kann sie mir alles erklären 😉

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Nun aber zur Cast! Völlig euphorisch dachte ich bis gerade wir hätten die komplette 1. Besetzung gehabt. Aber das stimmt gar nicht. Ich kläre gleich auf wieso!

03MedicusMusicalIn der Hauptrolle Rob Cole haben wir Friedrich Rau gesehen. Wirklich eine exzellente Besetzung. Er hat einfach grundsätzlich eine so charmante und positive Ausstrahlung, dass man sofort Sympathien zu ihm aufbaut. Die Rolle spielt er wirklich mit vollem Herzblut und man fiebert und leidet mit ihm mit. Gesanglich überzeugt er durchweg mit seiner sicheren und sehr angenehmen Stimme. Für alle, die wie wir, das Gesicht sehen und sich denken: Wieso kommt der mir so dermaßen bekannt vor!? Kleiner Hinweis: Ich Tarzan, Du Jane! Einfach mal hier klicken.

 

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Die weibliche Hauptrolle Mary Cullen wurde von der großartigen Sabrina Weckerlin gespielt. Ja, ich bin ein Fan. Aber wie kann man das bei dieser Stimme nicht sein? Sie spielt einfach in einer anderen Liga und beweist in Der Medicus wieder einmal warum sie ein strahlender Stern am Musicalhimmel ist. Bei jedem ihrer Gesangsauftritte hatte ich Gänsehaut und Pipi in den Augen. Sie hat eine unglaubliche Spielfreude und in ihrer einen Tanzszene hat man gesehen, dass sie fast vor Freude geplatzt ist. Den Song Kilmarnock wird man sie sicherlich noch auf einigen Konzerten singen hören.

Ibn Sina wurde von Reinhardt Brussmann gespielt.  Wieder eine exzellente Besetzung.  Mentor und Vaterfigur werden von ihm perfekt verkörpert und man möchte am liebsten hingehen und sich von ihm in den Arm nehmen lassen. Er spielt den Lehrer und Mentor mit einer unfassbaren Ruhe und strahlt dabei so viel aus. In seinen Gesangsparts zeigt er seine warme Stimme und zieht jeden in seinen Bann.

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Und nun kommen wir zu unserer 2. Besetzung. Die Rolle des Karim wurde von Thomas Christ gespielt. Und das absolut hervorragend. Die Entwicklung vom lustigen Freund zum Macht besessenen Schah gelingt im exzellent. Auch gesanglich kann er durchweg überzeugen. Wie gesagt bis gerade habe ich gedacht, er wäre die 1. Besetzung – wirklich einfach nur gut!

Lutz Standop spielte den Mirdin. Mit seiner sympatischen, ruhigen und von Vernunft geprägten Ausstrahlung spielte er die Rolle hervorragend.  Mit seiner angenehmen Stimme konnte er auch in den gesanglichen Parts überzeugen.

Spotlight Musicals hat mit Der Medicus wieder ein hochkarätiges Musical nach Fulda auf die Bühne des Schlosstheaters gebracht. Alle, die sich noch Der Medicus anschauen werden, können sich wirklich auf ein tolles Stück freuen. Es war wieder ein toller Musicalausflug!! Ich habe mir auch direkt die CD gekauft und auf der Rückfahrt haben wir sie direkt einmal durch gehört.

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3 Gedanken zu “Der Medicus – Das Musical in Fulda

  1. Micha schreibt:

    Schöner Bericht, wenn ich auch nicht in allem zustimme (bin u.a. überhaupt kein Fan von Sabrina Weckerlin, da mir ihre Stimme zu „breathy“ ist).

  2. Fabienne schreibt:

    Toller Bericht, aber auch ich stimme nicht in allem zu! Und zwar haben mich gerade diese wahnsinnigen Tanzszenen umgehauen (vll auch weil ich selbst aus dem Tanz komme). Meiner Meinung nach absolut choreographische Meisterleistungen von einer bekannten Broadway Choreographin. Wie du sagst das letzte, entscheidende Schachspiel war auch eine meiner Lieblingsszenen. Besonders erwähnenswert finde ich in dem Zusammenhang auch das Ensemble, was durch die Bank hohe Qualitäten gezeigt hat (allen voran natürlich Peter, weil ich einfachin seine Art des tanzens verliebt bin). Bei Sabrina gerate auch ich ins schwärmen, obwohl ich sagen muss, dass mir Kilmarnock nicht besonders gut gefallen hat, auch wenn es im Ohr bleibt.
    Mach weiter so! Liebe Grüße Fabienne

    • Nasja92 schreibt:

      Hallo Fabienne,
      vielen Dank für deinen Kommentar :)
      ich bin auch selber Tänzerin 😉 Sahst du vielleicht ein bisschen weiter hinten? Ich hatte teilweise das Gefühl, dass ich zu nah dran sitze, um alles, was auf der Bühne passiert, gut aufnehmen zu können.

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