Don Camillo & Peppone bei den Freilichtspielen Tecklenburg – Premiere

Auch dieses Jahr war wieder ein Musicalbesuch der Freilichtspiele Tecklenburg geplant. Die Tickets liegen schon lange im Regal. Allerdings Tickets für Dr. Schiwago – das Musical feiert erst Ende Juli Premiere. Die Entscheidung auch zur Premiere von Don Camillo & Peppone zu fahren, kam ganz spontan. Frei nach dem Motto: spontane Ideen, sind die besten Ideen. Die Wettervorhersage war für einen Abend in Tecklenburg geradezu ideal. Und irgendwie sagte mir mein Inneres, dass ich mal wieder ganz dringend ins Musical müsste. Und so passte alles einfach zusammen. Freitagnachmittag ging es dann nach Tecklenburg. Und wie so oft wusste ich nicht auf was ich mich da einlasse. Don Camillo & Peppone sagte mir nichts und ich konnte mir auch nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Aber da ich in Tecklenburg bisher nie enttäuscht wurde, war ich mir sicher wieder einen tollen Abend dort zu verbringen.

Holger Bulk

Holger Bulk

Dass das Musical auf Romanen (und Filmen) basiert, in denen Don Camillo und Peppone Hauptcharaktere sind, erzählte mir meine Mutter auf dem Weg nach Tecklenburg. Die Geschichten rund um die beiden wurden lange vor meiner Zeit veröffentlicht und ich hatte noch nie was von ihnen gehört. Für die, denen es genauso geht, mal ganz kurz zusammengefasst worum es in dem Musical geht:

Don Camillo ist Priester in einem kleinen italienischen Dorf. Dort wird kurz nach dem 2. Weltkrieg ein kommunistischer Bürgermeister gewählt: Peppone. Unterschiedlicher könnten die zwei nicht sein: Don Camillo ist gebildet, glaubt an die Kraft des Glaubens und hält Zwiesprache mit Jesus. Peppone ist einfach gestrikt, eher dümmlich, gleichzeitig aber auch voller Hoffnung, dass mit dem Kommunismus eine gerechtere Zeit beginnt. Immer wieder geraten die beiden aneinander. Neben dem Hauptkonflikt des Musicals: Kommunismus vs. Klerus, wurde auch noch eine Liebesgeschichte eingebunden. Ein Romeo&Julia-Klassiker: Die Tochter des reichen Bauerns verliebt sich in den ärmlichen Nachbarsjungen. Die Väter sind jedoch zerstritten und verbieten diese Liebe…

Holger Bulk

Holger Bulk

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich sowohl mit der Geschichte wie auch den Liedern des Musicals nicht viel anfangen konnte. Die Geschichte war recht plump und vorherrsehbar. Ich hatte mir das Musical deutlich lustiger vorgestellt (dann wäre die einfach gestrickte Geschichte auch ok gewesen). Aber irgendwie konnte sich das Musical nicht entscheiden, ob es ernst oder lustig sein möchte. Auch die Lieder gingen mir nicht ganz so geschmeidig ins Ohr. Die Texte waren sehr schlicht und mit einem Ohrwurm bin ich auch nicht nach Hause gefahren. Es gab auch kein Lied, in dem die herrvorragende Cast mal hätte zeigen können, was sie stimmlich so drauf hat.

Was in Tecklenburg aber aus diesem Stück rausgeholt wurde, ist wieder mal sehr bemerkenswert (Regie – Andreas Gergen)! Das Bühnenbild (Jens Janke) entführt einen direkt in ein kleines italienisches Städtchen und wenn so herrliches Wetter wie bei der Premiere ist, kommt man direkt in Urlaubsstimmung. Überwältigend ist auch mal wieder die Größe des Ensembles. Es ist einfach schön zu sehen wie diese große Bühne auf ihren verschiedenen Ebenen mit so vielen Menschen gefüllt und bespielt wird. Sehr positiv sind mir in diesem Jahr auch die Choreographien (Till Nau) aufgefallen, die nicht nur wunderschön anzusehen waren, sondern durchdacht und mit viel Liebe zum Detail die Inszenierung aufgewertet haben.

Holger Bulk

Holger Bulk

Etwas, was für mich schon fast wieder etwas unverständlich war, ist die Erstklassigkeit des Casts. Milica Jovanovic, Femke Soetenga, Dominik Hees, Thomas Borchert, Kevin Tarte, Sebastian Brandmeir, Patrick Stanke…sehr bekannte und erstklassige Darsteller, die in diesem Stück (aus meiner Sicht) gar nicht die Bandbreite ihres Könnens zeigen können. Auf der anderen Seite ist es natürlich ganz wunderbar solch tolle Darsteller auf der Bühne erleben zu dürfen und ein weiterer Aspekt, der diese Inszenierung absolut bereichert. Thomas Borchert hat in diesem Stück die Chance mal eine ganz andere Seite von sich zu zeigen. Hurmorvoll, selbstironisch und witzig – so kannte ich ihn bisher nicht. Sehr sympathisch bringt er Don Camillo auf die Bühne und ist dabei deutlich witziger als ich es ihm zugetraut hätte. Gleichzeitig schafft er es seine tolle Stimme zu präsentieren. Da er, meiner Meinung nach, die anspruchvollsten Lieder singen darf, spart er nicht daran in diesen auch seine stimmliche Stärke zu zeigen.

Holger Bulk

Holger Bulk

Patrick Stanke als Peppone schaffte es, dass ich nicht Patrick Stanke auf der Bühne sah, sondern den grummeligen, etwas plumpen Bürgermeister. Wie man es von ihm kennt, gab er sich der Rolle vollends hin und verkörpte Peppone sehr authentisch. Milica Jovanovic als Gina und Dominik Hees als Mariolino waren zuckersüß anzuschauen. Mir ist ihre Geschichte etwas zu kurz gekommen und wirkte sehr in die Streitereien der „Erwachsenen“ hinein konstruiert. Ginas Vater Filotti wird von Kevin Tarte gespielt, der den engstirnigen und dickköpfigen reichen Bauern authentisch und teilweise furchteinflößend auf die Bühne bringt.  Femke Soetenga hatte mich bereits im letzten Jahr als Fee aus dem See (Spamalot) total begeistert und konnte dieses Jahr als Laura Castelli nahtlos daran anschließen. Ihre sympathische Art und ihr lockerleichtes Spiel, haben einfach Spaß gemacht gemacht und dem Stück eine tolle Leichtigkeit verliehen. Sebastian Brandmeir spielt den Nonno (Großvater von Gina), der mal stirbt und mal quick lebendig ist, wunderbar komisch. Den Rahmen der Geschichte bildet eine Erzäherlin gemeinsam mit Jesus, mit dem Don Camillo regelmäßig in Zwiesprache tritt.  Barbara Tartaglia als Erzählerin ist authentisch und gleichzeitig stimmstark. Auch in Momenten, in denen sie selbst nur Zuschauerin ist, spielt sie ihre Rolle weiter – fühlt mit, leidet mit und das mit vollem Herzen. Florian Albers ist als Jesus auf der Bühne – auf eine unaufdringliche und fast schon unsichtbare Art in das Stück integriert. Ein sehr sympatischer und gutausseneder Jesus, gibt es in Tecklenburg zu sehen 😉

Auch wenn das Stück mich nicht überzeugt hat, bin ich doch begeistert von dem, was in Tecklenburg daraus gemacht wurde. Wer also neugierig auf dieses Musical ist, sollte es sich in Tecklenburg anschauen. Ich kann mir kaum eine bessere Inszenierung für dieses Musical vorstellen.

Holger Bulk

Holger Bulk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *