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Ein Interview mit einem Musicalstar von Morgen

Woher kommen eigentlich all die großartigen Musicaldarsteller? Und was hat sie dazu angetrieben sich für die Ausbildung zu diesem speziellen „Beruf“ zu entscheiden? Sie müssen ja auch irgendwo normal zur Schule gegangen sein und ihre Leidenschaft für Musik und Gesang entdeckt haben…

16722418_214914058975068_5557646295565117922_oAls ich so darüber nachgedacht habe, ist mir ein Mitschüler eingefallen. Markus Fetter war gemeinsam mit mir auf dem Gymnasium und hat ein Jahr nach mir Abitur gemacht. Bei einem Musikprojekt haben sich unsere Wege mal kurz gekreuzt und als ich ihn dann letztens bei Facebook entdeckt habe, habe ich gesehen, dass er tatsächlich eine Ausbildung zum Musicaldarsteller macht. Aktuell absolviert er sein 3.  Ausbildungsjahr an der Universität der Künste Berlin. Wie sein ganz persönlicher Weg bisher ausgesehen hat, was seine Eltern gesagt haben, als er ihnen eröffnet hat, dass er Musicaldarsteller werden möchte und wie die Ausbildung ihn auf das Leben als Darsteller vorbereitet, könnt Ihr hier im Interview lesen.

Woher kommt Deine Leidenschaft für Gesang, Schauspiel und Musical?

Ich hab’ schon als Kind immer ganz großen Spaß daran gehabt, anderen etwas vorzuführen. Sei es den Betreuerinnen im Kindergarten oder meiner Familie zu Hause im Wohnzimmer. Leider sehr zum Leidwesen meiner Eltern und meines Bruders, die meine ausgedehnten Probensessions zu Britney Spears und Shakira in Fantasiesprache durch die Kinderzimmertür ertragen mussten… Aber eine gute Show wollte ja geprobt sein 😉

Wann hast du entdeckt, dass du Talent für Gesang & Schauspiel hast und es für mehr als Auftritte unter Dusche reicht?

Als ich angefangen habe Tanz- und Gesangsunterricht zu nehmen, habe ich ja auch mitbekommen, wie die anderen Schüler und Schülerinnen sind und mit welcher Motivation sie dabei sind. Und da habe ich gemerkt, dass das manchmal bei mir etwas Anderes war. Ich wollte den Dingen auf den Grund gehen und mehr lernen. Das war irgendwann nicht mehr nur noch Spaß und Hobby für mich, sondern viel mehr etwas, das mich erfüllt und mich fordert. Und das wollte ich dann den Leuten zeigen und mit ihnen teilen.

Wann hast Du Dich entschieden, dass du den Weg zum Künstler gehen möchtest und für Dich eine Ausbildung/Studium für einen 0815-Job nicht in Frage kommt?

16601638_214915365641604_7834496443488527543_oDas war für mich irgendwie schon immer klar. Ab dem Moment, wo man sich als Jugendlicher fragt, wo man sich in 10 – 15 Jahren so sieht, wusste ich immer: Auf der Bühne! Keine Ahnung wie und wo genau, aber ich wollte Musik machen. Mit der Zeit habe ich mich immer mehr für Musical interessiert und irgendwann habe ich dann herausgefunden, dass „Musicaldarsteller“ tatsächlich ein Beruf ist, den man lernen und studieren kann und nicht nur ein abstrakter Begriff ist. Und von da an war für mich klar, dass ich das machen möchte. Da bin ich auch ehrlich gesagt sehr froh drum, weil ich nie in die Verlegenheit kam, mich zu fragen: „Was stelle ich mit meinem Leben an?“.

Wie ist dein Umfeld damit umgegangen? Wurdest du unterstützt? Wurde dir davon abgeraten?

Meine Eltern haben mich schon immer unterstützt was meinen Tanz- und Gesangsunterricht und meine Aufführungen anging. Als es aber dann darum ging, dass ich das „Geträller“ und das „Rumhüpfen“ zum Beruf machen will, war das für meine Eltern dann doch erstmal Neuland. „Wie, das kann man studieren?“, „Und was machst du dann nach dem Studium?“, „Du kannst doch nicht ewig Starlight Express und König der Löwen spielen.“, „Wie viel verdient man denn da so?“. Nach ein paar Gesprächen haben sie aber gemerkt, wie ernst es mir ist und dass der Job ernstzunehmender ist, als man erstmal denkt. Wahrscheinlich war ihnen sowieso klar, dass man mich besser nicht hinter einen Schreibtisch setzt – hat ja schon in der Schule nicht funktioniert. Seitdem stehen sie aber völlig hinter dem, was ich mache und unterstützen mich, wo sie nur können. Genauso wie meine Freunde, die zu jedem Auftritt kommen und mich anfeuern 😉

Wie sah Dein Weg bisher aus? Und was ist Dein Ziel?

Vor der Uni habe ich schon einige Jahre Gesangs- und Tanzunterricht genommen und ein paar Musicalworkshops gemacht und ich habe versucht, mich gut auf die Aufnahmeprüfungen vorzubereiten. Jetzt bin ich an der Uni und damit ist die erste Hürde geschafft. Eines meiner persönlichen Highlights war ein Förderpreis beim Bundeswettbewerb Gesang und das Preisträgerkonzert im Friedrichstadtpalast :)
16716159_214915368974937_58354418666084467_oÜber mein Ziel habe ich mir schon so viele Gedanken gemacht, dass ich gar nicht mehr genau sagen kann, was es genau ist. Nach der Uni möchte ich schauen, wo mein Weg mich hinführt. Ich will Musical spielen, aber ich kann mir genauso gut vorstellen, mehr Musik zu machen oder vielleicht in Richtung Film zu gehen. Es gibt so viele Wege und so viele Dinge, in denen ich mich ausprobieren möchte. In erster Linie möchte ich glücklich sein und meine eigene Definition von Erfolg finden. Ich möchte Jobs haben, die mich erfüllen, viel Kontakt zu meinen wundervollen Freunden und meiner Familie haben und ich möchte ausnahmslos hinter allem stehen, was ich mache.

Wie schwierig war es an einer Universität angenommen zu werden? Und was musstest Du mitbringen um eine Chance zu bekommen?
Es ist wirklich nicht so einfach, es gibt ein paar hundert Bewerber auf 6 bis 12 Plätze. Man muss eine Aufnahmeprüfung machen, die sich über mehrere Tage erstreckt. Dafür muss man mehrere Songs, Monologe und Choreografien vorbereiten, bei einem Tanztraining mitmachen und mehrere Improvisationen un16587253_214915392308268_8902096777197399664_od Musiktheorietests über sich ergehen lassen. Letztendlich schauen die Professoren und Dozenten nicht nur darauf, wer das Talent für den Beruf hat, sondern auch wer den Biss hat, um alles durchzuhalten und wer in der Lage dazu ist, mit sich arbeiten zu lassen.
Bei den Aufnahmeprüfungen habe ich gemerkt, dass ein sehr gut vorbereitetes Repertoire nur die halbe Miete ist. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, für alles offen zu sein. Bei Aufnahmeprüfungen können so viele Dinge passieren, auf die man sich einfach nicht vorbereiten kann: Improvisationen, spontane Aufgaben, ein Pianist, der meinen Song anders spielt als ich es gewöhnt bin, persönliche Fragen, starke Nervosität, ein neuer Raum, neue Leute… Ich bin jemand, der immer gerne zu 150% vorbereitet ist und alles unter Kontrolle hat, aber das ist leider nicht immer möglich. Sei offen, spontan und mach dir jede Situation zu eigen.

Wie viel Zeit, Energie und Kraft kostet es den Weg durch die Ausbildung zum Musicaldarsteller zu gehen?

Als meine Gesangslehrerin vor dem Studium mal gesagt hat, dass man schon irgendwie seine Seele an diesen Beruf verkauft, habe ich gelacht. Jetzt kann ich verstehen was sie meinte. Im ersten Studienjahr waren wir im Schnitt von Montag bis Freitag von 10:00 – 22:00 Uhr in der Uni. Der Unterricht wird zwar in den darauffolgenden Jahren weniger, aber die Projekte und Proben werden mehr. Es wird einem also nie langweilig 😉 Und nicht nur einmal hatte ich das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst und ich vielleicht gar nicht für diesen Beruf geeignet bin. Man wird im Studium jeden Tag auf’s Neue mit sich und seinen Schwächen konfrontiert – wir sollen ja was lernen und unser ganzes Handwerk hat mit uns selbst zu tun. Nicht mit erlernten Formeln, oder angelesenem Wissen. Sondern mit der Fähigkeit, unsere Emotionen zu veräußerlichen – schauspielerisch, gesanglich und tänzerisch. Das kann einem schonmal ganz schön nah gehen, schließlich wird einem durch diese Arbeit (und durch die Tatsache, täglich von den neun selben Menschen umgeben zu sein) jeden Tag ein Spiegel vorgehalten. Aber ich muss gestehen – genau das liebe ich. Ich werde dadurch zu genau dem Menschen, der ich sein möchte und das ist ein tolles Gefühl. Ich glaube wenn man diesen Beruf wirklich liebt und aus Überzeugung ausübt, ist es einem dieser Preis wert. Damit meine ich nicht, dass es dadurch leichter ist, oder man keine Zweifel hat, aber ich finde, man nimmt es irgendwie eher in kauf.

Wie sieht es mit Konkurrenzgedanken aus? Gibt es diese bereits in der Ausbildung?

Das liebe alte Thema Konkurrenz… meine Antwort wäre erstmal: Nein. Wir sitzen alle im selben Boot und wenn man eines an der Uni lernt, dann dass jeder sein ganz eigenes Rennen rennt. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht ab und zu mal mit den anderen vergleicht. Wir üben alle den selben Beruf aus, wir gehen alle am Ende auf Auditions und brauchen Jobs. Da sitzt glaube ich bei jedem manchmal der kleine Wahnsinn im Kopf und sagt: „Warum beltet der den Ton besser als ich?“, oder „Mein Bein ist nicht so hoch wie seins. Wieso bin ich nicht so gut gedehnt?“ Aber ich musste (und muss immer noch) lernen, dass diese Gedanken eigentlich irrelevant sind. Jeder ist ein ganz eigener Typ und es ist zwar wichtig, dass man sein Handwerk gut beherrscht, aber am Ende entscheidet der Regisseur, ob er dich in der Rolle sieht und ob er mit dir arbeiten will. Und vor allem im Studium gibt es ja keinen Grund zur Konkurrenz. Wir sind alle hier, um zu lernen und wenn wir uns auf diesem Weg nicht gegenseitig unterstützen, wer tut es dann?

Hast Du ein Lieblingsstück, das dich vielleicht sogar inspiriert?

Ich muss gestehen, seit ich studiere habe ich kein richtiges Lieblingsstück mehr. Bei dem einen liebe ich die Musik, wie bei „Next to Normal“. Bei dem anderen berührt mich die Handlung ganz stark, wie bei „Rent“. Dann gibt es Stücke, die mir einfach super Laune bereiten, wie „Kinky Boots“, oder „Legally Blonde“. Und zu anderen Stücken habe ich eine starke Bindung, wie zu „Wicked“, weil ich damit viele Erinnerungen verbinde, oder zu „Starlight Express“, weil es mein erstes Musical war und es der Grund dafür ist, warum ich jetzt das mache, was ich mache.

Gibt es einen bestimmten Song, den du bei Auditions singst?

Ich bin ja erst im 3. Jahr und war deshalb bisher kaum auf Auditions. Bald spielen wir erstmal unser Abschlussstück und dann geht es für mich erst auf Auditions – ich möchte noch so viel von der Uni mitnehmen wie möglich. Aber bei den paar Auditions, auf denen ich bisher war, habe ich mein Repertoire auf das angepasst, was dort gefragt war.

Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche?

Ehrlich gesagt nicht wirklich. Es gibt ganz viele Menschen, von denen ich viele wertvolle Dinge gelernt habe und die mir in mancher Hinsicht ein großes Vorbild sind. Aber letztendlich versuche ich mich zu finden und meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Da ist es immer gut mich inspirieren zu lassen, aber am Ende muss ich herausfinden, was für mich ganz persönlich funktioniert :)

Bist Du neugierig geworden? Und möchtest Markus auf seinem Weg zum Musicaldarsteller folgen? Dann schau doch mal auf seinen Social Media Kanälen vorbei:

Facebook: https://www.facebook.com/markus.fetter.artist/

Instagram: https://www.instagram.com/markus_fetter/

Youtube: https://www.youtube.com/user/MarkusFetter

Und zum Abschluss noch zwei Videos, in denen Ihr Markus mal in Aktion hören und sehen könnt :)

 

Ein Gedanke zu “Ein Interview mit einem Musicalstar von Morgen

  1. Anja schreibt:

    Solange solche Talente nachwachsen bei denen man nicht eine Sekunde zweifelt, dass der nächste Ton genau so locker trifft, solange mach ich mir keine Sorgen um mein Hobby.
    Chapeau!

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