Grease – das Musical im Theater am Marientor in Duisburg

Grease ist ein absoluter Musicalklassiker – der Film ist Kult, die Musik ist schmissig und es macht einfach Spaß sich dieses Stück anzuschauen. Da mein letzter und bisher auch einziger Besuch einer Grease-Inszenierung schon recht lange her ist, war für mich klar, dass es 2018 mal wieder Zeit ist sich dieses Stück anzuschauen. Gleichzeitig sollte dieses Musical auch der Startschuss für mein Musicaljahr 2018 – ein bisschen Premieren-Feeling, eine Gute-Laune-Show und den ersten schönen Theaterabend im neuen Jahr – das klang für mich nach einer toller Mischung.

20994301_1453574641378792_9200962215109601281_n

Meine Vorfreude wurde dann jedoch etwas durch ein Facebook-Posting betrübt, in dem sich ein enttäuschter Besucher über diese Show echauffierte und kund tat, dass dies das schlechteste sei, was er je gesehen habe. Gut, ich stand auch der ein oder anderen Besetzung etwas skeptisch gegenüber. Aber dass es so schlecht sein sollte, konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Und so ging ich ins Theater und erwartete das Schlimmste (es ist ja immer gut sich auf das Schlimmste einzustellen, dann kann es nur besser  als erwartet werden).

Ihr Lieben – tut Euch selber den Gefallen und hört nicht auf Leute, die ganz besonders laut ihre Meinung rausbrüllen. Dieser Abend im TaM hat mir gezeigt, dass das Beste, was man machen kann, ist, sich seine eigene Meinung zu bilden!

Ich weiß nicht, was einige bei Grease erwarten… Dieses Musical braucht keine aufwendigen Bühnenelemente und soweit ich weiß, gab es auch noch keine Inszenierung, in der die abgefahrenste und neueste Bühnentechnik und -gestaltung genutzt wurde. Ja, es ist spartanisch, aber so viel braucht man nicht um Räumlichkeiten einer Schule, ein Teenager-Zimmer und ein Autokino darzustellen.

Ja, das Stück hat seine Schwächen und ist sicherlich nicht perfekt. Hier und da waren die Tänzer nicht synchron und auch die Besetzung mit den zwei DSDS-Sternchen habe ich nicht als passend empfunden. Wenn die Lieder umarrangiert werden müssen, weil der Danny-Sänger, die hohen Töne nicht schafft, fragt man sich schon, warum die Rolle nicht einfach mit jemandem besetzt wurde, der es singen kann. Und auch die Wahl der Mikrofone (seitlich am Ohr Richtung Mund) ist nicht ideal, da die Darsteller öfter mal  beim Tanzen und Gestikulieren daran kommen und das unschöne Geräusche macht.

22137119_1485661271503462_5137544510439308123_o

Wenn man sich aber auf diese Kleinigkeiten nicht versteift, wird man bei dieser Grease-Inszenierung eine Menge Spaß haben! Besonderes Highlight waren die Choreographien, die nicht abgedroschen waren, sondern frisch und mit viel Liebe zum Detail. Insgesamt hat diese Inszenierung so viel Charme und Witz. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel und beherzt während eines Musicals gelacht habe. Die Darsteller spielten alle mit so einer Spielfreude und einem solchen Elan, dass es an der ein oder anderen Stelle fast schon „too much“ war. Aber ich finde, selbst das ist nicht schlimm, da Grease ruhig überspitzt, witzig und amerikanisch sein darf, wenn nicht sogar muss.

Veronika Riedl hat mich als Sandy total begeistert. Für mich war sie mit Abstand die beste Darstellerin auf der Bühne. Sie beherrschte das Schauspiel und fiel zu keiner Zeit aus ihrer Rolle. Und ihre Stimme ist wahnsinnig toll. Sie singt mit so einer Wärme in ihrer Stimme und schafft auch die hohen Töne mit absoluter Leichtigkeit.

Weniger begeistert, aber dennoch mitgerissen und überzeugt, hat mich Alexander Jahnke als Danny. Ich hatte, ehrlich gesagt, mit dem Schlimmsten gerechnet. Aber, da die Songs umarrangiert wurden, singt er sie wirklich souverän. Er wird sicherlich niemals einen Graf Krolock spielen (möchte er vermutlich auch nicht), aber in die Rolle des Dannys passt er. Er spielt sie mit Witz und viel Selbstironie.

22095941_1485661128170143_5986331388769752931_o

Nuria Mundry als Rizzo hatte definitiv mit eine der stärksten Stimmen und konnte mich daher gesanglich wirklich begeistern. Schauspielerisch habe ich sie schon fast als zu grob und laut empfunden. Ja, Rizzo ist eine starke Persönlichkeit, aber teilweise war es mir etwas zu ruppig.

Wen ich auch noch unbedingt hervorheben möchte ist Sebastian Prange als Eugene. Beim Schlussapplaus hat man gemerkt, dass er der heimliche Publikumsliebling war. Wunderbar schräg füllte er seine kleine, aber doch bedeutende Rolle für dieses Stück, aus. Wer Grease vielleicht nicht zum ersten Mal sieht, sollte in manchen Szenen (besonders während „Hopelessly devoted to you„) mal im Hintergrund auf ihn achten. Es ist zum Wegschmeißen. Meiner Meinung nach übrigens ein weiterer Aspekt, warum diese Inszenierung sehr gelungen ist: Im Hintergrund passiert so viel, dass man sich das Stück eigentlich mindestens 2 Mal angucken müsste.

Wer mir außerdem wirklich gut gefallen hat, war Marc Chardon als Vince Fontaine und vor allem als Teenangel. Sein Auftritt mit Beauty school dropout und auch die ganze Inszenierung dieser Szene ist einfach grandios. Zudem war er für mich der einzige Sänger, der die greasetypischen hohen Töne problemlos und ohne größere Anstrengungen singen konnte. Wirklich eine fabelhafte Besetzung.

22104716_1485661231503466_3964688245284691819_o

Auch die weiteren Rollen waren toll besetzt. In dieser Inszenierung stehen auf der Castliste nicht die Namen der großen Musicalstars, aber dafür passte das Alter der Darsteller zu ihren Charakteren. Alle sind mit solch einer Spielfreude dabei, dass man davon nur angesteckt werden kann.

Für mich war diese Inszenierung von Grease definitiv nicht das Schlechteste, was ich bisher gesehen habe und kann eigentlich sogar nur eine Empfehlung aussprechen. Vielleicht trifft die ein oder andere Szene nicht den Humor von jedem. Und ja es stehen dort junge Menschen auf der Bühne, dessen Namen man zuvor vielleicht noch nie gehört hat. Aber ich hatte Spaß, hatte zu keiner Zeit Angst, dass die Darsteller ihre Töne nicht treffen oder die Bühnenelemente auseinander fallen. Ich möchte mir das Stück wirklich gerne noch einmal anschauen und freue mich, dass die Tour auch noch in meiner Heimatstadt Halt machen wird.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *