Hairspray im Theater Dortmund

In Dortmund steht auch in der aktuellen Spielsaison wieder ein Musical auf dem Programm. Nachdem in den letzten zwei Jahren mit Next to Normal und Sunset Boulevard nicht unbedingt Gute-Laune-Musicals auf die Bühne gebracht wurden (,was auch gut so war!), wird diese Saison Hairspray geboten. Ein Musical, dass wie ein Knallbonbon schwunghaft gute Laune in die Welt trägt und gleichzeitig doch zum Nachdenken anregt. Bereits nach den ersten gespielten Shows in Dortmund habe ich wirklich viel Positives über die Show gehört und wollte mich nun selbst von ihr überzeugen. Vergangenes Wochenende ging es dann also nach Dortmund!

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Bereits mit dem ersten Blick Richtung Bühne beim Betreten des Saals wird man als Besucher positiv überrascht. Die Bühne hat einen Anbau vorne um den Orchestergraben herum und der klassische Vorhang wurde mit einer Leinwand ersetzt, auf der bunte Bilder bereits auf das Stück einstimmen.

Ich sag es direkt mal vorne weg: Das Stück ist wirklich toll inszeniert! Die Bühnenbilder sind wirklich liebevoll und kreativ gestaltet worden und bringen das kaugummihafte, amerikanische Feeling super rüber. Aber auch für die verschiedenen Szenen wie in der Wohnung der Familie Turnblad, in der Schule, im Fernsehstudio oder auch im Gefängnis wurden tollen Wege der Darstellung gefunden.

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Was auch unbedingt betont werden muss ist das tolle Orchester. Die Dortmunder Philharmoniker lassen Musicalfans hören und erleben, was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist: den vollen Sound eines großen Orchester! Und schaffen es so jeden Zuschauer in einen wohligen Klang zu betten.

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Wirklich begeistert hat mich Marja Hennicke als Tracy. Sie spielt die Rolle mit viel Leidenschaft und Herzblut. Mich hat sie auch stimmlich überzeugt und gehörte eindeutig zu den stärksten Sängern an diesem Abend.

Edna Turnblad wurde von Ks. Hannes Brock gespielt, der mit dieser Rolle mal wieder sein großes schauspielerisches Facettenreichtum zeigte. Er spielte Tracys Mutter mit viel Liebe und Humor an den richtigen Stellen. Die Lacher des Abends gingen zum Großteil auf sein Konto und er konnte die Herzen des Publikums im Sturm erobern.

Der Schul-Schwarm Link Larkin wurde von Jörn-Felix Alt gespielt, der die Balance aus cooler Überheblichkeit und innerer Verunsicherung wunderbar auf die Bühne brachte. Stimmlich harmonierte er toll mit Marja Hennicke und konnte nicht nur Tracy verzaubern.

Annakathrin Naderer spielte sich als Penny Pingleton in mein Herz. Sie spielte mit so einer Leichtigkeit und hatte so eine sympathische Ausstrahlung, dass man sie lieben musste. Auch stimmlich gehörte sie zu starken Darstellern und konnte mich daher komplett überzeugen.

Wer mich auch ausgesprochen gut gefallen hat war Marie-Anjes Lumpp als Amber von Tussle. Auch sie hatte ein tolles Gespür für ein ausgeglichenes Verhältnis von überspitzter Arroganz, Komik und Liebenswürdigkeit. Stimmlich hat sie mich absolut begeistert und ich hätte mich über noch mehr Gesangsparts von ihr gefreut.

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Ich werde jetzt nicht alle Darsteller hier aufzählen, denn wie am Orchester wurde auch an der Cast quantitativ nicht gespart. Aber auch qualitativ war die Cast auf einem guten Niveau – auch wenn es ein paar Abstriche gab. Wirklich begeistert hat mich die schauspielerische Qualität. Bis in die letzte Reihe und in die kleinste Rolle war wirklich jeder der Darsteller die ganze Zeit komplett in seiner Rolle und entwickelte diese auch während der Show weiter. Schade fand ich, dass einige Darsteller aufgrund von Akzenten schwer bis gar nicht zu verstehen waren. Gerade an einem Stadttheater habe ich das als ungewöhnlich empfunden. Und auch gesanglich gab es bei dem ein oder anderen Darsteller noch Luft nach oben.

Aber diese kleinen Kritikpunkte konnten das positive Gesamtbild des Abends kaum schmälern. Die Tanzszenen waren so mitreißend, die Geschichte so schön aufbereitet und die Darsteller mit so viel Leidenschaft dabei, dass ich wirklich beschwingt und glücklich aus dem Theater gewankt bin. Selbst beim Schreiben dieses Beitrags bekomme ich wieder einen Ohrwurm von den Songs aus dem Stück! Ich kann daher wirklich nur eine Empfehlung für die Inszenierung in Dortmund aussprechen. Hairspray ist nur noch an wenigen Terminen im Dezember und an jeweils einem Termin in Januar und Februar zu sehen. Überlegt also nicht mehr zu lange, ob Ihr dem Theater Dortmund einen Besuch abstatten möchtet 😉

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