Hairspray Tour im Capitol Theater Düsseldorf

Für gerade mal zwei Shows machte die aktuelle Hairspray-Tour in Düsseldorf Halt. Diese Gute-Laune-Show wollte ich mir keines Falls entgehen lassen, zu mal ich auch unbedingt Uwe Kröger in der Rolle der Edna Turnblad erleben wollte. Beworben wird die Tour mit ihm und Isabel Varell, die die Rolle der Velma von Tussle übernimmt. Insgesamt würde ich die Meinung  der Musical-Community zu dieser Inszenierung als durchmischt bezeichnen. Der Tonus war: unterhaltsam, aber das Bühnenbild ist sehr mau. Jedoch ging es auch in die Extremen von „sensationell“ bis „in der Pause gegangen“. Da ich aber ja ein großer Freund davon bin mir meine eigene Meinung zu bilden (und mir vor allem nicht die Vorfreude verderben zu lassen), habe ich mich auf den Abend im Capitol Theater gefreut. Denn egal wie dieses Stück inszeniert sein mochte, die lustige Geschichte und gute Laune Musik würde es ja auf jeden Fall geben!

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Für mich gab es an dem Abend, neben der Show, noch einen weiteren spannenden Aspekt zu beobachten. Ende letzten Jahres habe ich Hairspray in Dortmund gesehen – also eine Inszenierung eines Stadttheaters. Für mich war es nun spannend zu beobachten wie mir diese kommerzielle Inszenierung gefallen würde und vor allem welche Unterschiede ich ausmachen würde. Aber dazu später mehr.

Aber nun erstmal zur aktuellen Tour. Bereits beim Platz suchen und setzen konnte man das Bühnenbild sehen. Es gab eine Bühne, die aus mehreren Elementen bestand und einen Rahmen besaß, der einen Fernseher andeuten sollte. Die unteren Elemente dieser Bühne waren beweglich, wie sich im weiteren Verlauf des Stücks zeigte. Die Wohnung der Turnblads wurde mit dem Reinschieben eines Bügelbrettes und eines kleinen Fernsehers angedeutet. Alle weiteren Spielorte wurden mit den Bühnenelementen angedeutet oder der Phantasie der Zuschauer überlassen. Insgesamt tatsächlich – auch wenn es eine Tour ist – doch recht wenig. Eine Tafel, ein Bett und vor allem ab und zu mal nicht diese Bühne, hätten dem Stück einfach optisch ein bisschen mehr Abwechslung verliehen. Nichtsdestotrotz konnte ich der Geschichte an den verschiedenen Schauplätzen gut folgen.

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Auf der Bühne durfte ich eine Cast erleben, die Spielfreude pur ausstrahlte. Insbesondere das Ensemble stecke einen mit seiner Energie und positiven Ausstrahlung einfach an.

Beatrice Reece übernahm die Hauptrolle der Tracy Turnblad, die auch heute noch für viele junge Mädchen und Frauen ein tolles Vorbild sein kann. Selbstbewusst, mutig und frech bringt Beatrice eine authentische Tracy auf die Bühne. Ihr Idealismus und ihre Träume scheinen keine Grenzen zu kennen. Neben ihrem amüsanten und glaubhaften Schauspiel, brachte sie eine quirlige Art und tolle Stimme mit auf die Bühne.

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Wie Eingangs schon erwähnt übernahm Uwe Kröger die Rolle von Tracys Mutter, Edna. In dieser Rolle zeigt er mal wieder, dass er ein wahnsinniges komödiantisches Talent hat und auch solch eine Rolle authentisch spielen kann. Zwar wirkte Uwe so als wäre er noch nicht ganz bei dieser Produktion angekommen, dennoch konnte er schnell die Herzen des Publikums gewinnen.

Mit Tracys Vater Wilbur, der von Claudius Freyer gespielt wurde, war die Familie Turnblad komplett. Er vervollständigte das Bild der etwas anderen Familie und hat die Lacher des Publikums sicher. Claudius Freyer hatte ein tolles Gespür für seine Pointen und konnte die Sympathien des Publikums rasch gewinnen.

Immer an Tracys Seite war Penny Pingleton gespielt von der großartigen Devi-Ananda Dahm. Für mich war sie die stärkste Darstellerin auf der Bühne und hat mich absolut überzeugt. Sie war so authentisch, sympathisch und riss einen mit ihrer schier ungebändigten Energie mit. Hinzukam ihre tolle Stimme, die sie viel zu selten präsentieren durfte.

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Der Moderator Corny Collins wurde von Janko Danailow gespielt. Obwohl er durch die Moderation der Tanzshow oftmals im Mittelpunkt stand, schaffte er es dennoch nicht der eigentlichen Handlung im Wege zu stehen. Ihm gelang das Spiel aus Präsenz und Nicht-Präsenz wunderbar. Er holte alles aus der Rolle raus und war an entscheidenden Punkte der an dem weiteren Verlauf der Geschichte beteiligt.

Krisha Dalke spielte den Highschool-Schwarm Link Larkin. Er schaffe es wunderbar die Waage zu halten zwischen überspitzt – aber nicht drüber, einfach gestrickt – aber nicht blöde, eingebildet – aber nicht arrogant und wirkte dadurch unfassbar sympathisch. Hinzukam die tolle Stimme von Krisha, mit der er nicht nur Tracy bei seinem Song It takes two zum Schwärmen brachte.

Isabel Varell spielte Velma von Tussle und übernahm damit die Rolle der Mutter von Amber sowie die der Produzentin. Leider gefiel sie mir gar nicht. Ihr Schauspiel schaffte es oftmals nicht überspitzt zu bleiben und übertrat so die Grenze ins Übertriebene. Auch ihre Stimme konnte mich nicht begeistern und oftmals wirkte sie in dieser homogenen und starken Cast Fehl am Platz.

Ach, ich könnte jetzt ewig so weitermachen. Die weiteren Rollen waren fabelhaft besetzt. Stimmlich gab es wirklich nichts auszusetzen (bis auf bereits erwähntes) und auch an Tanz- und Lebensfreude mangelte es nicht. Jeder Darsteller schaffe es etwas Besonderes in seine Rolle zu legen und so seinen Teil zur Geschichte beizutragen.

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Für mich war es daher ein sehr unterhaltsamer Abend. Sicherlich mit Schwächen beim Bühnenbild (ein bisschen mehr ginge da schon, auch bei einer Tour), aber für solche Fälle haben wir ja unsere Phantasie 😀

Nun aber noch ein paar Worte zum Vergleich Dortmund/Tour bzw. Stadttheater/kommerzielle Tour. Ich fand es erstaunlich, dass der Spirit ein ganz anderer war. Im Stadttheater wirkte alles etwas gediegener als bei der Tourversion. Was der Tour an Bühnenbild deutlich fehlte im Vergleich zu Dortmund, machte das Ensemble mit gesanglichem Talent wett. Hier hörte man einfach den Unterschied zwischen „für diese Rolle gecastet“ und „am passendsten aus dem theatereigenem Ensemble“. Was besser oder schlechter ist, kann ich daher gar nicht sagen. Beide Versionen haben ihre Stärken und Schwächen, die aber in ganz unterschiedlichen Bereichen liegen. Unterm Strich ist es die Geschichte mit ihren Charakteren, die überzeugt, unabhängig von der Inszenierung.

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