Ivan Ozhogin als Graf bei Tanz der Vampire im Musical Dome Köln

Seit knapp einem Monat ist ein neuer Graf in das Schloss im Kölner Musical Dome eingezogen. Ivan Ozhogin wird dort noch bis Ende August verführen, beißen und erschrecken. Da er nicht der einzige Neuzugang war und ich dieses Stück vor meiner Abreise nach Japan gerne noch mal sehen wollte, stieg ich noch einmal in die Gruft hinab zu den Vampiren.

Nach meinem ersten Besuch von Tanz der Vampire vor ein paar Jahren in Oberhausen war ich noch nicht so begeistert von diesem Musical. Doch mit jedem weiteren Mal, kann ich die Begeisterung und Faszination für dieses Stück immer besser verstehen. Hat man mehrere Grafen erlebt, kristallisiert sich – ohne dass man es unbedingt möchte – ein oder auch zwei Favoriten heraus. Einmal wollte ich mich daher noch in den Bann ziehen lassen und auch die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, einen weiteren Grafen kennenzulernen. Zu meiner großen Überraschung, durfte ich an diesem Abend (19. Juli) einen Cast mit für mich vielen neuen Gesichtern erleben.

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Diana Schnierer wollte Sarah nach ihrer Spielzeit in Wien noch nicht Leb Wohl sagen und ist nun in Köln in dieser Rolle zu sehen. Ich war sehr auf sie gespannt, da ich es nicht nach Wien geschafft hatte und in Wien ja bekanntlich nur Top-Darsteller auf der Bühne stehen. Und ich war wirklich begeistert von ihr. Sie hat es zum Einen geschafft die Sarah so zu verkörpern wie ich sie mir vorstelle und zum anderen konnte sie mich mit ihrer angenehmen Stimme zu überzeugen. Sie wirkte lieblich und naiv, jedoch nicht zickig oder dumm. Man konnte ihre persönliche Geschichte und Charakterentwicklung nachvollziehen. Und wie schön ist es bitte eine Sarah zu haben, die man ohne Probleme versteht!!

Als Alfred durfte ich Michiel Janssens erleben. Eine tolle Abwechslungs für mich, nachdem ich zuvor nur Shows mit Tom van der Ven gesehen habe. Und ich muss sagen, dass er mir außerordentlich gut gefallen hat. Ja, auch er hat wie Tom einen leichten Akzent, aber das ist bei dieser Tour-Produktion ja leider bei sehr vielen der Fall. Insgesamt hat er mir jedoch sogar besser gefallen als Tom. Er hat diese treuen Augen und einen tollen Esprit. Hinzukommt eine wirklich schöne Stimme, die das tolle Gesamtpaket komplettiert hat.

Auch als Professor war mir eine Abwechslung gegönnt: Luc Steegers schlüpfte an diesem Abend in diese Rolle. Auch er machte seine Sache gut, jedoch konnte er mich nicht komplett überzeugen. Hinzufügen möchte ich da jedoch, dass er nicht die Erstbesetzung ist und man nie weiß wie intensiv er diese Rolle proben konnte. In den schnellen Parts hatte ich etwas Probleme ihn zu verstehen. Und er holte nicht ganz so viel aus der Rolle raus wie Victor Petersen. Insgesamt hat er aber eine gute Show abgeliefert und wenn ich keinen Vergleich hätte, hätte er auch mich sicher vollends überzeugt.

Oleg Krasovickiy hat mir als Chagal leider nicht gefallen und dies lag schlicht und ergreifend daran, dass ich ihn kaum verstanden habe. Und das ist einfach schade. Obwohl ich die Texte kenne, hatte ich Schwierigkeiten und meine liebe Freundin Kathrin, die mich an diesem Abend begleitet hat und Tanz der Vampire zum ersten Mal sah, hat so gut wie nichts verstanden.

An dieser Stelle muss ich einfach noch mal generell sagen, dass das große Manko dieser Tour (und das schon seit Beginn) die Verständnisprobleme sind. Viele Rollen wurden seit Beginn an mit Darstellern besetzt, die teilweise oder durchgehend schwer zu verstehen sind. Und das erschwert das genießen und sich fallen lassen in die Welt der Vampire. Besucher, die das Stück zum ersten Mal sehen und viel Geld für ihre Karten zahlen (und das tut bei Stage ja nur wirklich jeder, der nicht in unter der Woche in der letzten Reihe sitzen möchte) einfach sehr schade. Nach diesem kurzen Mecker-Exkurs aber weiter im Programm!

Als Magda durfte ich erneut Sara Jane Checchi sehen, die sich seit der Premiere in Köln deutlich besser in diese Rolle eingefunden hat. Ich konnte sie auch deutlich besser (mit Zähnen) verstehen. Auch Christian Funk als Herbert gefiel mir an diesem Abend irgendwie besser als auf der Kölner Premiere.

Kommen wir nun zum Mann des Abends: Ivan Ozhogin. Was habe ich erwartet? Ich habe irgendwie etwas (für mich) Neues erwartet. Eine spezielle Aura, die er aus Russland mitgenommen hat. Eine etwas andere Interpretation…ach, ich kann es gar nicht so genau beschreiben. Was ich dann auf der Bühne erlebt habe, war ein guter Graf, der mich jedoch nicht vom Hocker gerissen hat. Ja – auch bei Ivan, der einen Namen hat, der mit dieser Rolle in Verbindung gebracht wird – muss ich den Akzent erwähnen. Überwiegend ist er gut zu verstehen, aber es gibt auch Passagen, in denen es mir schwerer fiel. Bei ihm fehlte mir irgendwie etwas der Wums, der mich bei anderen Grafen erwischt und innerlich einmal durchgeschüttelt hat.

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Ich habe Shows dieser Tour nun fünf Mal erlebt. Und als Fazit kann ich sagen, dass es sich immer lohnt Tanz der Vampire zu schauen. Dieses Musical bietet so viel: tolle Songs, abwechslungsreiche Bühnenbilder (selbst bei der Tourversion), tolle Kostüme und viele starke Darsteller. Fans des Stücks sind eh nicht zu bremsen und da bei ihnen die Texte im Hinterstübchen mitlaufen, können sie auch über Verständnisprobleme hinwegsehen. Dennoch sind das große Manko dieser Tour genau diese Verständnisprobleme, die entweder mit entsprechender Besetzung und intensivem Coaching zu verhindern wären.

 

Ein Gedanke zu “Ivan Ozhogin als Graf bei Tanz der Vampire im Musical Dome Köln

  1. Alex schreibt:

    Gestern durfte ich das Stück zum ersten mal in Köln sehen und bin auch am Morgen danach immer noch auf das Äußerste begeistert. Ein Musical ist kein Film, und somit ist die Aufführung sicherlich jedes mal etwas anders. Mir fehlt also jeglicher Vergleich. Dennoch denke ich wird auf unabsehbare Zeit erstmal TDV meine Referenz sein.

    Mir hat das Bühnenbild besonders gefallen und auch den Grafen fand ich aufgrund seiner Größe und stimmlichen Präsenz einzigartig. Es ist sehr abwechslungsreich und wird in keiner Minute langweilig und wartet als Erstseher mit vielen Überraschungen auf.

    Mir fiel auch ein bisschen negativ auf, dass ich einiges an Text nicht verstand. Das schiebe ich aber auf das zu laute Orchester. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Darsteller teilweise an ihre Grenzen gingen, um die Lautstärke der Musik zu übertreffen. Meine vollste Bewunderung gilt in diesem Bezug den Darstellern. Ein Stück so grandios zu spielen in einer fremden Sprache plus Tanz… Das grenzt schon an Genialität.

    Danke für dieses Kurzreview und die namentlichen Hinweise. Ich fand nicht jeden Darsteller von gestern auf der offiziellen Seite.

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