Kinky Boots im Adelphi Theatre in London

img_20160909_115003Nachdem meine Mama und ich die Reise nach London und die Tickets für Ghost gebucht hatten, stand fest, dass wir uns auf jeden Fall noch ein weiteres Stück anschauen werden. So viel Musical auf einem Fleck muss schließlich ausgenutzt werden! Allerdings entschieden wir uns die Karten für den 2. Musicalabend vor Ort zu kaufen. Bevor es dann nach London ging, hatten wir uns natürlich schon Gedanken gemacht, welches Stück wir gerne noch anschauen wollen würden. Immer wieder stand Kinky Boots im Raum. Ein Stück, dass bereits vielfach ausgezeichnet worden war, meine Neugier geweckt hatte und es vermutlich nicht in ein deutsches Musicalhaus schaffen wird. Und wir hatten Glück. Nur wenige Stunden nach unserer Ankunft in London, hielten wir 2 Karten für Kinky Boots in der Hand.

Adscf2076ls wir dann Samstagabend das Adelphi Theatre betraten, war dort direkt eine ganz andere Stimmung als an dem Abend zuvor im Wimbledon Theatre. Es war voll, wuselig und überall wurde geplappert. Wir waren nicht irgendwo eine 1h vom Zentum Londons entfernt, sondern mitten drin. Hier herrschte das wahre West End Feeling 😀

Diesmal gab es auch eine Castliste! Ich kannte zwar keinen der Darsteller, aber ich war schon mal erfreut darüber, dass wir offenbar die komplette 1. Besetzung hatten. Als wir dann zu unseren Plätzen vorgedrungen waren, war ich etwas überrascht. Das Theater war recht klein und wir saßen, für mein Empfinden, sehr weit oben. Allerdings waren wir, da es insgesamt sehr steil nach oben ging, gar nicht so weit weg von der Bühne. Und dann ging es auch schon los!

Es war so toll! Es waren Darsteller auf der Bühne, die nicht nur ihr Handwerk gelernt hatten, sondern es auch in Perfektion beherrschten. Die Songs waren abwechslungsreich und gaben den Darstellern genug Raum zu zeigen, was sie (stimmlich) drauf haben. Das Ensemble sprühte nur so voll Spielfreude und nahm das Publikum von der 1. Sekunde an mit.

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Kinky Boots – 2016/17 London Cast. Photo by Helen Maybanks

Die Bühnenbilder waren toll inszeniert und schafften es einen in die verschiedenen Spielorte mitzunehmen. Und auch den Kostümen fehlte es nicht an Liebe zum Detail. Lola hatte mehrere ganz verschiedene Perücken und Outfits. Und insbesondere in der Abschlussszene wurde noch mal ordentlich in die Farb- und Glitzertöpfe gegriffen!

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Kinky Boots – 2016/17 London Cast. Photo by Helen Maybanks

Als Lola dürften wir Matt Henry erleben, der zurecht für diese Rolle mit dem Olivier Award als ‚Best Actor‘ ausgezeichnet wurde. Er spielte die unterschiedlichen Facetten der Rolle überzeugend und hat es geschafft die Drag Queen niemals überzogen oder übertrieben wirken zu lassen. Gesanglich hat er sowohl in den Uptempo-Nummern als auch in den Balladen geglänzt. Und ganz ehrlich…wer auf solchen Absätzen noch gehen und tanzen(!) kann, dem gebührt Respekt!

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Kinky Boots – David Hunter (Charlie Price), Elena Skye (Lauren) and Matt Henry (Lola). Photo by Helen Maybanks

Charlie Price wurde von David Hunter gespielt. Er schaffte es schnell sich die Sympathien der Zuschauer zu sichern und sie mit auf die Reise zur Rettung der Schuhfabrik zu nehmen. Er war unaufdringlich und doch immer sehr präsent. Auch in seinen Gesangsparts konnte er überzeugen und zeigte, was das West End an Top-Darstellern zu bieten hat.

Elena Syke spielte die Lauren. Auch sie spielte sich in die Herzen des Publikums. Sie schaffte es, dass die leicht überdrehte Lauren stets sympathisch und liebenswert wirkte und niemals anstrengend und nervig. Auch ihr Gesang war tadellos und man merkte in keiner Sekunde, dass dies ihre erste Rolle in einer professionellen Produktion war.

Don, der an diesem Abend von Alan Mehdizadeh dargestellt wurde, glänzte nicht nur in seinem 1. Auftritt, als er das Publikum dazu ermahnte die Handys auszuschalten. Die Rolle des dicklichen und etwas dumpfen Schuhfabrik-Mitarbeiters konnte er überzeugend darstellen und trat gezielt mit der Auseinandersetzung mit Lola in den Vordergrund.

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Kinky Boots – 2016/17 London Cast. Photo by Helen Maybanks

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Ensemble durch die Bank weg exzellent war. Kein Darsteller ist negativ aufgefallen. Vielmehr hat man zu jeder Zeit die Harmonie im Zusammenspiel des Ensemble gespürt. Wer die Chance hat, sich dieses Stück anzusehen, sollte diese wirklich ergreifen.

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