König der Löwen im Shiki Theatre Natsu in Tokyo

Nach 9 Wochen bzw. 63 Tagen Theater-Abstinenz war es endlich soweit: mein erster Musicalbesuch hier in Japan stand auf dem Programm! Und welches Stück eignet sich dafür besser als König der Löwen? Jeder kennt und liebt die Geschichte und die Musik.  Daher hatte ich keine Sorgen, dass ich der japanischen Version des Musicals nicht folgen könnte. Und so richtig weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll – beim Ticketkauf? Beim Theater? Bei den Darstellern? Bei der Sprache? Beim Publikum? So viel war anders und doch war das Gefühl beim Verlassen des Theaters das gleiche wohlig warme wie immer.

Photo: Shiki Theatre Company

Photo: Shiki Theatre Company

Am besten fange ich ganz vorne an. So könnt Ihr mir am besten folgen und ich bringe nichts allzu sehr durcheinander. Hier in Japan gibt es die Produktionsfirma Shiki – ich würde sagen, das ist sowas wie unsere Stage. Shiki hat Theater in einigen Städten hier in Japan und produziert Long-Run-Musicals – hauptsächlich Disney. Aber durchaus auch andere Stücke, beispielsweise läuft auch gerade CATS in Tokyo (ist aber leider für dieses Jahr schon komplett ausverkauft…). Beim Ticketkauf haben mich meine lieben Kollegen unterstützt. Alleine hätte ich es online vermutlich nicht geschafft Karten zu kaufen…bzw. nicht mit dem Gefühl auch das gekauft zu haben, was ich wollte 😀 Ich wäre dann aber einfach zu dem Theater gegangen und hätte sie an der Theaterkasse gekauft. Aber so war es (dank meiner lieben Kollegen) unkomplizierter.

Die Karten haben wir über einen Monat im Voraus gekauft. Die Theater sind hier in relativ klein und haben entsprechend weniger Plätze als bei uns. König der Löwen läuft hier schon seit über 20 Jahren und dennoch sind die Shows so gut wie ausverkauft. Im Sommer haben hier in Tokyo Aladdin und CATS neu angefangen…die Shows sind komplett ausverkauft für dieses Jahr…

IMG_7149Und nach ein paar Wochen gedulden und Vorfreude genießen, kam endlich der Tag meines ersten Musicalbesuchs hier in Tokyo. Und bei meiner Ankunft am Theater war ich tatsächlich überrascht wie klein das Theater war. Für Euch mal so  zum Vergleich…ich würde sagen es war sogar kleiner als das Operettenhaus in Hamburg 😀 Im Foyer habe ich direkt die Castliste ausfindig gemacht. Hier mal ein Foto. Lustig fand ich, dass sich ganz viele Besucher davor tummelten und Fotos machten. Darunter war sicherlich auch der ein oder andere Fan, der die Darsteller kannte.

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Und für mich ein absolutes Highlight war auch der Merchandise-Stand. Wow – was für eine Vielfalt. Was für eine Auswahl. Dagegen sind unsere Merchandise-Stände ein schlechter Scherz. Es gab alles vom Kugelschreiber, über eine Lunchbox, bis hin zu Decken. Regenschirme, Taschen, Tassen,… ich könnte ewig so weitermachen.

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Und dann ging es in den Theatersaal zu unseren Plätzen. Wir (mich haben drei Kolleginnen begleitet) hatten wunderbare Plätze im Rang. Das Theater war ähnlich wie die Flora recht steil konzipiert und so hatte man einen wunderbaren Blick auf die Bühne. IMG_7165Links und rechts vor der Bühne waren zwei Bereiche für die Percussion. Eine Person links und eine weitere rechts sorgten hier während der Show für das Afrika-Feeling. Allerdings glaube ich das die restliche Musik vom Band kam. Auch meine Kolleginnen konnten mir meine Frage nach der Herkunft der Musik nicht beantworten. Aber auf dem Board mit der Castlist waren lediglich die zwei Musiker an den Percussions genannt. Und auch zum Schlussapplaus kamen keine weiteren Musiker auf die Bühne. Und ich habe auch keinen Dirigenten gesehen. Meine Vermutung ist daher, dass die restliche Musik vom Band kam. Was auch die recht günstigen Ticketpreise erklären würde. Im Vergleich waren die Tickets nämlich deutlicher günstiger als in Deutschland.

Kommen wir nun aber zur Show. Für mich war es das erste Mal ein Musical in einer Sprache zu erleben, die ich nicht beherrsche. An der Sprache habe ich mich aber tatsächlich nicht gestört. Für mich gingen auch die japanischen Texte melodisch ins Ohr. Ich könnte mir vorstellen, dass es andere Sprachen gibt, die (gerade wenn man die Inhalte nicht so versteht) auch etwas anstregend sein können. Lustig war, dass es im japanischen für manche Wörter keine Übersetzungen gibt. Und so gab es Strophen wie bei Circle of Life, die einfach englisch waren und auch der Morgenreport war ein Morning Report.

Photo: Shiki Theatre Company

Photo: Shiki Theatre Company

Die Darsteller waren übrigens alle Japaner. Und mir hat bei niemanden die „Power“ oder der Soul in der Stimme gefehlt. Auch optisch war niemand zu „weiß“. Deswegen ist es für mich ein Rätsel, warum in Deutschland explizit farbige Darsteller gecastet werden (, die man dann teilweise nur sehr sehr schwer versteht). Die Darsteller waren durch die Bank weg alle wirklich gut. Auch die Kinder haben mich wirklich beeindruckt. Wirklich begeistert war ich von Scar und auch vom (erwachsenen) Simba-Darsteller. Der Darsteller von Scar hatte so eine markante Stimme und hat so grandios gespielt. Ich habe ihm seine Bösartigkeit auch ohne ein Wort zu verstehen absolut abgenommen. Und der Simba-Darsteller hatte so eine Energie. Als hätte er den ersten Akt hibbelig hinter der Bühne auf seinen Einsatz gewartet, um dann auf der Bühne zu explodieren. Wirklich sehr beeindruckend.

Photo: Shiki Theatre Company

Photo: Shiki Theatre Company

Besonders interessant war für mich der Schlussapplaus. Wie würde es hier in Japan ablaufen? Auf der Bühne lief es ähnlich ab wie in Deutschland. Die Darsteller kamen nacheinander auf die Bühne (vom Ensemble bis zum Hauptdarsteller) und verbeugten sich.IMG_7168 Und dann noch ein paar Mal alle zusammen. Das Publikum applaudierte und auch bei jedem Darsteller unterschiedlich stark (also ähnlich wie bei uns. Herausragende Leistungen wurden mit einem sehr enthusiastischen Applaus gewürdigt). Standing Ovation gab es jedoch nicht. Alle blieben sitzen und klatschten munter vor sich hin. Einige winkten auch den Darstellern zu (auch oben bei mir im Rang). Der Vorhang ging dann noch einige Male hoch und wieder runter. Tatsächlich sehr oft…bestimmt sechs mal. Irgendwann war man sich nicht sicher, ob es nun wirklich vorbei sei oder ob der Vorhang sich noch mal heben würde. Und als sich der Vorhang dann zum fünften und sechsten Mal hob, lachte das Publikum, weil es irgendwie auch komisch war.

 

Insgesamt war es wirklich eine tolle und interessante Erfahrung. Es war super interessant mal die Stimmung und Atmosphäre eines Theaters im Ausland kennen zulernen. Und auch das Verhalten der Besucher dort zu beobachten. Und ich war einfach glücklich mal wieder im Theater gewesen zu sein. Es war ein bisschen wie ein Stück Heimat so weit entfernt von zu Hause.

Wart Ihr schon mal im Ausland im Theater/Musical? Falls ja, erzählt mir gerne mal von Euren Erlebnissen. Würde mich sehr interessieren wie Ihr es so erlebt habt :)

Und wer noch ein paar mehr Eindrücke von meinem König der Löwen Besuch hier in Japan sehen möchte, kann mal auf Instagram in meine gespeicherte Story schauen 😉

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