Mary Poppins im Apollo Theater Stuttgart

Ende Oktober 2016 feierte Mary Poppins in Stuttgart Premiere und seitdem liest man eine positive Kritik nach der anderen. Ich habe durchweg nur Gutes über Stück und die Inszenierung gehört und wollte mich nun endlich selber überzeugen. Grundsätzlich hat mich Mary Poppins eigentlich nicht so gereizt und da Stuttgart auch nicht gerade um die Ecke ist, stand das Musical nicht ganz oben auf meiner Liste für die Shows, die ich 2017 gerne sehen möchte. Aber dann hat mich doch die Neugier gepackt und als auch noch bekanntgeben wurde, dass Jan Ammann im Mai den Grafen in der Gruft nebenan spielen würde, gab es endlich genug Argumente für eine Reise nach Stuttgart.

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Also ging es an Christi Himmelfahrt nach Stuttgart. Karten für Mary Poppins hatten wir auch direkt für Donnerstagabend. Ich habe gehofft, dass wir Elisabeth Hübert sehen würden. Man hat so viel Positives über sie in der Rolle gehört und sie ist eine so talentierte und zauberhafte Darstellerin.

Mit Mary Poppins hatte ich zuvor noch keine Berührungspunkte. Den Film habe ich bis heute nicht gesehen – müsste ich jetzt vielleicht mal nachholen 😉  Und mehr, als dass es um eine Nanny, die offenbar fliegen kann, geht, wusste ich nicht. Aber ich finde es auch immer schön, wenn man ohne Erwartungen und Wissen in eine Show geht und sich ganz der Geschichte und Atmosphäre hingeben kann ohne im Kopf Vergleiche zu Büchern oder Filmen zu ziehen.

Die Geschichte handelt von Familie Banks. Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Die Kinder treiben eine Nanny nach der nächsten in den Wahnsinn. Doch dann erscheint Mary Poppins. Ihr Erziehungsstil ist anders, als der ihrer Vorgängerinnen und auch anders als Mr. Banks es gerne hätte. Mary Poppins entführt die Kinder in zauberhafte Welten, agiert konsequent aber mit Liebe und gewinnt so nicht nur die Herzen der beiden Kinder. Doch dann verschwindet Mary. Zu allem Unheil droht Mr. Banks seinen Job zu verlieren und fürchtet darum seine Familie ohne Einkommen nicht über Wasser halten zu können. Doch dann dreht sich der Wind und Mary Poppins ist wieder da. Ohne aktiv in die Geschehnisse einzugreifen, führt sie die Familie enger denn je zusammen. Und wie sollte es anders sein: Gibt es ein Happy End <3

Die Inszenierung des Stücks ist wirklich durch und durch bezaubernd. Die Bühnenbilder sind abwechslungsreich und kunterbunt. Es gab Momente, in denen man sich dachte: ,,Ach, wie haben die denn das jetzt gemacht?“ Toll ist auch wie viel getanzt wird. Besonders beeindruckend war die große Stepp-Szene. Positiv überrascht war ich darüber wie viel Mary Poppins „mittanzt“. In der Regel ist es ja so, dass die Hauptdarsteller kaum tanzen. Aber sie hat wirklich viel getanzt. Auch eine Wahnsinnsleistung, dann noch auf den Punkt zu singen.

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In der Rolle der Mary Poppins durften wir tatsächlich Elisabeth Hübert eleben. Sie passt wirklich zu hundert Prozent in diese Rolle. Sie verzauberte nicht nur Jane und Michael, sondern auch das Publikum. Mit ihrer charmanten Art und klaren Stimme ist sie eine exzellente Besetzung.

Als Bert erlebten wir Christopher Bolam. Er spielte die Rolle mit viel Charme und steigerte sich während der Show. Er war eine sympathische Begleitung durch das Stück und zauberte einem einen wunderbaren Ohrwurm. Chim- Chimeney, Chim- Chimeney, Chim- Chim cheree….

Die Eltern George und Winifred Banks wurden von Livio Cecini und Jennifer van Brenk verkörpert. Bei ihnen hat mir der emotionale Tiefgang und die Entwicklung der Charaktere gefehlt. Ich denke aber, dass es am Stück und nicht an den Darstellern lag. Beide durchleben eigentlich schwierige Phasen und müssen ihre Rollen in der Familie neu finden. Jedoch wird dies emotional nicht sichtbar und fast schon nebensächlich behandelt.

Wirklich positiv hervorheben muss man die zwei Kinderdarsteller. Sarah Tschinkel spielte an dem Abend die Jane und Joshua Hunter Michael Banks. Die beiden waren stets auf den Punkt dar, spielten super und sangen absolut sicher. Ich habe selten so gute junge Darsteller erlebt.

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Insgesamt haben mir in dem Stück die großen Gefühle gefehlt. Irgendwie war es stets auf einem emotionalen Level. Selbst als George Banks einer Existenzkrise nahe stand, wurde diese mit Witz übergangen. Es wurde nicht geweint als Mary Poppins weg war. Es gab kein großes Liebesduett. Es gab kein himmelhoch jauchzend und kein zu Tode betrübt. Daher hat es das Stück nicht geschafft mich zu berühren. Ich konnte mich an den kunterbunten Ensemble- und Tanznummern erfreuen, bin jedoch mit dem Gefühl ins Hotel gegangen, dass das Stück zu perfekt, zu glatt gebügelt, war.

 

3 Gedanken zu “Mary Poppins im Apollo Theater Stuttgart

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