Meine Versöhnung mit der neuen Version von Starlight Express

Als der neue Cast bei Starlight Express für die Spielzeit 2019/2020 bekannt gegeben wurde, bin ich fast vom Stuhl gekippt. Markus Fetter stand dort als First Cast Rusty auf der Übersicht. Markus Fetter, wer ist das? wird sich von Euch vermutlich jetzt der ein oder andere fragen. Wer mir schon länger folgt, erinnert sich vielleicht an das Interview mit dem Titel „Ein Interview mit einem Musicalstar von morgen„, welches ich mit Markus Anfang 2017 geführt habe. Markus und ich gingen auf das gleiche Gymnasium, hatten in dieser Zeit mal ein Musikprojekt zusammen und irgendwann bin ich auf Facebook über ihn „gestolpert“ und habe gesehen, dass er tatsächlich eine Ausbildung zum Musicaldarsteller macht. Lest gerne noch mal in das Interview mit ihm rein  – auch 2 Jahre später ist es immer noch sehr lesenswert. In diesem Interview fällt der Satz „Und zu anderen Stücken habe ich eine starke Bindung […] zu „Starlight Express“, weil es mein erstes Musical war und es der Grund dafür ist, warum ich jetzt das mache, was ich mache.“ Mit diesem Satz von ihm im Hinterkopf war mir klar, ich muss Markus als Rusty sehen!

Parade

Im Mai werden bei Starlight Express traditionsgemäß die Karten neu gemischt. Darsteller verabschieden sich aus dem Cast, andere bleiben und wechseln vielleicht die Rolle und es kommen auch immer wieder neue Darsteller dazu. Selten dabei sind deutsche Darsteller. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann wir zuletzt einen deutschen Rusty hatten. Mein erster Rusty war Rommel Singsong – ich war 9 Jahre alt und fand Rusty natürlich super toll! Damals noch mit der Urfassung von Starlight, begann meine Leidenschaft für Musicals und das ist vermutlich auch der Grund, warum ich so meine Probleme mit der neuen Fassung (und eigentlich allen Änderungen über die Jahre) hatte. Ein Besuch von Starlight Express war für mich immer eine Reise in die Vergangenheit zu meinem 9-Jährigen Ich und dem Start meiner Musicalleidenschaft. Diese Reise kann ich nun nicht mehr antreten. Und da musste ich letztes Jahr doch ein bisschen schmollen. Jetzt – 2019 – wollte ich nicht nur Markus als Rusty sehen, sondern auch der neuen Fassung noch mal eine Chance geben.

Starlight Express hat sich an diesem Abend wieder ein Stück in meinem Musicalherz zurück erobert und daran war Markus nicht ganz unbeteiligt.190528_SHOW_0556 Auch wenn der Abend etwas stressig und unerfreulich begann, war ich doch unvoreingenommener als im vergangenen Jahr. Ich kannte ja bereits die Änderungen und musste mich nun nicht mehr damit beschäftigen, ob sie mir gefallen oder nicht. Also ging ich etwas offener in die Show und Markus schaffte es mit seiner Interpretation von Rusty mich doch wieder etwas auf meine nostalgische Reise zu schicken. Ich fühlte mich doch wieder wie mein 9-Jähriges Ich, dass sich irgendwie ein bisschen in Rusty verliebt. Das mit dem Verlieben war allerdings nicht schwer, da ich noch nie einen so guten Rusty gesehen habe. Markus spielt diese Rolle mit so viel Hingabe und Leidenschaft und hat mich auch mit seiner Stimme absolut begeistert. (Hinzu kam noch, dass man ihn einwandfrei verstehen konnte 😀 ). Insgesamt ist der Cast dieses Jahr wirklich sehr homogen. Hollie Aires als Pearl schaffte es mir die „neue“ Pearl näher zu bringen und konnte mich auch mit ihrer zauberhaften Stimme überzeugen. Rose Ouelette schaffte es Dinah sowohl sanft als auch stark darzustellen und mich so auch mit meinem weiblichen Lieblingscharakter wieder zu versöhnen. Als Mama ist in dieser Spielzeit auch wieder Reva Rice zu sehen. Sie macht wirklich einen tollen Job, konnte mich aber von Mama auch bei diesem Besuch nicht vollends überzeugen. Daniel Ellison hat mir als Caboose sehr gut gefallen. Ich finde es toll, dass dieser Charakter in der neuen Fassung klarer definiert ist und so die Schlüsselfunktion der Rolle im Stück viel verständlicher geworden ist! Adam Lake als Electra konnte mich leider nicht ganz überzeugen, da er stimmlich an diesem Abend nicht mit seinen Kollegen mithalten konnte.

Pearl__der_Erste-Klasse-Waggon__mit_ihren_Girls

Am Ende des Abends war ich sehr froh, dass ich mich auf den Weg nach Bochum gemacht habe.  Starlight Express hat nach 30 Jahren einfach eine ganz andere Positionierung als andere Musicals eingenommen. Auch an diesem Abend waren mal wieder viele Familien da – Eltern, die mit ihren Kindern etwas besonderes erleben wollten. Es ist sicherlich kein unglaublich tiefgründiges Stück, berührt die Menschen aber dennoch und hat deswegen auch nach 30 Jahren noch seine Daseinsberechtigung. Es wird immer Menschen geben, die den Kult um dieses Musical aufrecht erhalten werden. Auch wenn Starlight Express nach fast 20 Jahren Musicalleidenschaft für mich nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie damals, ist es doch schön mit einem Besuch immer mal wieder in die „alten Zeiten“ zurückreisen zu können (auch wenn die Show nicht mehr die gleiche ist).

Ein Gedanke zu “Meine Versöhnung mit der neuen Version von Starlight Express

  1. Louisa Meyer schreibt:

    Danke für deine erneute Einschätzung des Musicals. Zu Starlight Express habe auch ich gemischte Gefühle und dabei habe ich die Neufassung mit Mama noch nicht mal gesehen. Aber mein zweiter Besuch (Sommer 2013) war tontechnisch derart schlecht, dass mich ab und zu die Frage herumtreibt, ob ich je einen dritten Anlauf wagen werde. Dieser Idee bin ich durch deinen Artikel zumindest ein Stück weit näher gekommen. Danke für deinen Blog überhaupt! :))

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