Miss Saigon im Musical Dome Köln

Irgendwie kam Miss Saigon in meinem Musicalkosmos bis zum vergangenen Freitag nicht vor. Dies liegt sicherlich zum großen Teil daran, dass dieses Stück kurz nach meiner Einschulung seine Derniere in Deutschland hatte und danach aus der deutschen Musicalwelt verschwand. Daher ist es kein Wunder, dass ich und auch viele andere dieses Musical noch nie gesehen haben. Die einzigen Berührungspunkte waren lediglich Musical-Konzerte, auf denen mal der ein oder andere Song aus dem Stück gesungen wurde. Aber auch hier muss ich gestehen: ohne dass ich die Verbindung zum Musical hatte.

Und nun stand schon seit einiger Zeit fest, dass dieses Musical für ein paar Wochen nach Köln kommt. Und damit für mich, dass Miss Saigon in meinen Musicalkosmos vorstoßen würde. Mit der Ankündigung des Tourstopps in Köln wurde Miss Saigon dann auch wieder zum Gesprächsthema. Ich fing an mich etwas mit dem Stück zu beschäftigten, wollte es aber auch einfach auf mich wirken lassen.

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Und weil ich einfach nachhaltig so begeistert bin, falle ich direkt mit der Tür ins Haus: Die Inszenierung von Miss Saigon in Köln ist eines der schönsten und beeindruckendsten Musicals und Musicalinszenierungen, die ich je gesehen habe! Und ein zweiter Besuch war schon kurz nach Showende in meinem Kopf in Planung…

Jetzt aber eins nach dem anderen. Das Bühnenbild ist bombastisch. Man hat zu keiner Sekunde das Gefühl, dass es sich um eine Tourproduktion handelt, bei der an diversen Ecken gespart wurde. Alle Schauplätze werden toll dargestellt und auf die Bühne gebracht. Und ich kann Euch sagen der Flashback bzw. Traum im zweiten Akt ist eine absolute Wucht! Wie dieser Rückblick auf die Bühne gebracht wird, ist wirklich ganz ganz großes Kino!

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Zu einem tollen Bühnenbild kommt ein sehr großer Cast! Die Bühne war gefüllt mit Menschen – sicherlich um die 30 Personen. Es gab beeindruckende Tanzszenen/Ensembleszenen und jedes noch so kleine Soli saß bei den Darstellern. Die talentierten Darsteller bringen diese Produktion auf ein ganz hohes Niveau.

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Auch die Darsteller, die die Hauptrollen übernahmen, haben mich zum Großteil wirklich beeindruckt. Als Kim durfte ich Sooha Kim erleben, deren Leistung eigentlich nicht in Worte zu fassen ist. Sie sang die teilweise sehr schwierigen und anspruchsvollen Songs mit so einer Sicherheit und gleichzeitig Leichtigkeit, dass man von ihr einfach nur verzaubert wurde. Ihr Schauspiel war so authentisch, dass man das Leid, welches sie durchlebte, als Zuschauer kaum aushielt. Eine absolut grandiose Leistung! Ashley Gilmour als Chris kann mit ihrem extrem hohen Niveau nicht ganz mithalten. Auch er sang die Songs sicher, schaffte es aber nicht annähernd so gut wie Sooha Kim die Emotionen zu übertragen. Hinzukam, dass mir seine Stimme zu nasal klang. Auch wenn Ashley Gilmour ein sehr talentierter Darsteller ist, kam er für mich nicht an das Niveau von Sooha Kim heran. Als Engineer stand Christian Rey Marbella auf der Bühne, der diese Rolle mit jeder Faser seines Körpers lebte. Das Spiel zwischen Dramatik und Humor beherrschte er und verschaffte dem Publikum immer wieder eine Erleichterung, in der teilweise so bedrückenden Geschichte. Ryan O’Gorman als John war für mich ebenfalls eine Idealbesetzung. Er brachte den guten Freund, der Chris in schwierigen Situationen stets zur Seite stand, authentisch auf die Bühne. Auch seine Stimme gefiel mir sehr gut. Als Thuy stand Gerald Santos auf der Bühne. Dieser sympatische Darsteller ist von seinem Naturell her fast schon zu sympatisch (und gut aussehend) für diese Rolle. Auch wenn er toll schauspielerte, konnte ich nur schwer eine Abneigung gegen ihn entwickeln. Elana Martin brachte Ellen, die Ehefrau von Chris, auf die Bühne. Ihr innerer Konflikt zwischen der Gegenwart und Chris Vergangenheit und ihre Überforderung allen Informationen und Gefühlen Herr zu werden, brachte sie nachvollziehbar und überzeugend auf die Bühne.

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Meine Begeisterung für dieses Musical und diese Inszenierung kann und will nicht verbergen. Ich kann wirklich nur jedem raten diese Produktion nicht zu verpassen. Wer weiß, wann und ob überhaupt dieses Musical noch einmal in Deutschland zu sehen sein wird (und in welcher Qualität). Ein Besuch ist es wirklich wert und ich muss tatsächlich sagen, dass man etwas verpasst, wenn man es sich nicht anschaut.

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