Next to Normal in Dortmund

wp-1460355795248.jpgNext to Normal – ein Musical, das in der Musical-Szene total gehyped wird. Es soll so anders sein. Und ist eingeschlagen wie eine Bombe. 2015 war es bereits in Fürth mit einer Wahnsinns-Cast zu sehen. Und ich?….Ich hatte es noch nicht gesehen! Bis gestern! Zur Zeit läuft  Next to Normal in Dortmund und das konnte ich mir ja nicht entgehen lassen :)

Ich muss gestehen, dass ich mich im Vorhinein nicht mit dem Musical auseinandergesetzt hatte. Ich hatte nicht in die Musik reingehört und wusste auch nur grob worum es inhaltlich ging. Ich wollte ganz unbefangen in das Stück gehen, was so anders als alles andere und gleichzeitig so grandios sein soll.

Und was soll ich sagen? WOW! Ein modernes Stück, das eine Krankheit in den Mittelpunkt stellt, mit der in der heutigen Zeit fast jeder schon einmal in Berührung gekommen ist. Sei es durch eine eigene Erkrankung oder eine Erkrankung im Familien- oder Bekanntenkreis. 350 Millionen Menschen leiden schätzungsweise weltweit an irgendeiner Form von Depressionen (Quelle). Mit dieser schwierigen Thematik wird in dem Stück so behutsam umgegangen, dass man sich an keiner Stelle unwohl fühlt. Das Stück regt zum Nachdenken an und wirkt nach. Es ist kein Happy-Glitzer-Tanz-Und-Fun-Stück, sondern ein Stück, das durchaus gesellschaftskritisch und gleichzeitig behutsam mit der Thematik „Depressionen“ umgeht.

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Maya Hakvoort als Diana war unglaublich. Sie hat wahnsinnig überzeugend gespielt und ist mit der Rolle regelrecht verschmolzen. Sie durchlief verschiedene Phasen und zeigte die Facetten ihrer Krankheit unfassbar realistisch. So gab sie Einblicke, die einem als Außenstehender in dieser Form niemals möglich wären. Sie war einfühlsam, traurig, verzweifelt, verrückt, einsam. Immer auf den Punkt und nicht überzogen. Am Ende hätte ich sie am liebsten in den Arm genommen und gesagt:,, Es wird alles gut.“ Man hat verstanden, was sie durchmacht ohne, dass man es eigentlich hätte verstehen können. Gesanglich war sie gewohnt sicher und hat ihren Emotionen so noch mehr Nachdruck verliehen und weitere Einblicke in ihr Leiden gewährt.

In der Rolle ihres Ehemannes war Rob Fowler zu sehen. Sein Drahtseilakt die Familie zusammenzuhalten, seiner Frau beizustehen, aber selber nicht unterzugehen, stellte er eindrucksvoll dar. Den Kampf trug er in sich aus und zeigte so neben seiner Frau eine andere Art mit seinem Schicksal umzugehen. Auch er konnte gesanglich überzeugen und war stimmlich gewohnt sicher.

Die gemeinsame Tochter Natalie wurde von Eve Rodes verkörpert. Auch sie überzeugte. Den Teenie, der verzweifelt nach einer leichten und befreiten Jugend strebt, spielt sie mit Hingabe. Schade war, dass sie stimmlich besonders in den Höhen nicht so sicher war. Das galt auch für Dustin Smailes, der ihren Freund spielte. Schauspielerisch war er deutlich stärker als gesanglich.

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Jörg Neubauer konnte durch seine 2 Rollen, Dr. Fine & Dr. Madden, verschiedene Facetten zeigen. Er verkörperte den tabletten-fanatischen Dr. Fine mit Witz und dennoch der nötigen Ernsthaftigkeit zum Denkanstoß. Auch den einfühlsameren Dr. Madden mit Rockstar-Einlage spielte er souverän. Zudem konnte er gesanglich jederzeit überzeugen.

NextToNor_OHP_274Neben der hervorragenden Maya Hakvoort glänzte auch Johannes Huth als ihr (verstorbener) Sohn Gabe. Er hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz und spielte die Rolle mit Hingabe. Er war stimmlich absolut sicher und das, obwohl er teilweise über die gesamte Bühne gesprungen und gelaufen ist. In einer Szene war er ganz in weiß gekleidet inkl. weißem Sakko. Kurz hat mich das an den Tod in Elisabeth erinnert – da musste ich ein wenig schmunzeln 😀

Zu den Kostümen lässt sich sagen, dass diese ebenfalls gut gewählt und abgestimmt waren. Die Mutter, Diana, trug durchgehend rot. Im ersten Teil trug auch Gabe ein rotes Oberteil. So wurde auch durch die Kostüme die Verbindung dieser beiden aufgegriffen. Nach der Elektrokrampftherapie ging diese Verbindung verloren – Gabe trug weiß. Zum Schluss hin näherte er sich farblich dann seinem Vater Dan an.

Das schlicht gehaltene und reduzierte Bühnenbild zeigte wieder einmal, dass es nicht immer die riesige LED-Leinwand und tausende von Requisiten sein müssen. Mit guten Schauspielern und der Phantasie, die alles komplettiert, reicht auch ein angedeuteter Hausumriss, ein Tisch mit Stühlen und ein weißes Sofa. Wunderbar fand ich auch, dass die Band mit auf der Bühne war. Im Hintergrund hinter dem Haus und ab und zu hinter einem transparenten Vorhang, waren sie doch immer präsent. So wurde die Musik ganz anders wahrgenommen, als wenn sie aus einem Orchestergraben (oder sogar vom Band) kommt.

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Ich muss sagen, dass ich sehr froh bin, meinem Impuls gefolgt zu sein mir doch noch diese Inszenierung anzusehen. Ob sie nun besser ist als die in Fürth oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Aber Next to Normal in Dortmund ist definitiv sehenswert. Ich habe schon einen Blick auf die noch verbleibenden Spieltermine geworfen,…vielleicht schaue ich es mir ja noch mal an. Durch den Studentenrabatt sind die Karten nämlich wirklich günstig 😉

 

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