Otello darf nicht platzen im Theater Krefeld Mönchengladbach

Die Premiere von Otello darf nicht platzen in Krefeld ist nun schon ein Weilchen her, aber ich möchte Euch meine Eindrücke dennoch nicht vorenthalten. Ich weiß nicht wie viele von Euch das Stück kennen oder zumindest schon mal davon gehört haben…ich kannte es gar nicht. Meine erste Assoziation war auch, dass es einen Otello gibt, der nicht platzen darf 😀 Tja, knapp daneben ist auch vorbei. Es geht (natürlich) um die Oper „Otello“, die nicht ausfallen darf. Wer jetzt stutzig wird und sich fragt seit wann ich mich für Opern interessiere: bei Otello darf nicht platzen handelt es sich um ein Musical. Und ein sehr unterhaltsames noch dazu. Ich bin mal wieder völlig unwissend ins Theater gegangen und wurde von der Geschichte und den Darstellern mit auf eine lustige Reise nach Cleveland genommen.

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Otello darf nicht platzen – genau darum geht es in diesem Musical: Der Opernstar Tito Merelli konnte von der Cleveland Grand Opera für einen Gastauftritt gewonnen werden. Der Operndirektor weiß um die Allüren und Laster des Stars und beauftragt seinen Regieassistenten, Max, mit der Betreuung. Merelli reist mit seiner Gattin an, die ihn jedoch nach einem Eifersuchtsanfall verlässt und abreist. Merelli ist untröstlich, greift zum Vino und Beruhigungsmitteln, die ihn in einen tiefen tiefen Schlaf fallen lassen. Max sowie sein Vorgesetzter, der Operndirekter, gehen vom Schlimmsten aus: Merelli ist tot. Otello wird platzen. Doch Max schlägt vor die Rolle des Otello zu übernehmen. Jedoch geheim – denn es soll niemand wissen, dass der eigentliche Opernstar nicht auf der Bühne stehen wird. Und so nimmt der Abend seinen Lauf. Versteckspiel, ulkige Begegnungen, Missverständnisse und ganz viel Verwirrung…

Lend me a tenor – so wie das Stück im Original heißt – ist ein sehr unterhaltsames Musical mit tollen Songs. Das Stück hat seinen ganz eigenen Humor, auf den man sich einfach einlassen muss. Vieles muss man mit einem Augenzwinkern nehmen. Sich auf die Irrungen und Wirrungen einlassen und die Geschehnisse geschehen lassen. Denn lässt man sich darauf ein, erlebt man ein Stück, dass mit Verlauf immer mehr Fahrt auf nimmt, das einen mit in den Strudel der Verwirrungen reißt und am Ende bestens unterhalten wieder vor dem Theater absetzt. Die Musik ist sehr eingängig und man hat wirklich Freude an den Soli und Duetten, was natürlich auch an der Besetzung liegt:

Max, der Regieassistent, wurde von Lukas Witzel gespielt. Ich bin immer wieder begeistert von Lukas Entwicklung seit ich ihn erstmals in Tick…tick…Boom! sehen durfte. Er spielte diese Rolle unfassbar authentisch und schaffte es die Charakterentwicklung im perfekten Tempo auf die Bühne zu bringen. Neben seiner immer noch besser werdenden Stimme durfte ich nun auch sein tolles komödiantisches Talent erleben.

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Markus Heinrich spielte den Operndirektor Henry Saunders hervorragend. Schien er am Anfang noch alles im Griff zu haben, entglitt ihm die Situation immer mehr und seine Nerven lagen schlussendlich blank. Der Wechsel von der Situation völlig ausgeliefert sein und dem Versuch den Schein glaubhaft aufrecht erhalten zu wollen, gelang ihm toll.

Tito Merelli wurde von Andrea Matthias Pagani gespielt, der es schaffte trotz der Gefühlsextremen zwischen denen er hin- und her sprang zu keiner Zeit künstlich zu wirken. Er schaffte es die überspitzte Zeichnung seiner Rolle bis zum höchsten Punkt auszufüllen ohne das passende Maß zu übersteigen.

In den Szenen mit seiner Frau, Maria Merelli gespielt von Susanne Seefing, verschmolzen die beiden quasi zu einem lodernden Feuer aus italienischem Temperament. Die Wörter flogen nur so hin und her und die Interaktion der beiden wirkte unfassbar natürlich.

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Dieses italienische Temperament wurde von der Tochter des Operndirektor zum Explodieren gebracht. Elena Otten brachte als Maggie Saunders bei Maria Merelli das Fass zum Überlaufen. Maggie verlor sich im Bann des großen Opernstars und suchte in seiner Nähe nach einem aufregenden Liebesabenteuer. Elena Otten spielte eine zauberhafte Maggie, die sympathisch naiv war und auf ihrer Suche nach dem Besonderen das Offensichtliche übersah. Auch ihre Gesangsparts waren geprägt von einer Leichtigkeit und einer schönen Stimme, die Freude machte ihr zu zu hören.

Auch die weiteren Rollen waren gut besetzt und hielten noch die ein und andere Überraschung bereit. Mir ist besonders das tolle Schauspiel der Darsteller aufgefallen, die in ihren Rollen komplett aufgingen und diese bis in die Haarspitze ausfüllten. Oftmals habe ich in kommerziellen Produktionen das Gefühl, dass auf schauspielerisches Talent nicht der größte Wert gelegt wird. Produktionen wie diese zeigen jedoch wie gut es einem Stück tut, wenn die Darsteller auch dieses Fach beherrschen.

Auch wenn es hier und da ein paar Schwächen gab – wie die Aussteuerung des Tons und auch die ein oder andere schwächere Stimme, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Neben mir saß eine Besucherin, die vor Lachen tatsächlich fast vom Stuhl gefallen wäre. Schaut Euch einfach mal den Trailer an und wenn Euer Bauch sagt: das gefällt – dann kann ich Euch die Inszenierung wirklich nur ans Herz legen.

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