Premiere von Ludwig² in Füssen

Um Ludwig² herrscht seit einigen Jahren ein ganz eigener Fankult. Und aus meiner Sicht hat er im vergangenen Jahr auch noch mal ordentlich zugelegt. Ich las begeisterte Facebook- und Instagrambeiträge, hörte Besucher dieses Musicals immer wieder schwärmen, einige Jan Ammann Fans erzählten mir, dass sie seit sie ihn als Ludwig gesehen haben Fan seien und irgendwie sind gefühlt alle dem Ludwig²-Kult verfallen. Das Ganze hat mich dann ja schon neugierig gemacht. Aber bisher war mir Füssen einfach viel zu weit weg. Gute 7 Stunden Autofahrt pro Weg…da überlegt man dann doch zweimal. Nach dem zweiten Mal Überlegen, kam ich dieses Jahr jedoch zu der Entscheidung, dass ich Ludwig² jetzt doch auch mal sehen möchte. Und am vergangenen Donnerstag war es Zeit für meine persönliche Ludwig²-Premiere.

Ludwig2_Füssen_JAN_AMMANN©BigDimensionGmbH_preview

In Füssen am Theater angekommen, war ich doch zunächst etwas irritiert. Wurde doch immer von diesem lieblichen Anblick geschwärmt, den man am Theater genießen kann: Ein netter Theater-Vorplatz, dann der See mit Blick auf Neuschwanstein. Pustekuchen. Leider war der See leer und zeigte sich uns als Krater. Und auch das Schloss war vom Theater aus nur so groß wie eine Fingerkuppe. Hier wurden durch die Schwärmereien bei mir eindeutig zu hohe Erwartungen geweckt. Aber ich war ja nicht wegen des Ausblicks dort, sondern wegen des Musicals.

Ludwig² war für mich mal wieder ein Musical, das ich noch gar nicht kannte. Ich kannte vorher eigentlich nur das Lied Kalte Sterne. Über das Musical bzw. die Biographie von Ludwig dem 2. hatte ich mich zuvor nicht informiert. Ich hatte darauf gesetzt wie bei den anderen Musicals, die sich historische Persönlichkeiten annehmen, durch das Leben des Hauptcharakters geführt zu werden und ihn so durch das Musical kennen zulernen.

In gewisser Weise hat dies auch im Musical stattgefunden, jedoch auf eine so sprunghafte Art und Weise, bei der es mir schwer fiel mich voll und ganz auf sie einzulassen. Insbesondere der erste Akt konnte mich emotional nicht mit auf seine Reise nehmen. Ich hatte das Gefühl, dass Aspekte von Ludwigs Leben im Musical drin sein mussten und diese abgearbeitet wurden. Mir fehlte der rote Faden, die Verbindung zwischen den Szenen und ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich Dinge über Ludwig hätte wissen müssen, um alle Sachverhalte verstehen zu können. Im zweiten Akt wurde die Geschichte etwas geschmeidiger und man wurde von Ludwig mit auf seine Reise genommen. Auch wenn es immer noch recht sprunghaft war und ich die Gewichtung von manchen Szenen nicht ganz nachvollziehen konnte. Für mich stand im zweiten Akt endlich die Kernessenz des Musicals im Fokus: Ludwigs Konflikt zwischen seinem Wunsch nach einer Welt voll Kunst, Musik, Poesie und Frieden und der Wirklichkeit mit den Anforderungen, die an ihn als König gestellt wurden, sowie Krieg und Politik. Dieser Konflikt, der zunächst außen stattfand und mit der Zeit immer mehr in sein Inneres vordrang. Für mich hätte dieser Konflikt viel mehr im Fokus des Musicals stehen müssen, insbesondere am Anfang, und nicht so sehr das Abarbeiten der Biographie.

Ludwig2_Füssen__JanAmann©BigDimensionGmbH_preview

Auch mit der Musik hatte ich meine Schwierigkeiten. Im ersten Akt war ich fast schon schockiert über die Texte. Die Reime waren plump, Phrasen wurden bis zu drei Mal wiederholt und irgendwann wurde dann nur noch gesummt. Bei den Texten fehlte mir das Fingerspitzengefühl und der Interpretationsspielraum. Als mir dann in der Pause auch noch klar wurde, dass die Musik vom Band kam, war ich doch sehr enttäuscht. Gerade diese teilweise sehr pompöse Musik ist einfach für ein Live-Orchester prädestiniert. Auch dies wurde im zweiten Akt etwas besser und es schlich sich auch der eine und andere Ohrwurm ein, der mir heute noch nachklingt.

Was mich persönlich jedoch wirklich beeindruckt hat, war das Bühnenbild. Es ist natürlich schon der Hammer, dass diese Bühne einen eigenen See hat. Dann die Kombination mit der Drehbühne, die es möglich macht, den See verschwinden zu lassen und dann noch die Tatsache, dass diese Bühne unglaublich tief ist. Wirklich sehr beeindruckend. Und ich finde auch, dass die Möglichkeiten, die sich durch diese Bühne ergeben, toll genutzt wurden. Im See wird getanzt, ein Schwan schwimmen gelassen, er wird mit einem Boot durchkreuzt oder ein Springbrunnen sprüht munter Wasser. Ist der See verschwunden, gab es ganz unterschiedliche wasserfreie Schauplätze. Eine der wohl bekanntesten Szene ist vermutlich die, in der Ludwig den roten Vorhang nimmt und ihn als Cape hinunterzieht. Aber auch die sterile weiße Darstellung der Psychatrie von Dr. Gudden oder die Baustelle von Neuschwanstein. Es gab gefühlt unendlich viele Schauplätze, die sehr abwechslungsreich dargestellt wurden.

Ludwig2_Füssen_Jan Ammann©BigDimensionGmbH_preview

Und wenn das Festspielhaus in Füssen eine Sache kann, dann Top-Darsteller für dieses Musical verpflichten. Es standen so viele Menschen auf der Bühne, dass ich nicht zu jedem etwas sagen kann, aber hier eine kleine Auswahl:

Auf der Premiere vergangene Woche durfte ich Jan Ammann als König Ludwig erleben. Und er hat mich wieder einmal begeistert. Als Ludwig zeigt er sich dem Publikum in so vielen Gefühls- und Lebenslagen. Er hat es wirklich geschafft, mich trotz der sprunghaften Geschichte mit auf seine Reise zu nehmen. Er wirkte authentisch, niemals überzogen und berührte mich sowohl mit seinem Schauspiel als auch mit seinem Gesang.

Ludwig2_Füssen1©BigDimensionGmbH_preview

Monika Staszak spielte die Erzieherin Ludwigs, Sybille Mailhaus. Sie verkörperte diese Rolle wirklich zauberhaft. Sie hatte etwas sehr Mütterliches und Warmes an sich, wirkte aber nicht altbacken, sondern jung und total sympathisch.

Prinz Otto, der kleine Bruder Ludwig, wurde von Julian Wejwar gespielt. Auch hier eine exzellente Besetzung. Den zunächst sehr naiven jungen Prinzen, der sich später nicht von den Schrecken des Krieges befreien kann, spielt er glaubhaft und sehr berührend.

Ludwig2_Füssen__©BigDimensionGmbH_preview

Auf Anna Hofbauer, die die Kaiserin Elisabeth spielte, war ich besonders gespannt. In dieser Rolle hat sie mir aber ausgesprochen gut gefallen und mich wirklich positiv überrascht. Sie füllte diese Rolle toll aus und auch in Momenten, in denen sie nicht im Fokus stand, brachte sie ihre Geschichte auf die Bühne. Auch mit ihrer Stimme konnte sie mich bei ihren Gesangseinsätzen überzeugen.

Ludwig2_Füssen_Anna Hofbauer©BigDimensionGmbH_preview

Dr. Gudden wurde von Alexander Kerbst verkörpert, den ich bereits als Falco im gleichnamigen Musical sehen durfte. Auch er schaffte es mich mit auf seine Reise zu nehmen und sein Dilemma nachvollziehbar zu präsentieren. Ich hätte mir fast noch ein paar mehr Einblicke in seine innere Welt gewünscht, um seine Entscheidungen und Einstellungen besser nachvollziehen zu können.

Auch die weiteren Rollen waren hervorragend besetzt. Dennis Henschel begeisterte das Publikum mit seinem Solo als Schattenmann. Stets an der Seite von König Ludwig war Graf Dürckenheim, der von Jan Rekeszus toll verkörpert wurde und im Duett mit Ludwig seine schöne Stimme präsentieren konnte. Ich könnte jetzt ewig so weiter machen, denn an der Cast gab es wirklich absolut nichts zu meckern. Hervorragende Sänger und Schauspieler, die dem Musical ein hohes Maß an Qualität verliehen.

Ludwig2_Füssen10©BigDimensionGmbH_preview

Als ich auf der 7-stündigen Autofahrt wieder nach Hause den Abend und das Stück habe Revue passieren lassen, hatte ich gemischte Gefühle. Dem Ludwig²-Fankult bin ich definitiv nicht verfallen. Das Stück an sich, nur die Geschichte und Musik betrachtet, ist für mich einfach keine runde Sache. Die Umsetzung hingegen war mit diesen fantastischen Darstellern und dem tollen Bühnenbild jedoch mehr als gelungen.

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