Premiere von Wahnsinn das Musical im Theater am Marientor

Was waren Eure ersten Gedanken als Ihr gehört habt, dass es ein Wolfang Petry Musical mit dem Titel Wahnsinn geben wird? Ich muss gestehen mein erster Gedanke war: Braucht die Musicalwelt das? Auch die Vorstellung des Musicals und der PressCall konnten mich nicht so richtig begeistern. Aber die Bedingungen waren auch schwierig: Ich bin ja erst 1992 geboren und hatte bisher weder etwas mit der Musik von Wolfgang Petry zu tun, noch konnte ich mich jemals für Schlager begeistern. Aber für eines kann ich mich ja begeistern: Musicals. Und durch die Erfahrungen, die ich dank meines Blogs machen durfte, bin ich auch offener geworden für neue und mir unbekannte Stücke. Mit einer Sache konnte Wahnsinn – das Musical jedoch von Anfang an bei mir punkten: mit der Cast. Durch die Bank weg wurde für dieses Stück eine exzellente und namenhafte Cast gewonnen. Ich war zwar immer noch skeptisch, aber auch gespannt und neugierig darauf wie das Musical bei mir ankommen würde.

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Die Premiere  von Wahnsinn war meine erste Weltpremiere. Und weil es eine Weltpremiere war wurde zu diesem besonderen Anlass im Theater am Marientor auch einiges aufgefahren. Roter Teppich, Promis, unfassbar viele Besucher waren da und auch auf der Premierenfeier war noch einiges los. Vielleicht habt Ihr es ja in meiner Instagram-Story verfolgt.

Jetzt aber mal zum Musical. Was soll ich da als Nicht-Wolfgang-Petry-und-Nicht-Schlager-Fan zu sagen? Das ist wirklich gar nicht so leicht. Mich hat das Stück nicht umgehauen und auch musikalisch nicht mitgerissen. Das liegt aber einfach daran, dass ich keine Verbindung und keine Erinnerungen an diese Musik habe. Ich konnte die Texte im Kopf nicht mitsingen und verstand einige Gags und Anspielungen nicht . Dennoch wurde ich an diesem Abend toll unterhalten. Denn die Geschichten, die dieses Musical erzählt, sind aus dem wahren Leben gegriffen, authentisch und nachvollziehbar. Mit den Charakteren kann man sich schnell identifizieren und ihre Probleme, Ängste und Sorgen nachempfinden. Es ist alles irgendwie bodenständig. Gleichzeitig aber auch einfach witzig und äußerst unterhaltsam.

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Das Musical handelt von vier Paaren, die an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben und ihrer Beziehung stehen. Jedes Paar hat seine eigene Geschichte und doch sind die acht Charaktere miteinander verbunden. Ich möchte auch gar nicht zu viel von den einzelnen Geschichten verraten. Zum Einen, weil es doch auch mal schön ist „unwissend“ in ein neues Stück zu gehen und zweitens, weil es sich total konstruiert und komisch anhört, wenn man die Geschichte nacherzählt. Im Stück funktioniert es einfach.

Und das ist der Punkt, an dem man die Darsteller nennen muss! Denn sie hauchen ihren Charakteren Leben ein, bringen sie authentisch auf die Bühne und stellen von der ersten Sekunde eine Verbindung zum Publikum her.

Jessica Kessler war für mich die Darstellerin des Abends. Sie spielt eine der weiblichen Hauptrollen, Gabi. Eine Ehefrau und Mutter aus dem Ruhrpott. Als geborene Ruhrpottlerin beherrschte sie die so typische Mundart perfekt und spielte sich innerhalb von Sekunden in die Herzen der Zuschauer. Sie war so authentisch und wirkte so nahbar in ihrem Spiel, dass man ihr die Ehefrau mit dem frechen Mundwerk komplett abnahm. Auch stimmlich konnte sie mich wirklich begeistern und berühren. Insbesondere in ihrem Duett mit ihrem Mann Karsten.

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Karsten, der Ehemann von Gabi, wird von Detlef Leistenschneider gespielt. Gemeinsam waren sie wirklich ein tolles Paar, das wunderbar harmoniert hat. Ich habe mich über jede Szene mit ihnen gefreut, weil sie unglaublich witzig waren und sie eine tolle Nuance in das Stück gebracht haben.

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Thomas Hohler spielte Tobi den Sohn von Gabi und Carsten. Dass Thomas Hohler ein wirklich toller Darsteller und Sänger ist, muss ich glaube ich nicht noch mal erzählen. Er spielte den jungen, verliebten Tobi mit Charme und sehr viel Jugendlichkeit.

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Tobi verliebt sich in dem Stück in Gianna, die von Dorina Garuci gespielt wird. Sie zaubert eine lebensfrohe und temperamentvolle junge Frau auf die Bühne, die ihr kleines Geheimnis geschickt geheim hält. Auch sie gefiel mir stimmlich gut, auch wenn ich sie in einigen Passagen aufgrund ihres Akzents (und meines Sitzplatzes ganz Außen) nicht gut verstehen konnte.

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Enrico de Pieri spielt die zentrale Hauptperson, Peter, in diesem Stück. Peter ist Brummifahrer und hat in den letzten Jahren seiner Spedition deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als seiner Frau Sabine. Mit diesem Vorwurf und der radikalen Entscheidung von Sabine die Ehe zu beenden konfrontiert, befindet sich Peter auf einer Reise, die mit Wut und Trauer startet und dann mit viel Liebe und Kämpfergeist in Richtung Happy End weitergeht. Mich hat Enrico de Pieri wirklich mitgerissen. Sein Schauspiel wirkte so authentisch und sympathisch zugleich. Seine Gedanken und Emotionen transportiert er nachvollziehbar und schaffte gleichzeitig unfassbar komische und lustige Momente zu schaffen.

 

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Sabine wurde von Vera Bolten gespielt. Mit ihr hatte ich leider etwas Probleme warm zu werden, da mir ihre Stimmfarbe nicht gefiel. Das ist aber mal wieder totale Geschmackssache. Ihr Spiel hingegen gefiel sehr.

Als viertes Paar oder eher gesagt in der vierten Liebesgeschichte auf der Bühne waren Mischa Mang als Wolf und Carina Sandhaus als Jessica zu sehen.

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Ich habe mir ja bei der Bekanntgabe von Wahnsinn die Frage gestellt, ob die Musicalwelt so ein Stück braucht. Wenn man die Reaktionen des Publikums beobachtet und sich mit anderen Gästen über das Stück austauscht, dann erhält man schnell eine Antwort: Ja, dieses Musical hat seine Daseinsberechtigung. Es muss ja nicht immer hoch anspruchsvoll sein, wenn man ins Theater geht. Man darf doch auch einfach mal Spaß haben und sich unterhalten lassen. Interessant ist auch, dass Wahnsinn ein ganz neues Publikum ins Theater lockt und so die Welt der Musicals noch mehr Menschen eröffnet. Die Frage, ob Wahnsinn sehenswert ist oder nicht, muss jeder für sich selber beantworten. Wer wie ich weder mit Wolfgang Petry noch mit Schlager etwas am Hut hat, wird sich schwer tun mit diesem Stück warm zu werden. Wer aber in der Kindheit, Jugend oder in einer anderen Lebensphase die Songs von Wolfgang Petry erlebt hat, Schlagerfan ist oder sich die Kombination Wolfgang Petry und Musical gut vorstellen kann, wird mit Sicherheit viel Freude an der Show haben.

Ein Gedanke zu “Premiere von Wahnsinn das Musical im Theater am Marientor

  1. Emily Manthey schreibt:

    Ich war auch nicht persönlich zuerst begeistert davon das es dieses Musical geben soll.Die Geschichte hört sich aber interressant an und man ist jetzt doch neugierig geworden wie das Musical ist😊.

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