Rebecca in Tecklenburg

Wow. Hätte ich diese Rezension direkt nach der Premiere oder Samstag geschrieben, dann wäre es vermutlich bei diesen drei Buchstaben geblieben. Nicht, weil es nicht mehr zu erzählen gegeben hätte, sondern weil ich noch zu geflasht und sprachlos war.

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Ich war wieder gespannt wie ein Flitzebogen auf die Inszenierung in Tecklenburg. Auf der einen Seite hatte ich extrem hohe Erwartungen. Die Cast, die aktuell in Tecklenburg auf der Bühne steht, ist ein einziger Traum und schon bei der Pfingstgala haben Milica, Pia und Jan gezeigt was uns bei Rebecca erwarten wird. Auf der anderen Seite war ich aber skeptisch. In Stuttgart hatte mir damals das Bühnenbild so unglaublich gut gefallen und ich habe mich gefragt, ob man dieses Stück auf einer Freilichtbühne tatsächlich so gut umsetzen kann. Voller Vorfreude ging es dann also nach Tecklenburg zur lang ersehnten Premiere!

Wirklich viel zu lange hatte dieses Stück in einer Schublade in Wien gelegen. Sicherlich ist Rebecca kein leichtes Stück, es spricht nicht das ganz breite Publikum an, aber dennoch haben Michael Kunze und Sylvester Levay hier einmal mehr bewiesen, was für großartige Musicalschreiber sie sind. Und wenn solch ein Stück, mit einer dermaßen fantastischen Cast wieder auf die Bühne gebracht wird, kann es doch eigentlich nur großartig werden.

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Viele Musicalfans pilgerten also am Premieren-Freitag wieder nach Tecklenburg und erklommen bei bestem Wetter den Weg bis zur Freilichtbühne. Schon vor Beginn der Show merkte man die positive Stimmung. Alle waren gespannt, alle freuten sich und alle spürten vermutlich schon, dass hier etwas besonders passieren würde. Auch ich und die komplette Musical Lifestyle-Crew nahmen unsere Plätze ein. Bis plötzlich jemand aufgeregt sagte:,,Oh mein Gott! Da ist Sylvester Levay!“ Wie ein drittklassiger Paparazzo zog ich mein Handy hervor und begann Fotos zu machen. Bis jemand sagte:,,Du…ich glaub der sitzt bei uns in der Reihe.“ Und so kam es dann auch. Einige Plätze links von uns waren noch frei. Und niemand geringeres als Sylvester Levay nahm Platz. Kichernderweise sagte meine Patentante dann:,,Wenn Sylvester Levay links sitzen muss, wer ist denn dann die „Prominenz“ in der Mitte dieser Top-Reihe?“ Tja…das waren dann wohl wir… 😀

Nach der ersten Aufregung, ging es dann endlich los. Und ich muss sagen, so etwas habe ich noch nie erlebt. Es war eine gigantische Premierenstimmung (wobei ich gehört habe, dass es bei der zweiten Show wohl auch grandios gewesen sein soll). Das Publikum feierte das Stück, es feierte die Darsteller, es feierte jedes Solo, es feierte sich und es feierte diese unfassbar gelungene Inszenierung. Es gab bei jeder Gelegenheit einen so herzerwärmenden Applaus, jedes Solo wurde mit minutenlangem Szenenapplaus honoriert und bereits zur Pause gab es Standing Ovation. Kaum hatte der zweite Akt mit dem großen Duett zwischen Ich und Mrs. Danvers begonnen, stand das Publikum schon wieder.

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Es waren 3h Gänsehaut pur. In der Pause war ich in den ersten Minuten zu nichts in der Lage. Ich hatte einen richtigen Knoten im Hals und ordentlich Pippi in den Augen. Die Stimmung und dieses Stück haben so nachgewirkt, dass ich mich erstmal sammeln musste. Das erste was ich dann gesagt habe war:,,Wann kommen wir wieder?“

Die Inszenierung in Tecklenburg ist natürlich ganz anders als in Stuttgart. Aber es ist mal wieder erstaunlich zu was Tecklenburg fähig ist. Die Mittel, die zur Verfügung stehen werden auf so kreative Art und Weise genutzt, dass man als Zuschauer zu keiner Zeit das Gefühl hat, dass etwas fehlt. Man konnte sich voll und ganz der Geschichte hingeben.

rebecca-havergo-220Mit Pia Douwes als Mr. Danvers hat die Freilichtspiele die Grande Dame des deutschen Musicals auf die Bühne geholt. Und wenn jemand diese Rolle spielen kann, dann Pia. Sie war phänomenal. So böse, so intrigant, voll und ganz Rebecca hingegeben. Sie noch einmal in dieser Rolle erleben zu dürfen, war ein wahres Geschenk. Ihr Gesang war wie immer perfekt, auf den Punkt und bei jedem Ton zauberte sie mir eine Gänsehaut auf die Haut und Tränen in die Augen.

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Jan Ammann in der Rolle des Maxim de Winter hat mir gezeigt wie facettenreich und vielschichtig diese Rolle ist. Jan ist einfach ein begnadeter Schauspieler. Seine Wutausbrüche, an die sich sofort Scham und Reue knüpften, und seine Charakterentwicklung während des Stücks waren zu jeder Sekunde hundertprozentig authentisch. Sein Schauspiel gepaart mit seiner Stimmgewalt waren ein Genuss zu erleben.

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Milica Jovanovic als Ich konnte mich nun vollends von sich überzeugen. Diese Rolle passt wirklich perfekt zu ihr. Die anspruchsvollen Songs singt sie mit so einer Leichtigkeit und Perfektion, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Und besonders hat sie mich mit ihrem Schauspiel begeistert. Sie ist so unglaublich spielfreudig, füllt jede Sekunde auf der Bühne aus. Beispielsweise bei der Hochzeit mit Maxim hatte man das Gefühl, dass sie beinahe vor Freude platzt. Auch ihre Charakterentwicklung ist toll anzusehen. Nicht nur ihr Schauspiel – nein ihre Körperhaltung, ihr Auftreten und ihr Gesang verändern sich peu a peu.

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rebecca-havergo-390Mit Roberta Valentini als Beatrice wurde auch diese Nebenrolle top besetzt. Sie strahlt so viel Sympathie aus und ist ein wahrer Anker für die neue Mrs. de Winter in Menderley. Von ihr geht eine durch und durch gute Ausstrahlung aus. Auch ihre Solos berühren und bekamen zu recht langanhaltenden Szenenapplaus.

Als Wegbegleiter und guter Freund Frank Crawley steht Thomas Hohler zur Zeit in Teckleburg auf der Bühne. Bereits letztes Jahr hatte er mich dort begeistert und in Rebecca nahtlos angeknüpft.

Ach, ich könnte jetzt ewig so weiter machen. Wirklich jede Rolle, egal ob Hauptrolle oder Nebenrolle, wurde großartig besetzt. Alles passt zusammen, alles ist stimmig und es entstand ein wunderbares Gesamtbild. Das riesige Ensemble setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Dieser Abend war wirklich etwas ganz Besonderes. Schon sehr lange bin ich nicht mehr so zufrieden, so glücklich und so beseelt aus einem Theater gegangen. Die Stimmung, die auf dieser Premiere geherrscht hat, war einmalig und ich bin dankbar dafür, das miterlebt zu haben. Sylvester Levay kam nach der Show auf die Bühne und nachdem Pia vor ihm auf die Knie gefallen ist, tat er das gleiche und bedankte sich so bei der kompletten Cast für ihre phänomenale Leistung. Ich kann mich Sylvester Levays Worten ,,diese Premiere wird mir für immer in meinem Herzen bleiben“ nur anschließen. Selbst beim Schreiben dieses Beitrags habe ich wieder Gänsehaut und einen Kloß im Hals bekommen. Zum Glück sind bereits Karten für einen zweiten Rebecca-Besuch bestellt – ich freue mich schon tierisch darauf! <3

 

 

2 Gedanken zu “Rebecca in Tecklenburg

  1. Diana aus Thüringen schreibt:

    Oh was für ein toller Bericht…vielen Dank dafür. Ich hab beim lesen Gänsehaut bekommen!!! Ach was freuen ich mich darauf dieses Stück Anfang September zu sehen. Zum Glück hab ich auch gleich für 2 Vorstellungen Tickets…😉
    LG Diana

    • Nasja92 schreibt:

      Liebe Diana,
      danke für deine lieben Worte :)
      Du hast allen Grund Dich zu freuen! Ich drücke die Daumen, dass das Wetter mitspielt. Ich bin sehr froh es bald auch noch ein zweites Mal sehen zu können. Du hast ja auch direkt mit 2 Karten vorgesorgt 😉 Ganz ganz viel Spaß!
      Alles Liebe,
      Miriam

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