Rocky Horror Show Premiere – Clingenburg Festspiele

Seit vielen vielen Jahren besuche ich im Sommer die Freilichtspiele Tecklenburg. Obwohl ich weiß, dass es auch viele andere (tolle) Freilichtbühnen gibt, auf denen im Sommer Musicals aufgeführt werden, war ich bisher noch nie woanders. Doch in diesem Jahr sollte sich das ändern! Bei den Clingenburg Festspielen wird dieses Jahr unter anderem die Rocky Horror Show auf die Bühne gebracht. Nicht um das Musical zu sehen, sondern um Lukas Witzel als RiffRaff in diesem Musical zu sehen, hieß es dann letzte Woche Freitag: Roadtrip nach Klingenberg! Mit einer Fahrtzeit von etwa 3 Stunden pro Weg, wussten wir, dass es ein anstregender Tag werden würde. Aber dass dieser Tag so viele Überraschungen (positiv wie negativ) für uns bereit halten würde, damit hatten wir nicht gerechnet.

Björn Friedrich für Clingenburg Festspiele

Björn Friedrich für Clingenburg Festspiele

Am frühen Vormittag ging es für meine Mutter, Daniel (DanielsView) und mich los Richtung Klingenberg.3663d6a1-ebfc-4612-b5be-ef4c3a637e0e Die 3-stündige Autofahrt klappte erstaunlich problemlos am Freitag vor Pfingsten. Bei schönstem Wetter und warmen Temperaturen kamen wir an und genossen die Idylle auf der Burgterrasse mit Blick auf den Main. Ein paar Stunden hatten wir noch Zeit bis die Premiere beginnen sollte.

Bei den Clingenburg Festspielen gibt es eine Art „Foyer“ mit einigen Stehtischen und Sitzmöglichkeiten, die zum Anstoßen und Verweilen einladen. Anders als in Tecklenburg kommen die Besucher hier nicht riesigen Lunchpaketen und Sitzkissen angereist.IMG_9664 Die Atmosphäre ist näher an einer Theater- als auch einer Picknickatmosphäre. Bühne sowie Zuschauerbereich sind deutlich kleiner und komplett unbedacht. Dass das Wetter mitspielt, ist hier also wirklich wichtig – vor allem für eine Premiere.

Nachmittags waren wir noch guter Dinge, dass das Wetter so traumhaft bleiben würde. Doch hier und da hörte man bereits Gemunkel, dass laut Wetterradar ein Unwetter auf dem Weg nach Klingenberg sei. Und als hätte sich der Wettergott einen fiesen Scherz erlaubt; in dem Moment als ich meinen Sitzplatz einnahm (etwa 10 Minuten vor Showbeginn), wurde es super windig. Der Himmel war wolkig und die ersten Regentropfen fielen. Der riesige Vorhang auf der Bühne konnte nur mit Mühe und Not gebändigt werden, bis er schließlich an den Seiten aufgerollt und fixiert wurde. Dies galt auch für kleinere Vorhänge, die eigentlich Teil der Inszenierung sein sollten. Viele Besucher trauten sich kaum ihre Plätze einzunehmen und warteten im „Foyer“bereich darauf, dass der Wind aufhörte. Eine richtige Besserung war nicht in Sicht, aber um 20.15Uhr gab es eine kurze Ansprache, dass die Show gleich starten würde – jedoch die Vorhänge nicht zum Einsatz kommen würden. Lediglich der große Vorhang sollte einmal gezeigt werden, da dieser ein besonderes Element für die Show sei. Mit vereinten Kräften versuchten Mitarbeiter der Festspiele den Vorhang für den Prolog zu bändigen, was ihnen mit viel Kraft und vollem Körpereinsatz gelang.

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Björn Friedrich für Clingenburg Festspiele

Was man als Zuschauer dann im ersten Akt erleben durfte, war eine junge und frische Inszenierung der Rocky Horror Show. Die Darsteller waren durch die Bank weg deutlich jünger als man es von groß angelegten (Tour)Produktionen kennt. Auch der Erzähler war sehr jung und gleichzeitig noch als Pianist aktiv. Die Sprechtexte waren auf Deutsch und die Songs wurden auf Englisch gesungen. Ich hatte bisher nur rein englische Versionen gesehen und empfand die Produktion auf der Clingenburg daher als sehr deutsch. Dies ist aber durchweg positiv gemeint. Durch die deutschen Darsteller und die deutschen Texte, war ich näher am geschehen. Witze und Gags zündeten ganz anders und beim gesamten Publikum einfach deutlich schneller.

In der Pause ereignete sich dann eine böse Überraschung. Als wir unsere Getränke im (zum Glück überdachten) Foyerbereich zu uns nahmen, ging plötzlich die Welt unter: Sturm, Gewitter, Blitz und starker Regen.IMG_9675 Wir drückten uns selber und natürlich dem Team rund um die Show die Daumen, dass sich das Wetter schnell wieder beruhigen würde. Doch zeitweise sah es gar nicht danach aus. Doch dann wurde es allmählich wieder etwas heller. Es gab einen Gong und der zweite Akt sollte nun doch noch stattfinden. Die Luft hatte sich deutlich abgekühlt. Alles war nass (einschließlich man selber).

Als ich die Darsteller teilweise barfuß, zum Großteil nur leicht bekleidet auf der Bühne sah , war ich doch ganz froh mit meiner Jacke, meinem Schal und meinem Regen-Poncho im Zuschauerbereich zu sitzen. Mittlerweile war es sogar so frisch geworden, dass man den warmen Atmen der Darsteller sehen konnte. Die tolle Leistung der Darsteller, auch bei diesen Widrigkeiten eine mitreißende Show abzuliefern, belohnte das (nach der Pause noch dagebliebene) Publikum mit viel Applaus und Interaktionen während des zweiten Akts. Es war ein Geben und Nehmen zwischen Publikum und Cast.

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Björn Friedrich für Clingenburg Festspiele

Unter den Bedingungen, die bei dieser Premiere geherrscht haben, kann man beim besten Willen keine „normale“ Rezension schreiben. Die Darsteller haben alle ihr Bestes gegeben und gezeigt, dass man bei den Clingenburg Festspielen eine junge und frische Rocky Horror Show Inszenierung sehen kann. Gesanglich wie auch schauspielerisch haben die Darsteller überzeugt und auch bei dem schwierigen Wetter ihre Spielfreude nicht verloren. Ich fand es erfrischend einen jungen Erzähler zu erleben und auch einen jungen Frank’n’furter. Es lohnt sich einfach immer wieder über den Musicaltellerrand zu blicken und sich für kleinere Produktionen mit jungen Darstellern zu öffnen. Bisher wurde ich nie enttäuscht!

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