Sunset Boulevard im Theater Dortmund

Letzte Woche habe ich mir die Inszenierung von Sunset Boulevard in Dortmund angesehen. Als ich die Besetzungsliste gelesen hatte, war mir schnell klar, dass auch dieses Stück absolutes Pflichtprogramm für 2016 ist. Bereits die Inszenierung von „Next to Normal“ des Dortmunder Theaters hatte mir sehr gefallen und ich war gespannt auf eine weitere Inszenierung dieses Stadttheaters, das sich seit ein paar Jahren an Musicals wagt und bisher immer überzeugt hat. Zudem hatte ich Sunset Boulevard noch nicht gesehen und da es ein absoluter Klassiker ist, war dies nur noch ein Grund mehr für einen weiteren Musical-Ausflug nach Dortmund!

Vor einigen Wochen war ich bereits bei der öffentlichen Probe von Sunset Boulevard in Dortmund. Für mich war es das erste Mal, dass ich einen Einblick in die Arbeit, die hinter einem solchen Stück steht, erhalten habe. Nun war ich umso gespannter wie das Stück bei seiner Aufführung wirken wird. Wie sehen die Kostüme aus? Wie wird die Bühne ausgeleuchtet sein? Welche Effekte wird es geben? Und, worauf ich besonders gespannt war, wie wird das Erlebnis mit einem großen Orchester sein?

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Im Theater selber ging der erste Gang natürlich zur Besetzungsliste. Ein Blick darauf geworfen und ich konnte durchatmen! Sowohl Pia als auch Oliver Arno und Wietske van Tongeren waren da. Nun konnte der Musicalabend beginnen!

Kaum ertönten die ersten Melodien mit dem Öffnen des Vorhangs, wurde man umhüllt von einem absolut vollen Klang. Es ist unglaublich wie groß der Unterschied zwischen dem Klang eines „echten“ Instruments und eines „unechten“, weil technisch aufgenommen und wieder abgespielten, Instruments ist. Die letzten beiden Stücke, die ich gesehen habe (Tarzan & Aladdin) konnten klangmäßig mit ihren Bands aus etwa 10 Personen hier nicht mithalten.

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Auch die Darsteller waren so erstklassig wie die Musik aus dem Orchestergraben. Das Ensemble war angemessen groß und zeigte in den seinen Nummern eine gut Leistung. Die Hauptdarsteller hat das Theater Dortmund mit bekannten und erstklassigen Musicaldarstellern besetzt. Nur die Rolle des Butler Max wurde von einem Darsteller aus den „eigenen Reihen“ besetzt.

sunsetblvd_ohp_533Die Hauptrolle der Norma Desmond wurde von Pia Douwes verkörpert. Ich konnte mir sie bereits im Vorhinein sehr gut in dieser Rolle vorstellen. Und auch als ich sie auf der Bühne erleben durfte, hat sie mich völlig überzeugt. Da ich das Stück zuvor noch nicht gesehen habe, habe ich hier natürlich keinen Vergleich zu anderen Darstellerinnen. Pia spielte die Rolle mit vollem Herzblut und zeigte, dass ihre Stimme einfach erstklassig ist.

sunsetblvd_khp__161Joe Gillis wurde von Oliver Arno gespielt. Obowohl er ja durchaus ein sehr bekannter Musicaldarsteller ist, hatte ich ihn zuvor noch nie in einem Stück erlebt. Für mich hat er sehr sehr gut in diese Rolle gepasst. Auf der einen Seite wirkte er fast unsympathisch, weil er eine Marionette der Filmindustrie zu sein schien und nicht versuchte neue Wege zu gehen. Auf der anderen Seite litt man aber auch mit ihm mit und konnte sein Dilemma zwischen Norma und Betty, Schuldenberg und dem komfortablen Leben auf dem Anwesen von Norma verstehen und nachvollziehen. Stimmlich war er auch absolut sicher und transportierte seine Emotionen.

sunsetblvd_ohp_580Auch Wietske van Tongeren hatte ich noch nie live auf einer Bühne erlebt und war sehr gespannt sie in der Rolle der Betty Schaefer zu erleben. Sie hat ein unfassbar sympathisches Naturell und überzeugte mich mit der Leichtigkeit ihrer Spielweise. Die Rolle der Betty, die von Grund auf ein guter Mensch zu sein schien, spielte sie überzeugend und schaffte es innerhalb von Sekunden die Herzen und Sympathien der Zuschauer zu gewinnen. Stimmlich harmonierte sie sehr mit Oliver Arno und zeigte auch in den solistischen Parts die Stärke ihrer warmen Stimme.

sunsetblvd_ohp_605Hannes Brock ist bereits seit 1992 Mitglied des Opernensembles des Theater Dortmund. Mit ihm wurde die Rolle des Max also quasi „intern“ besetzt. Sein Schauspiel war zu gleich mystisch und unauffällig, aber dennoch präsent. Wie man es sich bei einem Butler vorstellt, hielt er sich stets im Hintergrund. Dennoch war er aber erstaunlich präsent und man konnte ihn nicht ganz einschätzen. In seinen Gesangsparts lieferte er eine gute Leistung ab, auch wenn ihm ein bisschen die Leichtigkeit fehlte.

Die Bühnenbilder erwiesen sich als erstaunlich vielseitig. Egal ob Bar, Normas Anwesen oder Paramount Studios, man konnte gut in die Szenerie eintauchen. Besonders positiv aufgefallen ist mir die Inszenierung der Verfolgungsjagd im Auto und die Silvesternacht. Hier merkte man, dass sich viele Gedanken über die Umsetzung gemacht wurden. In der Mitte der Bühne war ein recht großer Teil angeschrägt…ich hatte teilweise Angst, dass die Darsteller einen falschen Schritt machen und dann in den Orchestergraben purzeln 😀 Das ist aber natürlich nicht passiert – diese Anschrägung veränderte aber die Perspektive und ermöglichte interessante Möglichkeiten mit den Bühnenbildern zu spielen.

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Ein weiteres Lob muss auch an die Kostümschneider gehen. Die Kleider für Norma Desmond – insbesondere das goldene Silvesterkleid – waren wirklich toll.

Insgesamt hat mir das Stück wirklich gut gefallen. Nachdem ich zuvor zwei Disney Musicals gesehen hatte, musste ich mich erstmal darauf einlassen, dass jetzt nicht alle fröhlich von links nach rechts springen und Pop-Sings singen 😉 Wenn man sich das Stück ansieht, bekommt man einen echten Musical-Klassiker. Es wird quasi noch jeder Schritt und jede Handlung mit Gesang kommentiert und begleitet. In Dortmund ist aber eine wirklich gut gelungene Inszenierung zu sehen und allein schon wegen des tollen Orchesters einen Besuch wert.

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