Tanguera in der Kölner Philharmonie

Tanguera – Das Tango Musical direkt aus Buenos Aires liest man auf den Plakaten und den Broschüren zum Stück. Tango und Musical – eine Kombination, die mir von alleine vermutlich nicht in den Sinn gekommen wäre. Meine, ich gebe zu nicht sehr intensive, Recherche zum Stück hat mir auch nicht viel verraten. Es wird Tango getanzt und es gibt wohl auch eine Geschichte drumherum. Also mal wieder ein neues Experiment. Am Dienstag feierte diese Tourproduktion Premiere in Köln und ich war dabei.

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Dass ich mich gerade in einem persönlichen Experiment befand, wurde mir mal wieder besonders durch das Publikum deutlich. Besucht man regelmäßig Musicals nimmt man schnell wahr, dass dort ein ganz besonderes, eigenes Publikum vorzufinden ist. Ich kann es gar nicht so richtig beschreiben. Es gibt Gesichter, die man auf Konzerten und im Theater wieder erkennt, aber auch die unbekannten Besucher passen in das Gesamtbild des Musicalpublikums. Als ich mich am Dienstag umschaute merkte ich schnell, dass sich hier nicht das typische Musicalpublikum tummelt, sondern ein anderes. Ein starker Hinweis dafür, dass ich etwas anderes zu sehen bekommen würde, als ich es aus den Musicalhäusern gewohnt bin. Aber – bisher hatte ich immer gute Erfahrungen mit meinen „Experimenten“ gemacht. Also wurden die Plätze eingenommen und los gings!

Worum geht es in Tanguera? Das Stück erzählt die Geschichte von Giselle, einer jungen Frau, die nach Buenos Aires immigriert und dort keinen leichten Start hat.tanguera-foto-13-credit-susanne-brill Bei ihrer Ankunft verliebt sie sich in Lorenzo, einen Hafenarbeiter, gerät jedoch in die kriminellen Kreise von Gaudencio. Ihr Schicksalsweg führt sie in ein Bordell, in dem sie als Tänzerin und Prostituierte arbeitet. Romantische Begegnungen zwischen Giselle und Lorenzo werden immer wieder von Gaudencio und seiner Gefolgschaft zerstört und enden in Auseinandersetzungen der zwei Lager. Es wird deutlich wie unangenehm Giselle die Arbeit als Tänzerin und Prostituierte im Bordell ist und dass sie sich in der Gegenwart von Gaudencio nicht wohl fühlt.tanguera-foto-04-credit-stefan-malzkorn All die Gefühle und Streitigkeiten entladen sich in einem großen Kampf, der tragisch endet.

Eine dramatische Liebesgeschichte, die mich doch ein wenig an West Side Story erinnert hat. Erzählt wird diese Geschichte mit Hilfe des Tangos. Es wird nicht gesprochen und es gibt auch nur vier Lieder, die gesungen werden – auf spanisch. Leider gab es für diese keine Übersetzung. Auch wenn es nur vier Lieder waren, hätte es mir fürs Verständnis sicherlich geholfen, wenn ich verstanden hätte, was die ältere Dame dort auf der Bühne singt.

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Bei diesem Stück musste man wieder in seinem Hinterstübchen ordentlich mitmachen. Sicher – vieles wird deutlich durch das Schauspiel und auch durch den Tanz. Jedoch empfand ich es recht anstrengend 90 Minuten alles mitzuverfolgen und die Puzzleteile in meinem Kopf zusammenzusetzen. Der ein oder andere Dialog oder Song hätte es mir sicherlich erleichtert (dann wäre auch die Bezeichnung Musical gerechtfertigt gewesen). Was tänzerisch auf der Bühne geboten wurde, war wirklich großartig. Ich habe keinen Bezug zum Tango, aber die Tänzer zeigten die Choreographien mit viel Elan, großer Exaktheit und Leidenschaft. Für Tango-Liebhaber sicherlich ein absoluter Augenschmaus.

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Als Fazit muss ich jedoch sagen, dass Tanguera meinen tänzerischen Horizont überschritten hat. 90 Minuten nur Tango-Tanz und Tango-Rhythmen waren mir doch etwas zu einseitig. Und bei einem Musical erwarte ich einfach mehr Gesang und Dialog. Für mich diesmal also eher ein gescheitertes Experiment. Für einen Großteil des Publikums jedoch ein grandioser Abend. Die Menschen um mich herum waren begeistert. Es gab Standing Ovation und viele glückliche Gesichter. Für Menschen, die sich also für Tango begeistern können ist Tanguera zu empfehlen, da sich dieses Stück voll und ganz diesem Tanz hingibt.

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