Titanic in der Kölner Philharmonie

Wenn man an Titanic denkt, beginnt im Kopf sofort die Melodie von My heart will go on und man denkt an die Szene in der Leonardo di Caprio und Kate Winslet am Bug der Titanic stehen und alles ist schnulzig und romantisch und tragisch und natürlich auch sehr sehr dramatisch. Titanic heißt aber auch ein Musical, in dem es natürlich auch um die Geschichte des berühmten Schiffes und seines Untergangs geht. 2002 wurde dieses Musical erstmalig in Deutschland aufgeführt und ist nun als kurzes Gastspiel in Köln zu sehen gewesen. Auch wenn Musical und Film den gleichen Titel teilen und ja auch das tragische Schiffsunglück aufgreifen, werden doch zwei komplett verschiedene Geschichten erzählt.

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Im Musical geht es nicht um die Liebesgeschichte zweier Hauptcharaktere, sondern es werden vielmehr die Geschichten vieler Mitreisender erzählt. Woher kommen sie? Warum sind sie an Board? Und zu welcher gesellschaftlichen Schicht gehören sie? Gleichzeitig geht es aber auch um die Besatzung. Welche Menschen waren Teil der Crew? Und wie konnte es zu der Kollision mit dem Eisberg kommen? Wer war daran beteiligt und trägt die Schuld?

Diese Fragen (bis auf die letzte) wurden im ersten Akt aufgegriffen und beantwortet. Man wurde in das Jahr 1912 versetzt, in der die Titanic eine Sensation war. Besucher betraten das riesige Schiff und man erfuhr mehr über sie, aber auch über die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit. Es wurde unterschieden zwischen Gästen der 1., 2. und 3. Klasse. Crewmitglieder waren Minderjährig. Und es gab verbotene Partnerschaften.

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Für manche war der erste Akt vielleicht etwas langatmig, für andere ein Abtauchen in eine andere, vergangene Zeit. Als Besucher wurde man mit vielen Informationen, Verstrickungen und Beziehungssträngen beschäftigt. Und dann mit der Katastrophe – der Kollision mit dem Eisberg – in die Pause entlassen. Für mich kam die Pause zur richtigen Zeit. Ich musste die ganzen Informationen verarbeiten und erwartete nun einen dramatischen zweiten Akt. Doch dieser gestaltete sich nicht ganz so dramatisch wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich vermisste die Panik in den Augen. Die Todesangst und den Kampf ums Überleben. Am beeindruckendsten war das Solo von Thomas Andrews, dem Architekten der Titanic, bevor dieser mit der untergehenden Titanic ertrank. Die Rettung der Passagiere war fast schon kühl und mir fehlte der Abschiedsschmerz, die Panik, das Leid. Am Ende des Stücks wurde eine lange Liste gezeigt, die die Namen der ertrunkenen Menschen zeigte und die Darsteller, die überlebten, schilderten Eindrücke der Augenzeugen von 1912. Das ging nahe.

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Insgesamt war dieses Musical natürlich kein heiteres, gute Laune Musical. Es gab auch keinen Song, der mit im Ohr geblieben ist. Die Inszenierung war rund, mit guten Darstellern, umgesetzt und sehenswert. Vom Hocker gehauen hat sie mich aber nicht.

Ein Gedanke zu “Titanic in der Kölner Philharmonie

  1. Bab schreibt:

    Nun ja, wenn man im ersten Satz gleich an die „Titanic“-Verfilmung und den Celine Dion Titel denkt, ist der Einstieg in dieses Musical vielleicht etwas schwierig. Musikalisch ist „Titanic“ eines der besten Musicals der letzten Jahrzehnte. Große Chorszenen, Ensemblenummern aber auch Soli und Duette. Ich kenne bis jetzt keinen, der nicht ganz eingenommen von dem Stück aus dem Theater bzw. Konzertsaal kam. Die Tonqualität war allerdings am Anfang in Köln nicht so gut ausgesteuert, dass man die einzelnen Sänger auseinanderhalten bzw. deren gesungenen Passagen auch textlich verstehen konnte. Dieses Manko hatte sich aber schnell gelegt. Gerade der angeschnittene 2. Akt (mit der gewünschten Panik in den Augen) kam besonders gut rüber. Denn die 1. Klasse konnte wohl überhaupt nicht verstehen, weshalb ein solches Aufhebens gemacht wurde zur nachtschlafenden Zeit (musikalische wunderbar gelöst). Das Schiff galt schließlich als unsinkbar.Mein Tipp: CD in den Player legen (egal ob die Originalversion oder die DEA) und in-sich-gehen. Das Musical ist im Gegensatz zu vielen anderen (hochgelobten) Shows wirklich topp!

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