Warum Beiträge über Klaws, Seibert, Ammann und Co. nicht ganz so einfach sind

Der Musicalkosmos ist doch recht klein und die breite Masse interessiert sich herzlich wenig dafür, wer gerade genau den Aladdin, Tarzan, Sam oder Tod spielt. Aber wer beim Musicalbesuch genauer hinhört, wird sie entdecken: die ganz großen Musicalfans, die sich stundenlang über den neusten Klatsch und Tratsch der Szene austauschen können. Den Musicalfan gibt es in ganz verschiedenen „Ausführungen“ – es gibt jene, die einfach diese Art von Kultur und Unterhaltung schätzen, sprich sich für Musicals ganz im Allgemeinen begeistern können. Dann gibt es Fans von ganz bestimmten Musicals – egal ob Tarzan, Rocky oder Ludwig² – dieses eine Stück lässt ihr Herz höher schlagen, hat sie tief berührt und wenn es mal ins Musical geht, dann soll es auch dieses eine wunderbare Stück sein. Und dann gibt es noch Fans von Darstellern. Ein ganz bestimmter Darsteller hat diesen Fan in seinen Bann gezogen – Stimme, Ausstrahlung, Talent (und Aussehen) – einfach eine perfekte Mischung. Der Fokus beim Musicalbesuch liegt auf dieser einen Person. Es wird hinterhergereist und gezielt Shows mit diesem Darsteller besucht. Insbesondere der dritte Typ Fan verliert sich schon mal in seiner Begeisterung, hat den Fokus ganz eng auf diesen einen Darsteller gestellt. Und vor der Linse auch gerne eine rosa-rote Brille.

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Wenn ich als Bloggerin ins Musical oder auf ein Konzert gehe, lasse ich mich auf den Abend ein. Ich bin offen und gespannt, was mich erwartet. Ich bin definitiv eine Mischung aus allen drei Fan-Typen und durch meinen Blog mittlerweile doch am meisten dem Typ 1 zuzuordnen. Meine Eindrücke schildere ich dann in meinen Beiträgen und versuche dabei, das, was ich erlebt habe, nachvollziehbar zu machen, Geschehnisse und auch Leistungen der Darsteller voneinander abzugrenzen. Vielleicht habt Ihr schon gemerkt, dass der Aufbau meiner Beiträge immer ähnlich ist: Es gibt eine Einleitung (warum habe ich mir das Musical/Konzert angeschaut? Kannte ich es? Wie waren meine äußeren Umstände?), eine Zusammenfassung des Gesamterlebnisses, ein paar Sätze zu den (Haupt)Darstellern/Sängern und ein paar abschließende Worte. Ich bin stets bemüht meine Anmerkungen zu den Leistungen der Sänger respektvoll zu formulieren und nachvollziehbar darzulegen, wenn mir mal jemand nicht so gut gefallen hat.

Und hier wird es schwierig mit dem Musicalfan Typ 3 – wenn ich einen Beitrag schreibe, der zu 95% positiv ist und ich in einem Satz erwähne, dass mich ein Darsteller (der viele Typ 3 Fans hat) nicht hundertprozentig überzeugt hat. Oder er für mich schwächer war als andere. Dann kann ich bereits vor der Veröffentlichung eine Wette abschließen, dass seine Fans kommentieren werden, dass sie das ganze Konzert/Musical aber ganz anders erlebt haben und meine Darstellungen überhaupt nicht nachvollziehen können. Wegen einer Anmerkung wird direkt dem ganzen Beitrag widersprochen. Und das obwohl diese Anmerkung nicht negativ war, sondern diesen einen Darsteller nur mal nicht in den Himmel gelobt hat.

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In unserem kleinen Musicalkosmos ist dies grundsätzlich immer der Fall, wenn es um Darsteller wie Mark Seibert, Jan Ammann und Alexander Klaws geht. Lobe ich nicht alles was sie auf der Bühne machen (oder das Stück, in dem sie spielen) in den Himmel, kann ich mit Kommentaren rechnen, die mir suggerieren, dass ich keine Ahnung vom Thema habe. Interessanterweise ist dies in der Regel nur bei männlichen Darstellern der Fall… Was mich vermuten lässt, dass die Kommentar-Schreiberlinge doch oftmals auch eine rosarote Brille auf haben…?

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Ich würde mir wünschen, dass insbesondere die Fans von den ganz großen Musicalstars unserer Zeit alles mal etwas entspannter sehen. Nicht nur im Umgang mit einer nicht 100% positiven Aussage in einem meiner Beiträge, sondern auch in den ganzen Fan-Foren. Der Ton unter uns Fans wird zum Teil ganz schön rau, wenn es um Kritik an einzelnen Darstellern geht. Warum? Alle, die sich in diesen Foren tummeln haben doch die große Leidenschaft fürs Musical gemein. Und Geschmäcker sind nun mal verschieden. Darüber brauchen wir uns nun wirklich nicht streiten! Wenn man etwas anders sieht, kann dies ja ebenfalls respektvoll formuliert werden. Beispielsweise indem man nicht direkt dem ganzen Beitrag widerspricht, sondern schreibt ,,Ich fand das Konzert auch super. Was Du zu Mark Seibert geschrieben hast, sehe ich anders. Aber insgesamt hatte ich auch einen tollen Abend“ oder ,,Ich bin großer Jan Ammann-Fan. Mich hat er mal wieder total begeistert. Warum er dich nicht vom Hocker gerissen hat, konnte ich im Beitrag nicht ganz nachvollziehen“. Bei solchen Kommentaren fühlt man sich als Autor nicht direkt angegriffen, sondern eher zu einem Austausch eingeladen. Und das ist es doch, was wir in den sozialen Netzwerken als Musicalfans möchten: uns austauschen, diskutieren und miteinander in Kontakt kommen.

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5 Gedanken zu “Warum Beiträge über Klaws, Seibert, Ammann und Co. nicht ganz so einfach sind

  1. Anja schreibt:

    Musste mal gesagt werden. Danke.
    Sieht man immer wieder und ich suche schon nach der berühmten Popcorntüte, wenn ich mich schon mal in die Kommentare diverser Beiträge vertiefe.

  2. June schreibt:

    Sehr gut geschrieben! Jeder hat mal einen schlechten Tag. Ich hatte schon Musicalbesuche da sind mir bei Herrn Klaws die Fußnägel hochgerollt und auch ein Herrn Stanke oder Amman haben mal einen schwierigen Ton nicht getroffen. Es wurden auch Texte gerne mal vergessen. Gerade wenn ich so einige Jahre zurück denke, ist das schon vorgekommen. Es sind alles nur Menschen und es ist alles live und keine Halbgötter! Meiner Meinung nach darf man so etwas ruhig mal kritisch äußern! Spornt den Darsteller vielleicht auch an, es sich auf seinen Lorbeeren nicht zu bequem zu machen. 😉

  3. Steffi Gröbel schreibt:

    Stehe voll hinter deinem Beitrag.
    Auch ich habe so meine Lieblingsdarsteller/-innen, und freue mich natürlich, wenn das Konzert oder das Musical super war und es alle auch so empfanden, doch das ist nicht immer so, es sind Menschen , des halb ist es in Ordnung auch mal was kritisches zu sagen ohne dafür gleich an den Pranger gesellt zu werden.

  4. Heidy schreibt:

    Vollkommen Deiner Meinung! Ich gehöre zu allen drei Typen: viele, viele Musicals liebe ich…. Ganz besonders „Tanz der Vampire“….. Und seit 15 Jahren bin ich Fan von Herrn Borchert. ABER… Ich bin die erste, die sagt:Ups, in der Rolle gefällt er mir nicht oder heut war er nicht so gut. Er ist ja ein Mensch. Jan Ammann finde ich als Ludwig anbetungswürdig, als Krolock mag ich ihn weniger. Das heißt ja nicht, daß er SCHLECHT ist, nur nicht MEIN Geschmack. Leben und leben lassen!!!

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