West Side Story im Theater Bonn

Es gibt Musicals, die etwas zeitloses haben. Und da gehört West Side Story definitiv zu. Dieses Stück bietet so viel Raum für kreative Inszenierungen. Man kann dieses Musical ganz klassisch und originalgetreu auf die Bühne bringen. Man kann es hier und da etwas kürzen, etwas dynamischer gestalten. Oder einfach ganz neugedacht und modern auf die Bühne bringen. Auch wenn dieses Musical musikalisch sicher eher zu den klassischeren Stücken gehört, ist die Thematik noch immer brandaktuell. In diesem Jahr habe ich schon zwei Inszenierungen der West Side Story gesehen. Im Sommer die Tourproduktion von WSS mit den Originalchoreographien – eine Inszenierung, die sehr klassisch und nah am Original war. Und Anfang des Jahres die Inszenierung des Theater Dortmund, die es mit ein paar Kürzungen und Modernisierungen geschafft haben, das Stück aufzupeppen. Und nun folgte mein Besuch der Inszenierung in Bonn. Wenn ich ehrlich bin, hat es mich nicht sooo sehr gereizt mir eine dritte Version der WSS in diesem Jahr anzusehen. Aber in Bonn wurde das Stück in eine U-Bahn-Station „verlegt“. Da ich die Idee total spannend fand und auch den Cast, habe ich mich auf den Weg nach Bonn gemacht.

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Tatsächlich spielte in Großteil der Geschichte in einem U-Bahnhof. Ich war wirklich begeistert wie wunderbar diese Szenerie umgesetzt und auch in das Stück integriert wurde. Tony arbeitet in einem Kiosk, der sich an einer U-Bahn-Station befindet. Die Hallen der Station sind Treffpunkt der Gangs. Eine besondere Dynamik entsteht dadurch, dass sowohl im hinteren Teil der Bühne wie auch ganz vorne am Bühnenrand eine U-Bahn hinein- und herausfahren kann. Teilweise finden Szenen sogar in der Bahn statt. Eine wirklich tolle Idee mit hervorragender Umsetzung! Durch den sehr detaillierten Ausbau der U-Bahn-Station(,diese hatte sogar mehrere Etagen), fiel das Bühnenbild anderer Szenen etwas spärlicher aus.

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Ich muss gestehen, dass es mir gefehlt hat, dass die Szene zu „One Hand, One Heart“ nicht in einer Schneiderei stattgefunden hat, sondern die Gäste der erträumten Hochzeit durch Zeitschriften und Magazine des Kiosks dargestellt wurden. Auch das die Liebesnacht vor der Schneiderei (die höchste Ebene über dem U-Bahnhof) stattfand und nicht in Marias Zimmer war mir persönlich zu unromantisch. Die Szene zu „Somewhere“ im zweiten Akt, in der eigentlich die Traumwelt dargestellt wird, in der die Gangs versöhnt miteinander umgehen, wurde in dieser Inszenierung völlig anders interpretiert. Die Traumwelt wurde nicht erschaffen, sondern Anita sang den Songs in einer Bar, nachdem sie von Bernados Tod erfahren hat. Für mich hat sich diese Darstellung leider nicht erschlossen, da die Traumwelt für mich ein wichtiger Teil der Geschichte ist. Ob mir all diese Sachen aufgefallen wären, wenn ich in diesem Jahr nicht schon zwei Inszenierungen gesehen hätte, ist jedoch fraglich. In sich schlüssig war es, sodass man es als „normaler“ Zuschauer wohl nicht bemängeln würde.

Wirklich begeistert war ich über die schauspielerische Leistung eines Großteils des Casts. WSSJan Rekeszus als Tony, durfte ich erstmalig auf der Bühne erleben, und war wirklich begeistert von ihm. Er schaffte es mich mit auf seine Reise hoch auf Wolke 7 und dann tief hinunter in die Hölle mitzunehmen. Dies gepaart mit seiner starken Stimme, war wirklich eine Idealbesetzung. Auch Marie Heeschen als Maria gefiel mir gut. Marie hat einen sehr angenehmen Sopran und spielte die naiv romantische und an das Gute glaubende Maria sehr sympathisch. Als es mit dem Tod von ihrem Bruder Bernardo und auch schlussendlich Tonys Tod doch sehr dramatisch wurde, konnte sie mich schauspielerisch jedoch nicht mehr mitnehmen. Als Tonys bester Freund Riff war Lucas Baier auf der Bühne, der diese Rolle auf eine tolle Art und Weise interpretierte wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. Insgesamt waren die Jets und Sharks moderner angelegt, sowohl in ihrer Sprache wie auch in ihrer ganzen Erscheinung und in ihrem Verhalten. Sehr spannend. Leider fand ich die Besetzung von Action und Baby Boy nicht sehr gelungen. Baby Boy war der größte der Jets und Action war mir zu passiv. Hier war beispielsweise Robert Lankester als Diesel deutlich mehr unter Strom.  Die Besetzung der Sharks fand ich super. Mit Andreas Wolfram als Bernardo und Reginald Holden Jennings als Chino wurde eine passende Optik gecastet ohne bei der Qualität der Darsteller Abstriche machen zu müssen. Lediglich die Besetzung von Anita fand ich nicht ganz optimal. Amani Robinson zeigte eine tolle schauspielerische Leistung, jedoch Schwächen in den Tanzszenen. Und für mich muss eine Anita eine hervorragende Tänzerin sein.

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Insgesamt hatte ich mal wieder einen tollen Musicalabend und ich habe mich gefreut das Theater Bonn kennen lernen zu dürfen. Die Inszenierung wagt einige neue Ansätze, die in großen Teilen sehr gut gelungen sind, aber auch Schwächen hat. Dank des tollen Casts kann man aber darüber hinwegsehen und das Stück einfach genießen.

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