Wie überlebt mann einen Musicalbesuch mit einer musicalverrückten Freundin

cl7_7992Hi, ich bin’s wieder, Alex – Miris Freund. Ich war ein bisschen erschrocken wie unglaublich gut mein letzter Beitrag angekommen ist. Vielen Dank an dieser Stelle für das tolle Feedback 😉 Wie ich damals schon vermutet habe, war Mozart in Wien nicht mein letzter Musicalbesuch. Aladdin habe ich mittlerweile noch gesehen, ich war bei einem Musical Dinner und Tarzan ist ja jetzt gefährlich nah gekommen. Bei meinem letzten Musicalbesuch mit Miri sind mir wieder ein paar Sachen aufgefallen…die auch irgendwie jedes Mal so ablaufen. Und ich dachte – nach dem großen Erfolg beim letzten Mal – schreibe ich das doch auch einfach mal auf 😉

Das Erlebnis „Musical-Besuch“ beginnt für mich schon immer zu Hause. Miri verschwindet quasi im Kleiderschrank und kommt dann mit 2 oder mehr Alternativen in der Hand wieder raus. „Welches findest du besser?“ Wer ist denn der Musicalexperte von uns beiden? – frage ich mich dann. Wenn jemand von uns wissen muss, was im Theater passend und angemessen ist, dann ja wohl sie. Meine Antwort – egal wie sie ausfällt – wird eh nicht zufriedenstellend sein. Dennoch habe ich es auch noch nicht erlebt, dass Miri ohne etwas anzuziehen ins Musical gegangen ist. Irgendwas findet sich offenbar doch immer zum Anziehen.

Klamotte

Kaum ist das Outfit ausgesucht, müssen wir auch schon losfahren. Meiner Meinung nach viel zu früh! Warum soll ich länger als eine halbe Stunde vor Showbeginn da sein? Was Anderes als rumstehen macht man da doch dann auch nicht? Aber Miri kommt dann immer mit den Totschlagargumenten: Was ist, wenn wir in einen Stau kommen? Wir wissen ja nicht wie das mit den Parkplätzen dort ist. Was ist, wenn die Bahn Verspätung hat? Was ist, wenn wir den Weg nicht finden?

Spätestens auf dem Weg zum Theater werde ich dann mit allen („wichtigen“) Infos versorgt – ob ich will oder nicht. Offenbar veröffentlichen die Darsteller die Termine, an denen sie spielen bzw. nicht spielen. Ich dachte immer solange alle Rollen besetzt sind, ist alles gut. Aber es scheint da signifikante Unterschiede zu geben, welcher Darsteller in welcher Rolle in Kombination mit wiederum anderen Darsteller in anderen Rollen zu sehen ist. Ich erhalte dann einen detaillierten Vortrag, wer spielt, wer aber nicht spielt, warum das gut oder schlecht ist und wie man wen zu finden hat. Man merkt richtig, dass es Miri schwer fällt mich mit allen (ihrer Meinung nach) nötigen Infos zu versorgen ohne mich inhaltlich zu sehr zu spoilern.

Im Theater angekommen habe ich dann bereits alles wieder vergessen. Kurzer Blick zur Seite – habe ich Miri auch vergessen? Schwupps…auf einmal ist sie weg. Gerade war sie doch noch da?

Neben dem Merchandise-Stand mit einem Zettel in der Hand entdecke ich sie dann wieder. Sie kommt zu mir und erzählt mir, wer denn heute (tatsächlich) in welcher Rolle auf der Bühne zu sehen ist. Könnte ich mir natürlich auch einfach in ein paar Sekunden selber durchlesen und wäre dann genauso schlau. Aber ich lass sie mal erzählen. Irgendwann merke ich dann, dass ich vielleicht doch lieber nicht alles aus dem Vortrag im Auto hätte vergessen sollen. Miris Ausführungen zu der Besetzungsliste scheinen darauf aufzubauen. Aber das mit dem Nicken und Lächeln habe ich ja mittlerweile perfektioniert.

img_0540Nun kann es aber mal losgehen! Die Zuschauer drängen in den Theatersaal und auch wir nehmen unsere Plätze ein. Ich werde noch rasch mit den letzten Infos versorgt und dann geht es tatsächlich los. Nach einer guten Stunde ist dann Pause. Ich schau zu Miri und zwei große Augen schauen mich an, in denen geschrieben steht: Uuuuuuuuund, wie gefällt es dir?  „Ja…ist gut. Und was sagst du?“ Erstmal sie reden lassen. So schnell kann ich gar nicht sagen, ob es mir gefällt und wenn ja wie sehr und wenn nein, was nicht. Und dann geht es los. „Der Darsteller ist gut, der Darsteller ist schlecht, in dem und dem Lied wurde sich versungen, die und die Szene ist anders als vorher…“ Nicken und Lächeln. Die Hälfte davon ist mir gar nicht aufgefallen. „Ich finde es unterhaltsam. Und hier…der eine…“ „…Dschinni?“ „Ja. Den finde ich gut.“  Ich bin mir dann manchmal nicht so sicher, ob Miri das als Rezension reicht. Aber was soll ich auch groß noch weiter dazu sagen?

Dann kommt die 2. Hälfte. Nach einer weiteren Stunde ist es dann vorbei. Die Darsteller holen sich ihren Applaus ab. Plötzlich springen alle frenetisch auf. Wenn man noch was sehen möchte, ist man jetzt quasi ab Reihe 2 gezwungen aufzustehen. Ich mach natürlich mit – gehört sich auch offenbar so im Musical. Die Darsteller erhalten ihren Applaus und ich hoffe auf wenig Gerangel beim Verlassen des Saals und beim Kampf an der Garderobe.

So oder so ähnlich läuft es eigentlich immer bei uns ab, wenn es ins Musical geht. Sicherlich, für mich sind es in der Regel auch immer schöne Abende. Auch wenn ich vieles nicht nachvollziehen und mich nicht so begeistern kann. Trotzdem ist das Thema Musical ein Teil meines Lebens geworden – sei es aktiv, wenn ich mit ins Theater gehe oder passiv, wenn ich mir die Erzählungen von Miri anhöre oder ihr Tipps für ihre Fotos auf Veranstaltungen gebe.

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3 Gedanken zu “Wie überlebt mann einen Musicalbesuch mit einer musicalverrückten Freundin

  1. Krissy schreibt:

    Lieber Alex,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich musste mal wieder mehr als einmal schmunzeln. Ich glaube tatsächlich, dass mein Mann sich haargenauso fühlt. Ich texte ihn nämlich genauso zu mit irgendwelchen Darstellern, die ihm wahrscheinlich so viel sagen wie der Cousin der Nachbarskatze. („Ooooh Schatz, guck mal – der Ethan Freeman spielt den Dschafar“ – „Öhm…wer?“).
    Und dann geht’s in der Pause auch mit der Kritik los. Ihr Männer versteht halt total nicht, dass wir Mädels nicht nur „Joa, ist gut“ hören wollen, sondern jede einzelne Szene muss ausgiebigst diskutiert werden – da habt ihr Männer noch Verbesserungsbedarf 😛
    Nein, im Ernst: Ich finde es toll, dass ihr Männer unseren Wahnsinn mitmacht. Auch, wenn ihr euch wahrscheinlich teilweise besseres vorstellen könntet und (allerhöchst-) wahrscheinlich ohne uns nicht so oft im Theater wärt :-)
    Freu mich auf noch weitere Beiträge von dir (wie du Tarzan findest, könntest du auf jeden Fall nochmal schreiben. Da bin ich nämlich Anfang Januar auch mit meinem Mann :-D)

    Liebe Grüße,
    Krissy

  2. Christian schreibt:

    Alex, das ist phantastisch geschrieben. Ich bin ein Mann und kann das nachvollziehen. Ich kann beim Thema Musical natürlich genauso wie deine Freundin argumentieren. Dafür sag ich bei anderen Themen halt „ja“ und „gut“, oder nicke und lächle. Bei meiner Freundin und mir ist es zum Teil sogar so, dass ich der aktivere Part bin und da total durchstrukturiert bin. Aber wie gesagt… ich finds toll das du wirklich den Wahnsinn mitmachst.
    Liebe Grüße
    Christian

  3. Annie schreibt:

    Hi Alex,

    danke für diesen super Beitrag.
    Bei meinem Freund und mir ist es genauso.
    Ich Texte ihn auch gerne mit Dingen zu, die das Musical betreffen, wo er mich anschließend anschaut wie ein Auto. Aber er sagt, dass das wohl dazu gehört. Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr erheiterndes von dir zu lesen bekommen werden.
    Wir finden uns auf jeden Fall immer wieder.

    Lg Annie

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