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Wir alle lesen sie doch – Die Musicalmagazine

Wir alle lesen sie regelmäßig, die Musicalmagazine. Egal ob klassisch als gedrucktes Magazin oder im Internet. Durch Facebook haben sich völlig neue Möglichkeiten offenbart. Einfach mal alle Magazine liken und schon hat man ein schönes Potpourri an Artikeln, die einen mit nur einem Klick über die Musicalwelt informieren und auf dem Laufenden halten. Aber wer ist das eigentlich genau, der uns da auf dem Laufenden hält? Sind das wirklich Musicalfans, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben? Oder sind das einfach irgendwelche Redakteure? Wie sind die Magazine eigentlich entstanden? Und was steckt dahinter?

Diese Fragen habe ich mir gestellt, dann aufgeschrieben und an Kulturpoebel.de geschickt. Herausgekommen ist ein absolut lesenswertes Interview, das einen tollen Einblick in die Welt der Musicalmagazine gibt.

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Wie ist KULTURPOEBEL.de entstanden?

Marina: KULTURPOEBEL.de entstand eigentlich aus unserem Studium heraus. Stephan, Lennart und ich studieren Kommunikations- und Medienwissenschaft und wollten das dort erlernte Wissen auch praktisch anwenden. Daher haben wir KULTURPOEBEL.de gegründet und sind mit dem Musical-Magazin in seiner jetzigen Form im Januar 2016 online gegangen. Selbstverständlich haben wir das Magazin nicht nur aus wissenschaftlichem Interesse gegründet, sonst hätten wir uns das Thema „Musicals“ nicht ausgesucht. Besonders Stephan und ich brennen seit Kindertagen für das Musiktheater und freuen uns, dass wir unsere Faszination für Musicals und all unser über die Jahre angesammeltes Fachwissen bei KULTURPOEBEL.de journalistisch – und nun auch als Musical-Produzenten – ausleben können.

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Wie seid Ihr auf den Namen „KULTURPOEBEL“ gekommen? Was steckt dahinter?

Stephan: Es war ein wirklich langer Prozess, einen aussagekräftigen Namen zu finden, auf den noch niemand anderes gekommen, der einprägsam ist und nicht beliebig klingt. Letztlich haben wir uns ein wenig von all den – häufig falschen – Vorurteilen inspirieren lassen, mit denen man als Musical-Fan konfrontiert wird. Ein Dauerbrenner ist hier ja die ewige Vorstellung, Musical sei nicht mehr als seichtes Kommerz-Entertainment, eine anspruchslose Verirrung des Theaters, die häufig belächelt wird. Natürlich ist diese Vorstellung unhaltbar und mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich so etwas höre, aber leider hat sich ein solches Image bei vielen manifestiert.
Und so kam uns die Idee, mit diesem Vorurteil selbstbewusst umzugehen und dadurch ein Statement zu setzen. Wir lieben Musicals und wenn ein Fan des Genres als kultureller Pöbel abgetan wird, dann sind wir sehr stolz, zum KULTURPOEBEL zu gehören. Der Name ist daher mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen.

 

Wer steckt hinter KULTURPOEBEL.de? Aus wie vielen Musicalfans besteht das Team? Gibt es auch Nicht-Musicalfans?

Marina: Der „Kern“ von KULTURPOEBEL.de besteht aus Stephan, Lennart und mir. Wir sind die Gründer des Magazins. Stephan übernimmt bei uns die Chefredaktion, ich bin für die News und Social Media zuständig. Lennart ist unser IT-Profi und zeichnet sich außerdem für alles Grafische verantwortlich. Er ist auch der einzige im Team, der sich nicht unbedingt als glühender Musical-Fan bezeichnen würde, was aber aufgrund seines Aufgabengebietes auch nicht weiter schlimm ist. Er erdet uns immer ein wenig :). Unser Redaktionsteam besteht außerdem noch aus unseren Autorinnen und Autoren Nadine, Franzi, Thomas, Mareike, Simone und Niklas, die in ganz Deutschland verteilt und eingefleischte Musical-Fans (und teilweise sogar Darsteller) sind.

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Was zeichnet Euch aus? Warum seid Ihr anders als die anderen Musicalmagazine?

Marina: Ein großer Unterschied zu anderen Musical-Magazinen ist, dass wir nicht nur über den deutschsprachigen Raum berichten. Unser Fokus liegt neben den Musicals, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz gespielt werden, besonders auf Produktionen aus dem West End und vom Broadway. Teilweise schreiben wir sogar über Stücke, die abseits der großen Musical-Hotspots spielen. Es gibt zwar einige Magazine, welche die wichtigsten News aus London und New York ebenfalls aufnehmen, allerdings liegt der Schwerpunkt bei diesen Magazinen meist eher auf dem deutschsprachigen Raum. Wir versuchen unseren Lesern die komplette Musical-Welt auf einen Blick zu zeigen – eben „All that Musical“ – und dabei keine wichtigen Neuigkeiten auszulassen. Darüber hinaus liegt unser Fokus nicht unbedingt auf den Musical-Klassikern und der 2746. Produktion von „Kiss me, Kate“, sondern auf dem innovativen und modernen Musiktheater. Musicals wie „Hamilton“ oder „Fun Home“ sind unserer Meinung nach die Zukunft des Genres und sprechen eine ganz andere Zielgruppe an als zum Beispiel „Cats“. Eine junge Zielgruppe, die an neuen Themen und zeitgemäßer Musik interessiert ist – so wie wir. Dieser Trend ist nicht nur bei uns persönlich angekommen, sondern überflutet die Musical-Welt und deren Fans zunehmend, eröffnet neue Perspektiven und das ist für uns selbstverständlich besonders berichtenswert.

Wie kam es dazu, dass Ihr nun selber ein Musical produziert?

Stephan: Damit geht für uns natürlich ein Traum in Erfüllung. Es hat sich Marina und mir in den Endzügen des Studiums die Möglichkeit dazu ergeben und da haben wir uns natürlich nicht zweimal bitten lassen. Letztlich resultiert diese Idee aber auch aus unserer redaktionellen Ausrichtung. Da wir besonders dem modernen Musical eine Plattform bereiten, beschäftigen wir uns intensiv mit Stücken, die momentan keine Chance haben, auch in Deutschland gespielt zu werden. Die USA und UK sind dem Musical in Deutschland mal wieder Jahre voraus und das finden wir mehr als schade. Denn wir sind davon überzeugt, dass die modernen Musicals auch hierzulande ein viel größeres und jüngeres Publikum erreichen, begeistern und vor allem berühren können. Irgendwann haben wir uns gesagt: „ Wenn andere es nicht machen, müssen wir es eben selbst versuchen!“ und heraus kam ein Konzept, dessen Kern es ist, all jene Musicals nach Deutschland zu bringen, die selten oder gar nicht hier gespielt werden.

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Wie ist die Wahl auf das Musical „tick…tick…BOOM!“ gefallen? Hattet Ihr noch andere Musicals im Visier?

Stephan: Wir hatten natürlich hunderte Ideen, aber wir mussten uns die Frage stellen, welches Stück überhaupt machbar ist – als allererste Produktion in einem entsprechenden Umfang. Ein Musical mit einem 20-köpfigen Ensemble und ebenso großem Orchester können wir mit unseren jetzigen Ressourcen (noch) nicht stemmen. Daher haben wir nach einem selten gespielten, intimen Stück mit viel Herz und Botschaft, einem zeitgemäßen Thema, einer modernen Musik- und Art der Erzählung gesucht. Nachdem wir diese Kriterien festgelegt hatten, dauerte es glaube ich keine Minute, bis uns „tick…tick…BOOM!“ in den Sinn gekommen ist, ein Musical von Jonathan Larson, der mit „Rent“ Musical-Geschichte geschrieben hat. Wir haben uns das Material besorgt und waren direkt Feuer und Flamme für das Vorhaben, weil „tick…tick…BOOM!“ viel von Jonathan Larson`s ganz persönlicher Geschichte aufgreift und musikalisch wie inhaltlich eine Hinführung zu „Rent“ darstellt. Der Score ist rockig und mit der Handlung kann sich jeder auf seine ganz eigene Art und Weise identifizieren. Das Stück passt daher genau in unser Konzept und wir können es ehrlich gesagt gar nicht fassen, dass ein solch starkes Stück bislang so wenig gespielt wird hierzulande.

 

Was bedeutet es für Euch jetzt dieses Musical zu produzieren? Ist es für Euch ein großer Schritt zu dieser Entscheidung gewesen? Ist es eine Herausforderung für Euch? Stellt Ihr hohe Ansprüche an Euch selber?

Marina: Die Produktion bedeutet uns natürlich sehr viel, unser ganzes Herzblut steckt in KULTURPOEBEL.de und „tick….tick…BOOM!“. Die Idee hatten wir schon etwas länger, das Projekt dann wirklich durchzuziehen ist jetzt eine ganz andere Nummer. Wir  haben viel hin und her überlegt, kalkuliert und uns informiert, bevor wir den Schritt gewagt haben, das Theater zu buchen und die Lizenz einzuholen – ab dem Punkt gab es kein Zurück mehr. Selbstverständlich ist eine Musicalproduktion eine große Herausforderung für uns. Wir haben noch nie ein Musical produziert, deshalb sind viele Erfahrungen, die wir jetzt machen, gänzlich neu für uns, wie zum Beispiel die rechtlichen Bedingungen, die man beachten muss oder die Probenplanung. In den Bereichen PR und Marketing wiederum kennen wir uns schon gut aus und können unsere Kompetenzen in einen Topf werfen und für „tick…tick…BOOM!“ nutzen. Natürlich haben wir hohe Ansprüche an uns, beziehungsweise an das Ergebnis. Unser Ziel ist es, „tick…tick…BOOM!“ so auf die Bühne zu bringen, dass wir das Musical, wenn wir es als Gast sehen würden, in einer Rezension auf KULTURPOEBEL.de durchweg positiv bewerten würden – natürlich unter dem Gesichtspunkt, dass es sich um eine Amateur-Produktion handelt und wir nur entsprechende Mittel zur Verfügung haben, aus denen wir versuchen, einen maximal berührenden und begeisternden Musical-Abend zu kreieren.

 

Ist „tick..tick…BOOM!“ der Auftakt zu noch weiteren eigenen Produktionen?

Stephan: „tick…tick…BOOM!“ ist der Startschuss für das „KULTURPOEBEL.de produziert“-Konzept. Während die Proben gerade auf Hochtouren laufen, sind Marina und ich schon dabei, die nächste Produktion in die Wege zu leiten. Wir wollen uns nun zu immer größeren Produktionen vorarbeiten und sind schon wieder am träumen, welche Stücke wir als nächstes umsetzen könnten. Was am Ende dabei rauskommt, wissen wir momentan selbst noch nicht. Aber es wird auf keinen Fall „My Fair Lady“!:)

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