Zwischen Illusionen von Fans und dem komplizierten Leben der Darsteller – ein Interview mit Andreas Luketa (Teil 3)

Als Fan ist man immer ganz begierig darauf zu erfahren was hinter den Kulissen vor sich geht und was die Darsteller bewegt. Auf Instagram und Facebook gewähren uns viele Darsteller nicht nur Einblicke in ihre Arbeitswelt und die Geschehnisse hinter der Bühne, sondern auch oftmals in ihr Privatleben. 2016_0422_15040100Durch die sozialen Netzwerke hat man das Gefühl seinen Idolen noch näher zu sein. Zu hinterfragen ist nur, ob das gut ist. Sowohl für das Fan-Sein, was so noch schneller zum Fanatismus werden kann, aber auch für die Darsteller selber, die durch Facebook und Instagram 24/7 für ihre Fans erreichbar sind. Andreas Luketa hat mir im dritten und letzten Teil Einblicke in seine Arbeit als Manager gegeben und seine Sicht auf Social Media und Musicalfans geschildert. Ein Interview, was sich wirklich zu lesen lohnt und dazu anregt sein eigenes Fan-Sein zu reflektieren. Ich habe mir im Anschluss noch einige Gedanken darüber gemacht von wem oder was ich eigentlich Fan bin und was das für mich und meinen Blog bedeutet. Aber lest es selber!

Sie sind aktuell von sechs Künstlern Manager. Wie kam es dazu, dass Sie sich auch dem Künstlermanagement zugewandt haben? Und was würden Sie sagen machen Sie anders als andere Manager und Agenten?

Das hat sich einfach aus der Situation heraus ergeben. Ich habe nie Akquise betrieben. Ich bin immer auf Menschen gestoßen bzw. Menschen sind auf mich gestoßen und wir haben dann gemerkt, dass wir eine Schnittstelle haben und auf der menschlichen Ebene harmonieren.

Art&Soul

Als Manager muss ich wissen wie es meinen Künstlern geht, was sie für Sorgen und Probleme haben und was sie beschäftigt. Nur wenn ich weiß, ob der Mensch hinter dem Künstler gerade glücklich oder unglücklich ist, kann ich dessen Zukunft mit Bedacht planen und Rollen für ihn annehmen. Ich muss wissen, ob er gerade dazu bereit ist. Was nützt ein erfolgreicher Künstler, wenn der Mensch irgendwann zerbricht. Diesen Ansatz  finde ich ganz elementar wichtig. Deswegen halte ich auch die Anzahl der Künstler, die ich manage, so klein. Die meisten Darsteller in Deutschland haben kein persönliches  Management, sondern eher Agenturen, die teilweise 10 bis 100 Künstler gleichzeitig betreuen. Und da ist es nur nachvollziehbar, dass  diese sicherlich nicht immer so den Überblick über alle ihre Künstler in diesem intensiven Maße behalten können, wie es bei einem Management mit weniger Künstlern der Fall  ist.

Die wichtigste Aufgabe einer Agentur ist es Jobs ein zu holen, diese zu verhandeln und Verträge zu schließen. Das macht ein Management auch, aber neben all den Kontakten, die man herstellt, und den Verhandlungen, die man führt, ist es besonders wichtig gemeinsam mit dem Künstler dessen Karriere zu planen und sich ein Ziel zu setzen. Dazu gehört  es auch oftmals unbequem zu sein und auch mal ganz bewusst von Dingen oder Rollen abzuraten. Ein guter Manager sollte seine Entscheidung niemals mit Blick auf die eigenen finanziellen Interessen treffen, sondern immer, immer, immer im Interesse seiner Künstler handeln.

Sie haben durch Ihre Tätigkeit als Manager ja intensive Einblicke in das Leben Ihrer Künstler. Wie schwierig ist es nicht nur alle beruflichen Verpflichtungen, sondern auch Familie, Freunde und das eigene Wohlbefinden unter einen Hut zu bekommen?

Ich glaube, dass diese Aufgabe all diese verschiedenen Dinge unter einen Hut zu kriegen, die schwerste Aufgabe ist, die ein Künstler zu bewerkstelligen hat. Wenn man jung ist und sich ins Abenteuer Musical stürz, erscheint vieles noch leicht und einfach. Dann ist man schnell verführt von dem schönen Rausch des Applauses, der vielen Kollegen und der begeisterten Fans. Aber je älter man wird, desto schwieriger wird der Job. Es kommen junge Künstler nach, die ebenfalls erfolgreich werden wollen und ihren Erfolg einfordern.

Ich glaube man sollte als Künstler ganz früh damit beginnen Menschen um sich zu scharen und Freundschaften mit Menschen aufrechtzuerhalten, denen man wirklich etwas bedeutet. Menschen aus der realen Welt, denen es völlig egal ist, ob man Künstler ist. Ich denke, das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Und man sollte auch bei all dem Elan und der Begeisterung erfolgreich oder gar ein Star zu werden, zu sein und zu bleiben, nicht vergessen, dass das Einzige was im Leben zählt und was wir sicher haben der Augenblick ist. Und es nützt kein Erfolg im Beruf, kein Star sein, wenn der Augenblick, der Moment, das Glücklichsein und das Genießen auf der Strecke bleibt. Denn das, was uns bleibt sind die Augenblicke, die wir in unserem Leben gesammelt und die Liebe, die wir anderen Menschen geschenkt haben. Und nicht der Job und nicht die Rollen, die wir gespielt haben. Jeder, der jetzt ein Star ist, ist in 50-60 Jahren vergessen und  das Einzige was bleibt, sind die schönen Momente, die die Darsteller ihrem Publikum schenken konnten. 

Wie bewerten Sie die steigende Präsenz von Musicaldarstellern in den sozialen Medien?

Social Media ist in der heutigen Zeit tatsächlich sehr wichtig geworden. Und sorgt natürlich dafür, wenn man es geschickt anstellt, dass man schnell mehr und mehr Fans gewinnen kann. Denn die Fans erhalten so das Gefühl, dass sie im Leben des Künstlers eine gewisse Wichtigkeit haben, was natürlich nüchtern betrachtet  ein Trugschluss ist. Ich bitte einfach jeden einzelnen Fan sich kurz zu fragen, ob er, wenn er ein Künstler wäre, egal ob Sportler, Schauspieler oder Sänger, tatsächlich das Bedürfnis hätte mehrmals die Woche oder gar täglich mit seinen Fans auf Facebook oder auf Instagram zu kommunizieren? Ich denke, dass sich da fast ein jeder als Antwort ein „nein“ eingestehen müsste…
Von daher sollte jedem Fan klar sein, dass Social Media unter’m Strich einfach Business ist.
Wenn man sich das klar macht und man dennoch Freude daran hat, ist aber alles fein.

Abschließend zum Thema Social Media erscheint es mir um einiges ehrlicher, wenn man als Künstler hier und da etwas postet, und dann auch wirklich Lust dazu hat seinen Fans etwas mitzuteilen, als mit einer getakteten Regelmäßigkeit mit seinen Fans zu kommunizieren. Denn das erscheint mir nicht immer ehrlich.  

Ich glaube die Nähe zu den Fans und die Leidenschaft, mit der man seinen Beruf ausübt, kommt am ehesten auf den Prüfstand, wenn man nach einem Konzert z.B. bei einer Autogrammstunde für einen Moment mit einem Künstler kommunizieren kann und ihm in die Augen schauen und sagen kann, dass es einem gefallen hat. Dann ist da dieser magische Moment, der sehr ehrlich und aufrichtig ist, weil beide Seiten– Künstler wie auch Zuschauer – gerade etwas Gemeinsames erlebt und geschaffen haben.

Neben den Darstellern sind insbesondere die Fans natürlich sehr aktiv in den sozialen Medien. Wie stark nehmen die Darsteller dort die Geschehnisse wahr? Wie viel kriegen sie von Gerüchten mit?

Ich glaube, dass sich die meisten Darsteller dafür nicht mehr interessieren. Es gibt so viele Gerüchte und Dinge, die von irgendwelchen investigativen Webseiten oder Fans ins Netz gestellt werden. Es interessiert letzten Endes niemanden mehr. Ich persönlich als Manager schaue ab und zu mal rein. Aber generell glaube ich, dass es die meisten nicht mehr interessiert.

Auch von den Gerüchten an sich bekommen viele Künstler nichts mit. Gerüchte bleiben in der Regel in den Fankreisen und dort lassen sich immer weniger Künstler anfinden.

Wie empfinden Sie generell das Musical-Fantum in Deutschland?

Im Showbusiness ist alles eine schöne Illusion. Das weiß doch eigentlich ein jeder, oder nicht? Das gilt für jeglichen Kunstbetrieb. Wir sollten alle froh sein, dass es diese schöne Illusion gibt und dass es Menschen gibt, die auf der Bühne stehen und für uns singen, schauspielern und tanzen. Sie opfern dafür einen Großteil ihres Privatlebens. Gönnen wir ihnen doch dann wenigstens das bisschen Privatleben, was sie haben. Ich wünsche mir von einigen Fans wirklich mehr Respekt davor und Dankbarkeit dafür, dass all die Menschen auf der Bühne ein Teil ihres Lebens in andere Persönlichkeiten schlüpfen, um ihr Publikum durch die Illusionen, die sie erschaffen, glücklich zu machen.

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Aber im Großen und Ganzen finde ich, dass wir in Deutschland wirklich viele überaus liebenswerte Fans haben, die sehr treu und loyal ihrem Künstler gegenüber sind.

Wenn wir Konzerte veranstalten ist es fast ein wenig wie ein Familientreffen und man freut sich auch als Veranstalter immer wieder all die freundlichen Menschen wiederzusehen. Der Spirit im Publikum ist auch auf der Bühne zu spüren und dieses Miteinander für 2 – 3 Stunden wird dann oft wirklich zu einem Fest.

 

Hier findest Du den ersten und zweiten Teil der Interviewreihe:

Erster Teil: MUSICALS IM WANDEL DER ZEIT

Zweiter Teil: MIT LEIDENSCHAFT UND LOGISTIK ZUM PERFEKTEN MUSICALKONZERT

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